Bankentest Zur Kasse - bitte!

Was taugen Deutschlands Geldhäuser? manager magazin befragte über 6000 Kunden online. Die Ergebnisse sind ernüchternd, die Liste der Ärgernisse ist beinahe endlos - und die Fantasie der Finanzfirmen beim Abrechnen von Gebühren kennt kaum Grenzen.
Von Jonas Hetzer und Dietmar Palan

Peter Carstens (Name von der Redaktion geändert) fühlte sich gut umsorgt und fast ein bisschen geehrt, als ihn der freundliche Herr von der Citibank anrief. Er hätte doch ein erkleckliches Sparguthaben und ein paar Termingelder, die nun fällig würden. Über eine sinnvolle Anlage der sechsstelligen Summe sollte man sich mal in Ruhe unterhalten, schlug der Banker vor.

Bereits am nächsten Tag, es war der 9. August 2000, ging Carstens in die Filiale in der Karlsruher Kaiserstraße. Eine Eigentumswohnung, dachte sich der damals 52-Jährige, als ihm der nette Anlageberater des Geldhauses einen Platz anbot, wäre nicht schlecht, als Vorsorge für später. Doch der adrette Jungbanker hatte ganz andere Pläne.

Mit Aktien sei doch deutlich mehr zu verdienen als mit Immobilien. Ein Depot aus verschiedenen Aktienfonds wäre da genau das Richtige, dozierte der Berater. "Neuer Markt", "Technologie", "Dax" , "Dow Jones"  - Carstens, von Beruf Haustechniker in einem Museum, hatte von alldem noch nie etwas gehört. Er sei kein Zocker, gab er zu Protokoll, und dass er eine "ausgewogene" Anlagestrategie wünsche - auf Deutsch: keine gewagten Wetten, sondern eine solide Geldanlage.

Solide waren die Investments allenfalls für die Bank. Gut 6000 Euro kassierte die Citibank für die Vermittlung der Fondsanteile.

Das vermeintlich ausgewogene Portefeuille - Einstandspreis: rund 120.000 Euro - verlor im Börsencrash der Jahre 2001 bis 2003 indes dramatisch an Wert.

Denn anstatt Carstens auch sichere Anleihen- oder Immobilienfonds ins Depot zu legen, hatte der Berater ihm ausschließlich Aktienfonds, darunter auch den hochspekulativen "Uni Neue Märkte", zum Kauf empfohlen. Als Carstens einen Teil des Depots entnervt verkaufte, musste er Verluste von über 37.000 Euro hinnehmen.

Die missratene Anlageberatung, laut Citibank ein "bedauerlicher Einzelfall", ist lediglich ein kleiner Ausschnitt aus dem langen Sündenregister des Instituts. Anlegeranwälte, Verbraucherschützer und Finanzexperten haben das Geldhaus wegen seiner aggressiven Kreditpolitik und seiner fragwürdigen Anlageempfehlungen (siehe "Anlageberatung: Sechs Banken im Härtetest") schon seit Längerem im Visier.

Zweifelhaftes Finanzzeugnis

Ein Jahr lang hat manager magazin zusammen mit dem Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen Bankkunden online gefragt, was sie an ihrem Geldhaus stört, und sie gebeten, das ihrer Meinung nach schlechteste Institut Deutschlands zu wählen (siehe: "Methode: Wie die Geldhäuser getestet und bewertet wurden").

Das Ergebnis: Was Service und Beratungsqualität angeht, schneidet der deutsche Zweig des global operierenden US-Finanzgiganten weitaus schlechter ab als die Konkurrenz. Lediglich die Großsparkasse Köln-Bonn bekommt von ihren Kunden noch schlechtere Noten.

Insgesamt stellen die über 6000 Befragten der deutschen Finanzindustrie ein zweifelhaftes Zeugnis aus. Im Schnitt wird die Leistung der größten deutschen Banken gerade mal mit "ausreichend" bewertet. Was die Qualität der Beratung in Sachen Geldanlage, Altersvorsorge und Baufinanzierung angeht, liegt der Notenschnitt zwischen 4,3 und 4,5 - also fast schon bei "mangelhaft".

