Freitag, 20. September 2019

Unternehmensberater Helden der Arbeit

Die Beraterbranche sonnt sich im Boom. Aber was leisten McKinsey, Boston oder Berger wirklich? Wen schätzen die Kunden am meisten? Eine Exklusivstudie gibt Auskunft. manager magazin präsentiert die Ergebnisse.

Was für ein Studentenleben! Gut, man leidet ein wenig unter Studiengebühren, BAföG-Schulden womöglich, Prüfungsstress sicherlich. Aber wer die Mühen der Alma Mater halbwegs hinter sich gebracht hat, den Abschluss, die Promotion vor Augen, der kann sich - falls strebsam und belesen - vor einschlägigen Angeboten kaum retten.

Wie diesem zum Beispiel. Für vier Tage lädt die Unternehmensberatung McKinsey Ende Juni Studenten und Doktoranden auf ein Weingut in die Wachau. Dort, wo der Grüne Veltliner auf Lössterrassen wurzelt, sollen die Hochschüler neue Marketingideen für den Hausherrn entwickeln, neue Vertriebswege erschließen. Nebenbei streifen sie mithilfe von Papierschnitzeln durch Schlösser und Burgen, verkosten Wein unter freundlicher Handreichung eines renommierten Sommeliers.

Die Öchsle-Tour (Motto: "Potenzial entfalten") hat einen tieferen Sinn, jedenfalls aus Sicht des Veranstalters: Die 40 Workshopper sollen McKinsey kennen, schätzen und so weit lieben lernen, dass es für ein späteres Vertragsverhältnis reicht. Das Ereignis ist Chefsache: Der neue Deutschland-Vormann Frank Mattern (45) schaut zum Abendessen vorbei.

Immer größer wird der Aufwand, den die Firma betreibt, um Talente zu ködern. Es bleibt ja nicht beim Wein allein. "McKinsey meets Mozart" (Konzert in der Wiener Staatsoper inklusive), Skisportstrategien in Kitzbühel (samt Tiefschneewedeln mit Markus Wasmeier); und die Frage, wie sich der Umsatz eines Fußballvereins steigern lässt, erörtern die Consultants mit dem interessierten Nachwuchs nicht etwa in München oder Manchester, sondern in Miami (plus Bootstour durch die Everglades).

Mehr Recruiting-Events, mehr Infoveranstaltungen an Unis, ein neues Einstiegsmodell für Bachelor-Absolventen - all das, um, wie geplant, in diesem Jahr 250 neue Leute einstellen zu können.

Nicht nur McKinsey, die ganze Zunft buhlt um die Hochschulcracks mit ungebremstem Eifer: Mal gibt es einen iPod gratis, mal betätigt sich ein Hochschulprofessor (gegen Honorar) als Headhunter, mal lockt ein Begrüßungsgeld von einigen Tausend Euro. "Wir kämpfen um jeden Mann und jede Frau", sagt ein für das Recruiting zuständiger, in der griechischen Mythologie bewanderter Consultant: "Der Nachwuchs ist unsere Achillesferse."

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