Sonntag, 18. August 2019

Klaus Schwab Der Netzkünstler

Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums in Davos, führt die Mächtigen der Welt zusammen - zu unternehmerischem wie öffentlichem Nutzen.

Es war eine zwiespältige Erfahrung für Klaus Schwab - zu merken, dass er es geschafft hatte. Mitte der 70er Jahre sei das gewesen, erzählt er. Der junge Wirtschaftsprofessor hatte sich mit Managementkonferenzen in Davos bei Fachleuten einen Namen gemacht. Eines Morgens bat er seine Sekretärin, ihn doch mit Herrn Giscard d'Estaing zu verbinden. Gemeint war Olivier Giscard d'Estaing, der Gründer der Privathochschule Insead. Die Verbindung kam flugs zustande, Schwab nahm ab. "Gis - card - d'Es - taing" schnarrte eine tiefe Stimme. Schlagartig begriff Schwab, dass er nicht Olivier an der Strippe hatte, sondern dessen Bruder Valéry, den damaligen französischen Staatspräsidenten; die Sekretärin hatte irrtümlich im Elysée-Palast angerufen und war gleich durchgestellt worden. "Da hab' ich", bekennt er, "vor lauter Schreck einfach den Hörer aufgeknallt."

Ein Realist und ein Idealist: Dem Weltwirtschaftsform in Davos gehört Klaus Schwabs ganzes Herzblut
Wie anders sieht es aus, wenn er heute auf die Mächtigen trifft. So wie an diesem Morgen in Washington. Da sitzt Schwab im Konferenzsaal des amerikanischen Außenministeriums. Mit ihm sind rund 80 junge Manager, Unternehmer und Politiker aus aller Welt gekommen, die sich zu Schwabs Nachwuchsgruppe "Young Global Leaders" zählen dürfen. Gemeinsam wollen sie einen Tag lang die Absichten der US-Regierung erkunden, und die bietet gleich das halbe Kabinett auf, vom Stabschef bis zur Außenministerin. Da ist sie auch schon. Condoleezza Rice rauscht herein: im maisgelben Kostüm, akkurat, breit lächelnd, wie man sie kennt.

Klaus Schwab schreitet ihr entgegen, begrüßt sie mit ausgiebigem Händedruck, geleitet sie auf die Bühne. Dann regnet es Artigkeiten - vor allem für den Gast. Condoleezza Rice dankt Schwab für die große Ehre seines Besuchs, lobt seine Arbeit im Allgemeinen und erinnert daran, dass sie "Klaus" schon lange kenne, von Begegnungen in Harvard. Schwab, ein Mann mit rundem Denkerschädel und gütigen Augen, nimmt die Eloge gefasst, ja routiniert entgegen.

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Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Kein Deutscher - von Staatslenkern einmal abgesehen - trifft die globalen Entscheider so oft wie er. Keiner versteht es besser, sie in ein privat organisiertes Netz einzubinden.

Klaus Schwab (69) schuf mit seinem jährlichen Treffen in Davos, dem Weltwirtschaftsforum, eine "einzigartige Kontaktbörse auf höchstem Niveau", wie das Schweizer Wirtschaftsblatt "Bilanz" attestiert. Hier begegnen sich die Spitzen der globalen Geschäftsgemeinde, debattieren mit Wissenschaftlern und Politikern, mit Künstlern und einflussreichen Verbändechefs.

Die Zeit zwischen den Jahresversammlungen füllt inzwischen eine Vielzahl weiterer Treffen. Schwab, ein "human tornado of ideas" ("Wall Street Journal"), ersann rund ein Dutzend Regionalforen, die - über die ganze Welt verteilt - die Gewaltigen anziehen.

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