Montag, 24. Juni 2019

Unicredit "Wir brauchen europäische Champions"

5. Teil: "Transaktion korrekt abgewickelt"

mm: Andererseits hat Ihnen die HVB-Übernahme auch eine Menge Ärger eingebracht. Gerade erst wurden Sie persönlich von einer ganzen Reihe von Hedgefonds ...

"Uns gehören heute rund 95 Prozent der Anteile, da sollten wir doch wohl auch gewisse Rechte haben."
Profumo: ... acht, um genau zu sein ...

mm: ... wurden Sie von acht Hedgefonds auf 17 Milliarden Euro Schadensersatz verklagt, weil Sie Kleinaktionäre der HVB beim Verkauf wichtiger Assets benachteiligt haben sollen. Können Sie noch ruhig schlafen?

Profumo: Durchaus. Wir haben diese Transaktionen korrekt abgewickelt, auf der Basis von Marktpreisen, was auch für die jeweiligen Transaktionen von externen unabhängigen Gutachtern bestätigt wurde.

mm: Die Vorwürfe der Kläger klingen aber recht plausibel. Verglichen mit den Bewertungen, die am Kapitalmarkt bei Firmenkäufen gezahlt werden, hat Unicredit die HVB-Tochter Bank Austria und deren polnischen Ableger BPH zu Schnäppchenpreisen ergattert. Wie wollen Sie das dem Richter erklären?

Profumo: So pauschal kann man das nicht vergleichen. Bei jedem Deal spielen verschiedenste Details eine Rolle. Und noch einmal: Wir haben die Preise für Bank Austria oder BPH nicht einfach festgesetzt, sondern von unabhängigen Gutachtern ermitteln lassen.

mm: Ein Münchener Richter hat in einer Vorverhandlung schon darauf hingewiesen, dass Sie für die Bank Austria vier bis fünf Milliarden Euro mehr hätten zahlen müssen.

Profumo: Das ist bislang nur ein Kommentar des Richters. Die gerichtliche Behandlung der Frage der Bewertung steht noch aus. Wir legen größten Wert auf eine faire Behandlung von Minderheitsaktionären. Das haben wir in der Vergangenheit wiederholt bewiesen.

mm: An einem Vergleich mit den unzufriedenen Kleinanlegern scheinen Sie nicht interessiert zu sein. Stattdessen haben Sie Klage gegen den Beschluss der letzten HVB-Hauptversammlung erhoben, Ersatzansprüche geltend zu machen und damit einen besonderen Vertreter zu beauftragen. Warum?

Profumo: Der Beschluss als solcher weist bereits gravierende Mängel auf, da er alles andere als bestimmt ist. Wir möchten daher, dass die Bestellung des besonderen Vertreters sowie seine Rolle und Befugnisse gerichtlich geklärt werden. In dieser Hinsicht sind der Beschluss der Hauptversammlung und die existierende Rechtslage nicht eindeutig. Wenn ein Gericht dies endgültig geklärt hat, werden wir die Entscheidung akzeptieren. Allerdings möchte ich daran erinnern, dass 95 Prozent der HVB-Aktionäre ihre Anteile verkauft haben ...

mm: ... der frühere HVB-Chef Albrecht Schmidt hat seine Aktien allerdings behalten ...

Profumo: ... wie auch immer: Uns gehören heute rund 95 Prozent der Anteile, da sollten wir doch wohl auch gewisse Rechte haben.

© manager magazin 9/2007
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