Was macht eigentlich Klaus Wiegandt?

Klaus Wiegandt wurde als Handelsmanager ebenso bekannt wie vermögend. Als Privatier vertiefte sich der ehemalige Metro-Chef in die einschlägige Literatur über Ressourcen und Klimawandel und gründete eine Stiftung mit dem hehren Namen "Forum für Verantwortung".

"Besteht Lebensqualität nur aus Konsumfreude?", fragt Klaus Wiegandt und legt nach: "Muss ein Verbraucher jedes Jahr mehr kaufen können?" Dann moniert er, dass "wir Mineralwasser aus Italien trinken", obwohl es bei uns überall vor der Haustür produziert wird.

Seltsame Gedanken für einen lang gedienten Topmanager des deutschen Einzelhandels. Eigentlich müsste er früher am Unsinn seines beruflichen Tuns seelisch schier zerbrochen sein.

So schlimm war es nicht; die Einsichten kamen ihm erst, nachdem er Ende 1998 bei Metro  ausgeschieden war. Zwar hatte er schon in seiner aktiven Zeit "Die Grenzen des Wachstums" von Dennis Meadows gelesen, aber viel Zeit zum Nachdenken blieb neben dem Job nicht.

Als Privatier vertiefte er sich in die einschlägige Literatur. Je mehr er las, desto mehr staunte er. Etwa darüber, dass es umfassende Erkenntnisse über den Zusammenhang von Ressourcenverschwendung und Klimawandel gibt, dass aber kaum jemand Konsequenzen daraus zieht. Und darüber, dass viele in der Kneipe klaglos sechs bis neun Euro pro Liter Bier bezahlen, sich aber über einen Benzinpreis von 1,50 Euro aufregen.

"Energie und andere Ressourcen", sagt er, "sind viel zu billig." Da Wiegandt den Menschen für ein im Grunde gutes Wesen hält und für vernünftig genug, bei Bedarf umzudenken, kam er zu der Erkenntnis, dass es einfach an Aufklärung fehle.

Dies wollte und will er ändern. Im Jahr 2000 gründete er eine Stiftung, die heute den hehren Namen " Forum für Verantwortung " trägt und mit 2,3 Millionen Euro aus Wiegandts Privatvermögen ausgestattet ist. Viele erklärten ihn für verrückt: Er könne doch nichts ausrichten und stecke auch noch sein Geld in das Projekt.

Wie ein Ritterschlag

Wiegandt ließ sich nicht beirren. Seither hat er mehrere Kolloquien zu Themen wie Evolution und Genetik, Mensch und Kosmos oder ethische Grundwerte veranstaltet, um die Menschen "vom Wissen zum Handeln zu bringen".

Jüngstes Projekt ist eine zwölfbändige Buchreihe, für die er renommierte Wissenschaftler gewonnen hat. Die Schriften sollen über Klimawandel, Ressourcennutzung oder Welternährung aufklären - allgemein verständlich, sodass sie auch für Schulen geeignet sind. Sieben Bücher liegen vor, die restlichen folgen Anfang 2008, darunter "Wie muss die Wirtschaft umgebaut werden?".

Die Asko Europa-Stiftung und private Spender alimentieren Wiegandts Projekt. Eine Auszeichnung der Uno und lobende Worte des ehemaligen Uno-Umweltdirektors Klaus Töpfer erfreuen den Gründer wie ein Ritterschlag.

Will Wiegandt sich in Wahrheit ein Denkmal schaffen, wie mancher argwöhnt? "Dann hätte ich den Namen 'Klaus-Wiegandt-Stiftung' gewählt", kontert er und warnt vorsorglich alle Universitäten: "Ein Ehrendoktortitel wäre das Letzte, was ich annehmen würde."


Zur Person

Klaus Wiegandt (68) wurde als Handelsmanager bekannt.

1976 kam er als Generalbevollmächtigter zur Einzelhandelsgruppe Rewe Leibbrand. Ein Jahr später machte ihn Einzelhandelstycoon Willi Leibbrand zum Mitgesellschafter seiner Familienholding, was Wiegandt über die Jahre zu einem erheblichen Vermögen verhalf. Zeitweise war er Miteigentümer der Firma Uhren-Christ.

1991 wechselte er als Chef zum Handelsunternehmen Asko, das 1996 in der Metro AG aufging. Wiegandt wurde Vorstandssprecher des neuen Konzerns. Dem damaligen Aufsichtsratschef Erwin Conradi hatte er jedoch die Vertragsklausel abgerungen, dass er mit 60 Jahren privatisieren dürfte. Diese Option zog er - zum Unwillen Conradis - Ende 1998.