Freitag, 23. August 2019

Unicredit "Wir brauchen europäische Champions"

3. Teil: "Attraktiv für die besten Talente"

mm: Also hilft Größe auch, das Ego der Topmanager zu streicheln?

"Wir verstehen uns auch als deutsche Bank"
Profumo: Eine große Bank ist auf jeden Fall attraktiv für die besten Talente aus der Finanzbranche.

mm: Einen internationalen Konzern von den Dimensionen der Unicredit zu steuern wird andererseits immer schwieriger. Machen Ihnen die steigende Komplexität, die zunehmenden Kulturkämpfe innerhalb der Bank nicht zu schaffen?

Profumo: Doch, natürlich ist Komplexität ein Thema, aber Kulturen zusammenzubringen ist unsere Stärke. Sie müssen auch aufpassen, dass Sie von der Börse nicht als ein Konglomerat betrachtet werden. Wenn wir nur 10 Prozent unseres Börsenwerts verlieren, ist das bereits die Marktkapitalisierung eines mittelgroßen Geldhauses. Auch die Führung einer rasch wachsenden Bank wird zweifelsohne nicht leichter. Ich hinterfrage jeden Tag, ob ich der Richtige bin, um ein europäisches Geldhaus dieser Dimension zu leiten ...

mm: ... die Antwort lautet jedes Mal Ja, wie wir annehmen.

Profumo: Offensichtlich ist dem so. Aber die Basis für unseren Erfolg sind klare strategische Vorgaben. Dazu zählen etwa unsere konsequente Aufstellung in Divisionen und unsere ausschließliche Fokussierung auf Europa. Außerdem haben wir kürzlich unsere Leitungsstrukturen reformiert. Es gibt jetzt bei uns drei Stellvertreter des Vorstandsvorsitzenden, die einen Teil meiner Aufgaben übernehmen.

mm: Vornehmlich Italiener, von einer europäischen Dimension merkt man nicht viel.

Profumo: Sergio Ermotti, einer meiner Stellvertreter, ist Schweizer. Da er hauptsächlich für das in München angesiedelte Firmenkunden- und Investmentbanking zuständig ist, unterstreicht seine Beförderung zusätzlich die Bedeutung unseres deutschen Geschäfts. Aber auch ich selbst werde Deutschland weiterhin eine Menge Zeit widmen. Immerhin ist das unser zweitgrößter Markt, auf dem wir auch weiterhin kräftig expandieren wollen.

mm: Durch Zukäufe?

Profumo: Zunächst einmal wollen wir unsere bestehende Organisation optimieren. Außerdem steht momentan die Integration der Capitalia an erster Stelle. Im Investmentbanking zum Beispiel wachsen wir mit hohem Tempo, aber aus eigener Kraft.

© manager magazin 9/2007
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