Altersvorsorge Der Ikea-Fonds

Der Aufbau einer privaten Altersvorsorge ist in Deutschland mit dramatisch hohen Kosten verbunden. Finanzforscher Martin Weber über Abzocke bei der Altersvorsorge.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kann das Wort Altersvorsorge nicht mehr hören. In der "Frankfurter Allgemeinen", der "Süddeutschen" oder in Ihrer Lokalzeitung können Sie beinahe jeden Tag zwei oder drei Artikel über Rentenlücken, Vorsorgesparen oder Alterssicherung lesen.

Wenn Sie "Private Altersvorsorge" ins Google-Suchfeld eintippen, haben Sie ein paar Sekunden später die Wahl zwischen über einer Million Angeboten. Ausgelöst hat diesen Overkill das Eingeständnis der Politik, dass der Staat künftig nicht mehr allein für die Renten der Deutschen aufkommen kann und dass die Finanzierung des Alterseinkommens in den kommenden Jahrzehnten zunehmend Privatangelegenheit sein wird.

Nun wird Ihnen vieles, was Sie darüber lesen können, wenig helfen bei der Lösung des Puzzles, vor das uns der Staat mit seinem teilweisen Rückzug aus der Rentenfinanzierung gestellt hat. Vergessen Sie erst einmal alle Geschichten, die Ihnen weismachen wollen, dass es Fondsmanager gibt, die auf Dauer den Dax  oder den Dow Jones  schlagen können.

Zahllose Studien zeigen, dass die Profis eben nicht besser abschneiden als der Markt. Und die Diskrepanz zwischen der Leistung eines Fondsmanagers und der Performance des Börsenbarometers wird umso stärker, je höher Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren ausfallen.

Und dann vergessen Sie alles, was Ihnen hohe Erträge verspricht, Ihnen dafür aber erheblich höhere Risiken aufbürdet. Ich weiß nicht, ob Sie Ihre Alterseinkommen von einem Finanzkonstrukt abhängig machen wollen, das auf den Boom in den Schwellenländern setzt, dessen Rendite aber beim nächsten Putsch in Südamerika einbricht.

Es geht auch anders

Ich würde einen Fonds vorziehen, der global investiert, Währungsrisiken absichert und durch niedrige Gebühren besticht. Und ich gebe es zu, billig wäre mir besonders wichtig.

Ich sage Ihnen auch warum: Wer heute 100.000 Euro in einem Aktienfonds anlegt, käme bei einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 8 Prozent nach 30 Jahren auf etwas über eine Million Euro - wenn die Verwaltung des Geldes umsonst wäre. Ist sie aber nicht. Selbst wenn das Geld zu Discountkonditionen angelegt würde (kein Ausgabeaufschlag und 0,3 Prozent des Kapitals als Verwaltungsvergütung pro Jahr), gäbe es am Ende nur knapp 926.000 Euro und damit fast 81.000 Euro weniger. Würde das Geld zu den in Deutschland üblichen Gebühren angelegt (5 Prozent Ausgabeaufschlag und 1,5 Prozent Managementfee pro Jahr), kämen nach 30 Jahren nur knapp 630.000 Euro, rund 380.000 Euro weniger als bei einer kostenlosen Vermögensverwaltung, heraus.

Der Aufbau einer privaten Altersvorsorge ist in Deutschland mit dramatisch hohen Kosten verbunden - und das ist der eigentliche Grund, warum ich das A-Wort nicht mehr hören kann. Es geht nämlich anders. In Schweden etwa zahlt jeder nach 1953 geborene Bürger 2,5 Prozent seines Einkommens in ein fondsbasiertes Vorsorgesystem ein. Neben zahlreichen konventionellen Finanzprodukten (zugelassen sind derzeit über 1000 Fonds) können die Schweden dabei ihr Geld in einem vom Staat initiierten Basisfonds ansparen.

Die Regierung greift dabei auf die Expertise international renommierter Finanzhäuser wie Goldman Sachs  oder Nomura  zurück. Das Kapital ist global gestreut, die Währungsrisiken sind weitgehend abgesichert. Und das Schönste am sogenannten Premium Savings Fund: Er verwaltet das Geld zu Ikea-Konditionen (maximal 0,3 Prozent jährliche Verwaltungsgebühr, kein Ausgabeaufschlag) und entspricht damit ziemlich genau Fall zwei unserer Renditebetrachtung.

Wenn ich nun Vertreter der deutschen Finanzindustrie frage, warum es hierzulande nicht möglich ist, einen solchen Fonds aufzulegen, höre ich nur: Wir wissen zwar, wie das geht, wir würden aber zu wenig daran verdienen. Das ist aus der Sicht der Industrie sogar nachvollziehbar. Aber als Anleger befriedigt mich diese Antwort nicht. Ich finde, dass wir in Deutschland eine Organisation brauchen, die uns ähnlich wie in Schweden eine aus Sicht der Finanzmarktforschung optimale und gleichzeitig kostengünstige Anlagemöglichkeit bereitstellt - nicht als Zwang, sondern als Alternative. Eine Regierung, die die Finanzierung der Altersvorsorge ihrer Bürger teilweise privatisiert, muss sich schon fragen lassen, warum sie die Gewinne daraus Banken und Fondsgesellschaften und nicht ihren Bürgern überlässt.

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