Was macht eigentlich Horst Teltschik?

Horst Teltschik war einst bekannt als Helmut Kohls außenpolitisches Alter Ego, Chef der Bertelsmann Stiftung, BMW-Vorstand und Präsident von Boeing Deutschland. Heute plant er ein Buch und seinen langsamen Rückzug.

Wenn es um die ganz großen Themen dieser Welt geht, dann hat Horst Teltschik (67) immer noch den Überblick: Ob Agonie der EU, Aufstieg Chinas oder Außenpolitik der USA - analytisch-anekdotisch springt der Globetrotter über die Kontinente, nimmt sich ein Problem nach dem nächsten vor, streut hier und da historische Lehren ein - und gibt sich selbst die nötigen Stichworte. Da ist er ganz der Homo Horst politicus.

Doch wenn es um ihn und seine Arbeit geht, also eher den Homo Horst oeconomicus, verliert auch er schon mal den Durchblick: "Welche Posten habe ich denn gerade alle?", wiederholt er die Frage. Für ein paar Sekunden kehrt Ruhe ein in seinem auffallend aufgeräumten Büro, das er in der schicken Münchener Innenstadtpassage "Fünf Höfe" gemietet hat - gleich neben einem Anti-Aging-Institut.

Beim Aufzählen kann auch er das Schmunzeln nicht unterdrücken: Zunächst einmal leitet er die Münchener Sicherheitskonferenz, ist Honorarprofessor für Globalisierung und sitzt im Verwaltungsrat des Pharmariesen Roche . Daneben berät er mit seiner Firma Teltschik Associates Unternehmen bei Auslandsgeschäften. Und schließlich ist er noch Mitglied in diversen Kuratorien und Präsidien in aller Welt. Als ihm zu einer Institution nur "diese Dingsda" einfällt, zückt er schnell eine Visitenkarte: "Hier, mein neuester Job." Teltschik ist jetzt auch Gründungsrektor einer Universität in Südkorea.

Wie oft der Viel-Vielflieger, der zum illustren Hon-Circle der Lufthansa  gehört, unterwegs ist, weiß er nicht. Nur dass seine Frau findet, es sei zu viel. Wenn er nicht bei ihr am Tegernsee ist und drei Sachbücher parallel liest - ab und zu schiebt sie ihm einen Roman dazwischen, allerdings mit eher mäßigem Erfolg -, dann eilt der notorische Netzwerker von einer Konferenz zur nächsten, hält einen Vortrag hier und einen da.

"Ich muss immer unter Strom stehen", sagt er. Damit keiner auf die Idee kommt, dass er, der in Kohls Kanzleramt regelmäßig 100-Stunden-Wochen verbrachte, vielleicht mal so etwas wie Ruhestand braucht, hat er seinen Rentnerausweis im Portemonnaie hinter dem Organspenderausweis versteckt. Der Beamte a. D. fühlt sich ganz als Rentner a. D. Zumindest noch.

Ein Buch noch, dann ist Schluss

Denn in den nächsten Jahren will er sich von den meisten Aufgaben zurückziehen - nach und nach. Er fängt mit der Sicherheitskonferenz an, die er 2008 abgibt.

Ein Buch will er noch schreiben, über Kohls Außenpolitik - so eine Art eigenes Vermächtnis. Das soll's dann gewesen sein.

Seiner Frau kommen die Rückzugspläne sehr gelegen: Als sich beide im Frühsommer den Traum einer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn erfüllten, traf Teltschik zwischendurch immer mal wieder ehemalige und amtierende Würdenträger. In der Mongolei hat sie dann eingegriffen: "Jetzt ist aber mal gut, du machst doch Urlaub mit mir."


Horst Teltschik (67) war in den 80er Jahren für die auswärtigen und innerdeutschen Beziehungen im Bonner Kanzleramt verantwortlich. Als außenpolitisches Alter Ego von Helmut Kohl war er an den entscheidenden Verhandlungen zur deutschen Einheit beteiligt.

Nach der Wiedervereinigung wechselte Teltschik in die Wirtschaft. Auf die Politik folgten die drei B: Zunächst war er Geschäftsführer der Bertelsmann-Stiftung, von 1993 bis 2000 BMW-Vorstand und schließlich bis 2006 Präsident von Boeing (Kurswerte anzeigen) Deutschland.

Teltschik ist seit 40 Jahren verheiratet und lebt mit seiner Frau Gerhild am Tegernsee. Er hat zwei erwachsene Kinder.

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