Ferrari 599 GTB Roter Brummer

Fabrikant Klaus Fischer testete für manager magazin den jüngsten italienischen Sportwagen. Das Fahrwerk des Ferrari 599 GTB ist für ihn eine "Meisterleistung der Ingenieure".

Heute, sagt Klaus Fischer zu den Angestellten, die den roten Renner auf dem Parkplatz umringen, heute wolle er keine 300 Sachen fahren. Die Männer und Frauen vor der Konzernzentrale im Schwarzwalddorf Tumlingen reagieren erleichtert. Sie haben sich schon Sorgen gemacht, ihr Chef könne sich bei der Probefahrt mit dem Ferrari 599 GTB in Gefahr bringen. Schließlich ist der Zweisitzer über 330 Stundenkilometer schnell.

Aber Klaus Fischer, Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsführung beim gleichnamigen Hersteller von Dübeln und anderen Befestigungssystemen, von Technikbaukästen und Automobilbauteilen, kennt sich aus mit schnellen Autos. Sein Lieblingsdienstwagen ist ein nagelneuer Mercedes CL 55 AMG.

Der 599 GTB Fiorano, Nachfolger des legendären 575 Maranello, ist jedoch der erste Ferrari, den Klaus Fischer selbst fährt. Und gleich das erste Bedienungselement bereitet Probleme: das Gurtschloss ist - kaum erreichbar - eingeklemmt zwischen Sitzflanke und Handbremshebel. Klaus Fischer zuckt die Achseln - "Kleinigkeit" - und fummelt den Gurt ins Schloss.

Dann jagt er den Ferrari über die exzellent ausgebauten Landstraßen des Nordschwarzwalds. Der Zwölfzylinder entfaltet ein enorm hohes Drehmoment schon bei niedrigen Drehzahlen. Dann bringen gut 8000 Touren den Ferrari schon mit der dritten Schaltstufe des sequenziellen F1-Getriebes auf knapp 180 Stundenkilometer. Eine LED-Anzeige auf dem Sportlenkrad zeigt, wenn der rote Bereich des Drehzahlmessers nahe kommt - eine weitere Parallele zum Formel-1-Cockpit.

Klaus Fischer bewegt sich mit schlafwandlerischer Sicherheit durch die Kurven, Senken, Steigungen und Engstellen der Strecke - und in ebenso beachtlichem Tempo. Neben der Maschine begeistert ihn die ausgezeichnete Straßenlage des Ferrari.

In jeder Hinsicht zu auffällig

In jeder Hinsicht zu auffällig

Dämpfung und Federung sind perfekt abgestimmt, bügeln jede Unebenheit souverän aus und halten den großen Sportwagen auch bei groben Lastwechseln stabil. "Das Fahrwerk ist weder hart noch weich", sagt Klaus Fischer, "es ist beides. Eine Meisterleistung der Ingenieure."

Beim Rangieren am Fotoset überhitzt jedoch der Temperatursensor in einem der Katalysatoren. Der Bordcomputer meldet die Betriebsstörung sofort an das Zentraldisplay und verordnet dem Motor eine Art Schongang. Auf das Porsche-Jagen auf der nahen Autobahn 81 muss Fischer deshalb verzichten. Und als der Defekt von allein wieder verschwindet, findet er im dünnen Verkehr keine geeigneten Spielkameraden mehr.

Immerhin kann Klaus Fischer den 599 GTB souverän auf Tempo 250 bringen. Wind- und Rollgeräusche dringen dann noch immer kaum ins Cockpit. Nur das sonore Motorbrummen, fürchtet der Unternehmer, wäre ihm auf Dauer zu laut.

Dennoch fällt Klaus Fischers Fazit positiv aus. Vor allem die elegante Karosserie, gezeichnet vom Designstudio Pininfarina, hat es ihm angetan. Voll des Lobes ist er auch für die aufgeräumte Instrumententafel, für das clever gestaltete Display mit Navigationsanzeigen, Wasser- und Öltemperatur und für die markante Architektur des Kohlefaser-Armaturenbretts.

Gleichwohl würde er sich den zweisitzigen Zwölfzylinder nicht kaufen. In der schwäbischen Provinz sei ein Ferrari in jeder Hinsicht zu auffällig. Was man, wie Klaus Fischer mit einem Schmunzeln anmerkt, allein aus dem Auflauf auf dem Firmenparkplatz vor Beginn der Testfahrt ableiten könne.


Steckbrief

mm-Kritik: Derzeit dürfte kaum ein Serienauto mehr Blicke auf sich ziehen als Ferraris größter Zweisitzer. Die Karosserie ist ebenso elegant wie raffiniert gestylt. Antrieb und Aerodynamik lassen nichts zu wünschen übrig. Nur das Adaptionsprogramm der Getriebeautomatik reagiert manchmal etwas zu träge, etwa wenn nach einem gemütlichen Bummelkurs plötzlich ein Zwischensprint fällig wird.

Technik: V-12-Zylinder, 620 PS/456 kW. Spitze: "über 330 km/h" (Werksangabe).

Preis: ab 213.500 Euro.

Showroom: Der Ferrari 599 GTB in Bildern

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