Forum Leserbriefe

Kritik nicht erlaubt

Presse: Wie Topmanager versuchen, ihr Bild in der Öffentlichkeit zu manipulieren. (mm 6/2007)

Angestellte Manager wie Bahn-Lenker Mehdorn oder VW-Chef Piëch benutzen Gelder ihrer Arbeitgeber (Aktionäre), um die Presse zu manipulieren, bis hin zur Drohung mit dem Entzug von Anzeigen.

Wenn die Herren der Wirtschaft schon keine Kritik von den Medien zulassen, dann kann man sich vorstellen, wie es im Inneren der Firmen ausschaut, man weiß dann auch, wie die Desaster bei DaimlerChrysler oder Siemens zustande gekommen sind. Bunkermentalität nach innen und außen, Kritik oder gar Widerspruch ist nicht erlaubt, dem Egotrip sind keine Grenzen gesetzt.

Der Einsatz von Firmengeldern für die eigene Imagebildung durch "Spin Doctors" lässt einen an Missbrauch denken.

Leider ist die Manipulation der Medien nicht auf die Wirtschaft beschränkt, die Politik macht es ebenso, es gibt keine Journalisten mehr, die kritische Fragen zu stellen wagen.

Hartmut Karras,
Herdwangen

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Die vorgestellten deutschen Topmanager tun uns leid. Einerseits lernen Führungskräfte in der Ausbildung trotz der heutigen Informationsgesellschaft nichts über Kommunikation. Zweitens werden sie falsch beraten. Wer von gescheiterten Ex-Journalisten mit einem Hang zum großen Max den Rat bekommt, er müsse die Presse hinters Licht führen, marschiert in Richtung Abgrund. Irgendwann kommt das sowieso raus. Und bei nächster Gelegenheit schlagen die Getäuschten zu - ausgedünnte Redaktionen und kuschende Verleger hin und her. Wir haben seit Jahren die Erfahrung gemacht, dass klare Authentizität und echte Glaubwürdigkeit die beste Kommunikationspolitik sind. Die vermeintlich "weiche Währung" namens gutes Image wirkt härter und nachhaltiger als Täuschen und Tarnen.

Ulla und Wolf Achim Wiegand,
Wiegand & Wiegand, Hamburg

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Dass Kommunikationsagenturen gewaltigen und "bestellten" Druck auf die Medien ausüben, ist an und für sich schändlich, doch werden solche Projekte eben sehr gut bezahlt und sind damit auch schon fast verständlich. Allerdings wird der meinungsmachende Druck nicht nur aus den Chefetagen der großen Unternehmen ausgeübt, sondern ist auch bei kleinen Lokalredaktionen der Print- und Hörfunkmedien allgegenwärtig. Aus Erfahrung kann ich bestätigen, dass schon "kleine Kommunalpolitiker" sehr erfolgreich mit den Chefredakteuren und Verlegern mauscheln, um Rathäuser zu erobern oder um negative Berichterstattung über die politische Konkurrenz zu erwirken. Meldungen über Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens werden schlichtweg von Geschäftsführern untersagt. Nachrichten, die Unmut erregen, wandern - unter Hinweis auf die Werbeschaltungen - in den Papierkorb und werden umgehend aus dem Online-Angebot entfernt. Früher durften Journalisten schreiben, was gesagt wurde. Heute schreiben sie vorgedruckte Interpretationen der PR-Berater, wie was verstanden werden soll.

Uwe G. C. Hoffmann,
Rugendorf


Wut der Investoren

DZ Bank: Immobilienfonds könnten das Institut in Schwierigkeiten bringen (mm 6/2007) 

Als DG-Anleger bin ich froh, dass nun endlich Bewegung in die träge Aussitzhaltung der DG-Anlagegesellschaft und der mit ihr verbandelten DZ Bank kommt.

Andreas Zwick,
Tuttlingen

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Mit den unseriösen und sittenwidrigen Vorgängen haben sowohl DZ Bank als auch die mit ihr verbundenen Raiffeisen- und Volksbanken bewiesen, dass sie keine Hemmungen haben, das über Generationen mit ihren Mitgliedern und Kunden gelebte Vertrauen schonungs- und verantwortungslos zu missbrauchen.

Leider ist vom Genossenschaftsprinzip "Einer für alle und alle für einen" eines Friedrich Wilhelm Raiffeisen nichts mehr übrig geblieben.

Horst Zengel,
Klingenberg am Main

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