Miese Noten: Wer bei den Kunden* am schlechtesten abschneidet

Platz Bank Punkte
1 Sparkasse Köln-Bonn 17
2 Citibank 19
3 Berliner Volksbank 24
4 HypoVereinsbank 26
5 Deutsche Bank 29
6 SEB 31
6 LBB 31
6 Frankfurter Sparkasse 31
9 Stadtsparkasse München 36
10 Nassauische Sparkasse 38
11 Postbank 41
11 Dresdner Bank 41
13 Hamburger Sparkasse 48
14 Sparkasse Hannover 50
15 LBBW 62
16 Commerzbank 64
17 Stadt- und Kreissparkasse Leipzig 69
18 Sparda-Banken (Gesamtgruppe) 81
19 GE Money Bank 86
20 Kreissparkasse Köln 88
21 PSD (Gesamtgruppe)** 93
* Gesamtergebnis der Befragung.
** Post-Spar- und Darlehensvereine.:

Die Liste der Ärgernisse ist schier endlos. Sie fängt beim Kampf mit Callcentern und Sprachcomputern an, geht mit falsch, zu spät oder gar nicht gebuchten Überweisungen und Lastschriften weiter, setzt sich mit dem Kleinkrieg um Zinsen und Sicherheiten bei Dispo- und Hypothekenkrediten fort, findet ihren vorläufigen Höhepunkt bei Auseinandersetzungen um Gebührenforderungen und endet bei einer oft lausigen Anlageberatung.

Der Unmut der Kunden hat sehr viel mit dem Strukturwandel in der deutschen Bankenszene zu tun. Zahlreiche kleine Volksbanken und Sparkassen schlossen sich zu größeren Unternehmen zusammen, und drei der einst fünf deutschen Großbanken wurden von Konkurrenten geschluckt.

Die Folge: Unrentable Filialen wurden in großem Stil geschlossen, Bankkaufleute durch Bankautomaten und angelernte Hilfskräfte in Callcentern ersetzt. Die Entscheidung über Kredite und Geldanlagestrategien fällt vielfach nicht mehr in den Filialen, sondern in den Zentralen. Und das gilt längst nicht nur für vollautomatisierte Massenanbieter wie Post-, Noris- oder Citibank, sondern auch für renommierte Häuser wie die Deutschen Bank  oder Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Nervende Kleinigkeiten

"Den rasant gestiegenen Kosten- und Ertragsdruck geben die Banken meist eins zu eins an ihre Kunden weiter", sagt Professor Udo Reifner vom Institut für Finanzdienstleistungen. Die Konsequenzen sind

Wenig Hilfsbereitschaft: Wie die Kunden den Service der Geldhäuser bewerten

Rang Bank Note*
1 Postbank 4,0
2 LBB 3,9
3 Citibank 3,9
4 SEB 3,7
5 Frankfurter Sparkasse 3,7
6 HypoVereinsbank 3,7
7 Sparkasse Hannover 3,7
8 Sparkasse Köln-Bonn 3,7
9 Stadtsparkasse München 3,7
10 Dresdner Bank 3,6
11 GE Money Bank 3,6
12 Berliner Volksbank 3,6
13 Stadt- und Kreissparkasse Leipzig 3,5
14 Commerzbank 3,5
15 Deutsche Bank 3,5
16 PSD Banken 3,4
17 Hamburger Sparkasse 3,4
18 LBBW 3,4
19 Nassauische Sparkasse 3,3
20 Sparda-Banken 3,3
21 Kreissparkasse Köln 3,3
22 Ostsächsische Sparkasse Dresden 3,0
* Von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend); gerundet.

  • ein reduzierter Service zu erhöhten Gebühren im Standardgeschäft;
  • der Versuch der Finanzhäuser, wo immer es geht, Risiken auf die Kundschaft abzuwälzen;
  • eine Anlageberatung, die statt auf einfach konstruierte und günstige Fonds oder Zertifikate oft auf komplexe und mit hohen Gebühren belastete Konstruktionen setzt.

