Privatjets Luxus in der Luft

Ist der Flug mit dem Privatjet lediglich ein exklusiver und superteurer Spaß? Keineswegs. Immer mehr Manager leisten sich die Vorzüge eines eigenen Flugzeugs, indem sie sich die Kosten mit anderen teilen. manager magazin sagt, für wen sich der Luxus lohnt.
Von Claus G. Schmalholz

Fliegen kann so schön sein. Wenn's etwas mehr kosten darf als üblich. Die Route heute: Berlin-Tempelhof-Moskau-Scheremetjewo-Airport. Die schwarze Limousine stoppt direkt vor dem Eingang zum General Aviation Terminal. Hier starten und landen ausschließlich Privatflugzeuge, eine touristenfreie Zone für Bestverdienende.

Vor dem Eingang begrüßt der französische Pilot Alain Demarest in schmucker dunkelblauer Uniform seine Fluggäste per Handschlag, nur die Mütze fehlt. Auf seinem Blackberry hat er zuvor das Profil des Kunden abgerufen, mit Foto, den Vorlieben ("bevorzugt stilles Wasser"), den Abneigungen ("mag keine Tomaten auf dem Sandwich").

Demarest greift sich das Gepäck und geleitet die Herrschaften zur Abfertigung, es sind nur wenige Schritte. Das Bodenpersonal an der Sicherheitsschleuse empfängt die Passagiere ungewohnt freundlich, direkt daneben liegt der Schalter für die Passkontrolle. Die Formalitäten erledigt Pilot Demarest.

Zwei Minuten später stehen die Fluggäste im weiten Halbrund des Flughafens.

Es öffnet sich ein fantastischer Ausblick auf das Rollfeld, auf dem nur wenige Business-Jets stehen. Die weiße Hawker 800 XP bringt die beiden Fluggäste heute in zwei Stunden und 24 Minuten nach Moskau.

Geschwindigkeit und Luxus - das hat seinen Preis. Die Kosten für den Flug betragen 12.500 Euro, one-way, aber immerhin für das komplette Flugzeug mit sechs Plätzen. Da durchschnittlich nur zwei Personen an Bord sind, ist der Flug pro Nase über 6000 Euro teuer. Ein Business-Ticket der Lufthansa kostet rund 2000 Euro für Hin- und Rückflug.

Keine Zeit verplempern

Ein exklusiver und superteurer Spaß also für Snobs aus der High Society, für russische Oligarchen und Filmstars auf Promotiontour? Keineswegs.

Auch unter Managern und Unternehmern findet die Dienstreise per Privatflugzeug immer mehr Anhänger, weil sie ihre wertvolle Zeit nicht in Warteschlangen und mit Verspätungen verplempern wollen.

So gehört etwa Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, zu den Vielfliegern, die bei dringenden Terminen auf kleine Charterflieger zurückgreifen, die Unternehmen wie Aopa, Flexjet und Air Partner vermitteln. Immer mehr Unternehmen benutzen aber auch einen eigenen Jet, den sie sich mit anderen Unternehmen teilen.

Netjets Europe, führender Betreiber von Privatflugzeugen, absolvierte im vergangenen Jahr 30 Prozent mehr Flüge als im Jahr 2005. Netjets-Deutschland-Chef Steffen Fries ist sicher, dass das Wachstum anhält, weil ein Privatflugzeug gegenüber Linienflügen klare Vorteile biete: "Unsere Kunden können ihre Termine flexibel, diskret und unabhängig von Flugplänen absolvieren."

Zwei Drittel der Netjets-Passagiere sind Geschäftskunden, ein Drittel vermögende Privatleute sowie Stars wie der Golfer Tiger Woods. Eigentümer des Unternehmens ist US-Investmentlegende Warren Buffett, der angeblich so begeistert war vom guten Service der Privatflieger, dass er das Unternehmen 1998 kurzerhand kaufte.

Erfunden hat das Konzept Gründer Richard Santulli, der ein logistisches Modell ersann, das es den Kunden ermöglicht, an jedem beliebigen Tag Flugzeuge der Netjets-Flotte zu nutzen - und zwar als Teileigentümer, die sich die Anschaffungs- und Betriebskosten teilen.

