Interview "Große Fusionen lehnen wir ab"

Roche-Lenker Franz Humer im Gespräch mit manager magazin über neue Präparate und den Sinn von Allianzen.
Von Peter Brors

mm: Herr Humer, trotz guter Zahlen ist Roche , wie andere Pharmaunternehmen auch, an der Börse zuletzt schwächer bewertet worden. Wie wollen Sie der Skepsis der Anleger begegnen?

Humer: Wir verfügen über ein junges Portfolio, dessen Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Gerade in der Onkologie investieren wir sehr viel in die Bekämpfung von Krebsformen, denen heute noch nicht wirksam begegnet werden kann. Ferner sind wir daran, neue Medikamente gegen rheumatische Arthritis und gegen Blutarmut einzuführen.

mm: Viele Ihrer Erfolge entstammen den Laboratorien zugekaufter Firmen wie Genentech. Was ist die Basis der Zusammenarbeit?

Humer: Gerade in der Forschung und Entwicklung ist die Autonomie aller Partner von ganz entscheidender Bedeutung. Die wird bei uns großgeschrieben. Das gilt aber nicht nur für Genentech, sondern auch für unsere Mehrheitsbeteiligung an Chugai in Japan sowie Dutzende weiterer Allianzen mit kleineren Partnern.

mm: Aber eine gewisse Koordination zwischen den Partnern dieser Allianz ist doch sicher nötig?

Humer: Wichtig ist insbesondere ein gemeinsames Verständnis von Pharma. Alles über einen Leisten zu schlagen wäre kurzfristig vielleicht zuweilen einfacher, auf lange Frist aber kontraproduktiv.

mm: Und wann holen Sie in der fusionsgetriebenen Pharmawelt zum großen Schlag aus?

Humer: Große Fusionen lehnen wir generell ab. Wo wir uns aber bezüglich Technologie, Expertise oder Marktpräsenz verstärken können, kaufen wir gezielt zu – wie jüngst zwei Unternehmen im Bereich Diagnostika sowie eine kleinere Forschungsfirma nahe München.

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