Beispiel Sparkasse Köln-Bonn: Deren Kundenbrief hatte eine Auflage von rund 500.000, sah aus wie eine der üblichen knallbunten Werbebroschüren und dürfte bei den meisten der Adressaten ungelesen im Mülleimer gelandet sein. Über die vermeintliche Reklame dürften sich viele im Nachhinein mächtig geärgert haben, denn was als Werbung daherkam, war in Wahrheit die Umstellung auf neue Girokontenmodelle und lief für einen Teil der Kunden, die dagegen keinen Widerspruch einlegten, auf eine versteckte Gebührenerhöhung hinaus.

Es sind vermeintliche Kleinigkeiten wie diese, die viele Bankkunden nerven und die der Köln-Bonner Sparkasse in der manager-magazin-Befragung ihre schlechten Noten eingebracht haben.

Viele Kunden scheinen in dieser Beziehung ein Elefantengedächtnis zu haben. Noch heute, Jahre nachdem die Transaktion abgeschlossen wurde, beklagen sich zahlreiche ehemalige Kunden der Advance Bank darüber, dass sich die Kosten ihrer Bankgeschäfte nach der Eingemeindung in die Dresdner Bank spürbar erhöht hätten.

Dabei gehört der Dreh an Kontoführungs- und Depotkosten noch zu der schlichteren Variante. Die Fantasie der Geldhäuser beim Abrechnen von Gebühren, das lässt sich aus vielen Antworten der Befragung schließen, kennt kaum Grenzen.

Fantastische Abrechnungen

Dem Kunden einer Sparkasse in der Pfalz etwa wurden für eine Barauszahlung von 25.000 Euro 50 Euro Bereitstellungsgebühren in Rechnung gestellt. In einem anderen Fall teilte die Deutsche Bank den Verkauf von 50 Aktien in mehrere getrennte Orders auf und kassierte dafür das Mehrfache der Verkaufsspesen.

Das Geldhaus sagt, der Kunde hätte bei Ordererteilung eine Teilausführung nur abzulehnen brauchen. Und ein Kölner Sparkassenkunde beklagte sich darüber, dass er Bereitstellungszinsen für ein Hypothekendarlehen zahlen sollte, obwohl er sich lediglich über die Konditionen einer Baufinanzierung in Höhe von 200.000 Euro erkundigt hatte. Ein Missverständnis? Vielleicht; die Sparkasse bestreitet jedenfalls, ohne Vertrag Zinsen zu kassieren.

Richtig teuer wird es, wenn die Banken ihre Risiken im Kreditgeschäft in Zins und Zinseszinsen umrechnen. So scheinen die Mailings, in denen Konsumentenkreditspezialisten mit Zinsen zwischen 4 und 6 Prozent werben, häufig das Papier nicht wert zu sein, auf dem sie gedruckt sind. Wenn es ernst wird, ist von den angepriesenen Discountkonditionen häufig keine Rede mehr. Dann geht es nicht selten um Zinssätze von 10 Prozent und mehr.

Viele Ausreden: Die Ergebnisse im Bereich Beschwerdemanagement

Rang Bank Note*
1 Berliner Volksbank 5,0
2 Citibank 4,7
3 Postbank 4,6
4 LBB 4,5
5 HypoVereinsbank 4,5
6 Stadtsparkasse München 4,5
7 Nassauische Sparkasse 4,4
8 Sparkasse Köln-Bonn 4,4
9 Dresdner Bank 4,3
10 Sparkasse Hannover 4,3
11 SEB 4,3
12 Deutsche Bank 4,3
13 Stadt- und Kreissparkasse Leipzig 4,3
14 Frankfurter Sparkasse 4,2
15 Commerzbank 4,2
16 Hamburger Sparkasse 4,2
17 LBBW 4,1
18 Sparda-Banken 4,1
19 GE Money Bank 4,0
20 PSD Banken 3,9
21 Kreissparkasse Köln 3,8
22 Ostsächsische Sparkasse Dresden 3,7
* Von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend); gerundet.:

Der Grund dafür sind sogenannte Kreditscorings, standardisierte Screeningverfahren, mit denen zahlreiche Banken die Finanzkraft ihrer Kunden durchleuchten. Wer da schlecht abschneidet, muss entweder mehr zahlen oder zusätzliche Sicherheiten herbeischaffen - häufig sogar beides.

