Nobeluniversitäten Ein Platz in der Efeuliga

Sorgfältig pflegen Harvard & Co. den Mythos, dass bei ihnen die Klügsten studieren. In Wahrheit sind es vor allem die Reichsten.

Es gehört zu den schönsten amerikanischen Legenden, dass es jeder bis ganz nach oben schaffen kann. Um der Realität zu entsprechen, müsste die Geschichte allerdings geringfügig abgewandelt werden: In den USA kann es jeder nach ganz oben schaffen - der Aufschwung fällt aber deutlich leichter, wenn die Eltern schon dort sind.

Ob man eines Tages zur Elite gehören wird, bestimmt in den USA vor allem der Studienort. Wer es als 18-Jähriger nach Harvard oder an eine der übrigen Institutionen der Ivy League, der Efeuliga, schafft, der erhält nicht nur eine erstklassige Ausbildung. Er knüpft auf dem Campus auch jenes Netzwerk, das ihm den Weg nach oben ebnet.

Zur Legende von der offenen amerikanischen Gesellschaft gehört, dass Harvard & Co. ihre Studenten ausschließlich nach Leistung auswählen.

Wer nicht zu den oberen 20 Prozent seines Highschool-Jahrgangs gehört und soziales Engagement oder sportliche Spitzenleistungen nachweisen kann, der braucht sich normalerweise nicht zu bewerben.

Es sei denn, er hat reiche Eltern. In seinem letztes Jahr in den USA erschienenen Enthüllungsbuch "The Price of Admission: How America's Ruling Class Buys its Way into Elite Colleges" zeigt der Pulitzer-Preisträger Daniel Golden, dass sich selbst für unterdurchschnittlich begabte Elitekinder ein Platz in der Efeuliga erkaufen lässt.

Die privaten Unis lassen ihren Anspruch auf Chancengleichheit angeblich gern fahren, wenn sie sich großzügige Spenden oder publicityträchtige Prominenz auf dem Campus erhoffen.

Privilegien der reichen Weißen

So haben es alle vier Kinder des ehemaligen US-Vizepräsidenten (und Harvard-Absolventen) Al Gore nach Harvard geschafft. Darunter auch sein Sohn Albert. Dessen soziales Engagement bestand darin, bereits vor dem Highschool-Abschluss eine Vorstrafe zu kassieren. Seine schulischen Leistungen waren bescheiden. Doch als Albert sich im Herbst 2000 bewarb, schien sein Vater kurz vor dem Gewinn der Präsidentschaftswahlen zu stehen (er verlor knapp gegen George W. Bush). Außerdem war Gore in der Harvard-Alumnivereinigung aktiv. Wer will schon solch einen prominenten Förderer verärgern?

Kein Einzelfall, wie Golden anhand vieler Quellen belegt. So wurden an der Duke-Universität in North Carolina Ende der 90er Jahre über 100 Studenten pro Jahr angenommen, deren Leistungen unter dem Mindeststandard lagen. Ihre Eltern waren reich, und die expandierende Uni brauchte dringend Spenden.

Bereits das Bewerbungsverfahren für die Kinder reicher und/oder prominenter Eltern unterscheidet sich in Duke von dem bürokratischen Marathon, den normale Kandidaten durchlaufen müssen.

So bemühte sich der Chef der Zulassungsstelle eigens ins kalifornische Heim von Regisseur Steven Spielberg, um mit dessen Stieftochter Jessica Capshaw ein Bewerbungsgespräch zu führen. Capshaw zog es dennoch vor, an einer anderen Universität zu studieren.

Leidtragende dieser Politik sind vor allem asiatische Einwandererkinder. Deren schulische Leistungen liegen über dem Durchschnitt, doch ihren Eltern fehlen meist die richtigen Verbindungen, und sie profitieren auch nicht von den speziellen Förderprogrammen für Farbige.

Um einen Platz in der Efeuliga zu ergattern, müssen Asiaten deutlich bessere Ergebnisse erzielen als der Schnitt der angenommenen Bewerber - und um Längen klüger sein als weiße Kinder reicher Eltern.

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