Günstig ist das alles nicht

Inzwischen können die Kunden wählen, ob sie einen Anteil an einem Jet (mindestens ein Sechzehntel) oder ein Kontingent von 25 oder 50 Stunden kaufen. Der Preis für einen Flugzeuganteil liegt zwischen 300.000 und 1,3 Millionen Euro. Die Flugstunde für einen Jet wie die Cessna Citation Excel berechnet Netjets mit 4900 Euro. Zur Netjets-Europe-Flotte gehören inzwischen 124 Jets.

Gebucht werden die Flüge per Anruf bei Netjets. Bei einer Vorlaufzeit von zehn Stunden ist die Verfügbarkeit der Maschine garantiert. Einschränkungen ergeben sich nur aus den Öffnungszeiten der Flughäfen, etwa beim Engadin Airport in St. Moritz, der nur zwischen 8 und 19 Uhr angeflogen werden kann. In dringenden Fällen organisieren die Netjets-Betreuer Alternativen, etwa einen Flug nach Zürich und den Limousinen-Transfer ins kuschelige Châlet.

Seit zwei Jahren fliegt Netjets Europe unter dem Namen "Lufthansa Private Jet" auch exklusiv für die deutsche Fluggesellschaft. "Der Unterschied zu Netjets ist, dass unsere Kunden den Komfort eines Privatflugzeugs ohne aufwendige Verträge nutzen können und keine hohen Investitionen tätigen müssen", sagt Lufthansa-Manager Gerald Wissel.

Ein weiterer Vorteil, gerade bei international tätigen Firmen: Lufthansa Private Jet lässt sich in Firmenreiseverträge integrieren, weil für jeden Flug ein normales Ticket ausgestellt wird.

Ein Drittel der Kunden von Lufthansa Private Jet sind die Topmanager der Dax-Konzerne und Mittelständler, ein Drittel vermögende Privatleute, ein weiteres Drittel Prominente. Das Lufthansa-Angebot bietet den Vorzug, flexibel zwischen Linien- und Privatflug wählen zu können.

Genau dies schätzt Bertram Holzwarth (31), Gründer eines M&A-Beratungsunternehmens bei Augsburg, an der Privatfliegerei. "Günstig ist das alles nicht", sagt er, "aber ich gehöre definitiv nicht zu den Spaßfliegern, die das Gefühl genießen möchten, etwas ganz Besonderes zu sein. Ich betrachte das ganz nüchtern, zahlenmäßig."

Deutlich entspannterer Tag

Holzwarths Rechnung geht auf, weil er häufig abseits der Metropolen zu tun hat. Fliegt er per Linie zu einem Kunden, der bei Aachen an der Grenze sitzt, braucht er für die konventionelle Anreise via Flug von München nach Düsseldorf und Weiterreise per Mietwagen rund vier Stunden.

Dauern die Verhandlungen wie üblich länger, muss er schon auf die Uhr schauen und kalkulieren, ob er den letzten Flieger noch erreicht. "Und gedanklich bin ich dann schon beim nächsten Kundentermin am darauffolgenden Tag", sagt Holzwarth.

Als Privatflieger erlebt er so einen Tag deutlich entspannter. In 15 Minuten ist er am Regionalflughafen in Augsburg, wo er sich nur eine Viertelstunde vor Abflug einfinden muss.

Der Flug nach Maastricht dauert eine Stunde, 20 Minuten später sitzt Holzwarth im Konferenzraum seines Kunden. Und wenn's mal wieder länger dauert, wartet das Flugzeug auf ihn und seine Mitarbeiter.

Ein zusätzlicher Vorteil: "Beim Linienflug müssen wir die vielen Akten, die wir für den Kundentermin brauchen, als Gepäck aufgeben. Im Privatflugzeug haben wir alle Unterlagen stets dabei und können den Jet so als fliegendes, abhörsicheres Besprechungszimmer nutzen." Außerdem, meint Holzwarth nur halb im Scherz, "schiebe ich so den Herzinfarkt noch etwas weiter hinaus".

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