"Viele Banken haben in den vergangenen Jahren die Kredithürden erhöht und versuchen gleichzeitig, so viele Risiken wie möglich auf die Kunden abzuwälzen", sagt etwa Frank-Christian Pauli, Bankenexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Vor allem den Freiberuflern unter den von manager magazin befragten Bankkunden stößt diese Praxis sauer auf. Selbst gut verdienende Manager, die eine Zeit lang auf Honorarbasis arbeiten oder sich als Berater selbstständig gemacht haben, bekommen unerwartet Schwierigkeiten, wenn sie ihre Dispolinie behalten wollen.

Fragwürdige Kreditvergabe

Eigenheimbesitzer monieren, dass über den Wert der Immobilie hinaus zusätzlich Lebensversicherungen als Sicherheit abgetreten werden sollen. Und Hauseigentümer, deren Versicherungspolice den Wert der noch zu tilgenden Kreditsumme deutlich übersteigt, müssen damit rechnen, dass die Bank die volle Versicherungssumme als Sicherheit einbehält, wenn die Police vor dem Ende der Kreditlaufzeit ausgezahlt wird.

Wackelige Fundamente: Das Qualitätsurteil im Bereich Baufinanzierung

Rang Bank Note*
1 Sparkasse Köln-Bonn 5,6
2 SEB 5,5
3 Hamburger Sparkasse 5,3
4 LBB 5,3
5 LBBW 5,2
6 Dresdner Bank 4,9
7 HypoVereinsbank 4,7
8 Postbank 4,7
9 Deutsche Bank 4,5
10 Sparda-Banken 4,4
11 Stadtsparkasse München 4,4
12 Commerzbank 4,3
13 Nassauische Sparkasse 4,2
14 Stadt- und Kreissparkasse Leipzig 4,2
15 Kreissparkasse Köln 4,0
16 Frankfurter Sparkasse 3,9
* Von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend); gerundet.:

Bei anderen Geldhäusern wiederum scheinen Kredite nur dann bewilligt zu werden, wenn zuvor eine Lebensversicherung abgeschlossen wird. Mit der Folge, dass die Kosten des Kredits drastisch steigen, weil die Prämie der als Sicherheit geforderten Police oft ebenfalls auf Pump finanziert werden muss. Effektivzinsen von 20 Prozent und mehr sind laut Berechnungen der Verbraucherzentrale Bremen die Folge.

Vor allem die Citibank ist wegen der Koppelgeschäfte von Krediten und Policen in die Kritik geraten - wobei das Institut bestreitet, seine Kunden zum Abschluss einer Police zu drängen. Immerhin berichten etliche Teilnehmer der manager-magazin-Befragung, deren Konto sich über einige Wochen in den roten Zahlen bewegte, dass ihnen die Umschuldung auf einen Ratenkredit inklusive der dazugehörenden Versicherungspolice als Komplettpaket angeboten wurde.

Die Praxis der Citibank ist freilich kein Einzelfall. Fast alle Geldhäuser versuchen, ihren Kunden zusätzliche Produkte anzudrehen, von der Unfallpolice bis zur Hausratversicherung.

Es ist der Verkaufsdruck in den Filialen samt Telefonterror der Callcenter, der vielen Teilnehmern der manager-magazin-Befragung massiv auf die Nerven geht. Der Kampf um den zahlungskräftigen und solventen Teil der Bevölkerung wird mit harten Bandagen und zuweilen fragwürdigen Methoden ausgetragen.

So lockte die Direktanlagebank DAB  mit Tickets für die Fußball-WM 2006, die es im Paket mit dem Abschluss eines Sparplans geben sollte. Doch als es an die Vergabe der Fußballkarten ging, musste die Bank passen - sie hatte nicht ausreichend Karten organisiert. Statt der begehrten Billetts gab es in den meisten Fällen nur eine Barabfindung.

Lange Überweisungsdauer

Heute überbieten sich die Institute beim Kampf um Neukunden mit Zinsangeboten für Tagesgeldkonten und Termingelder. Dass die 4, 5 oder sogar 6 Prozent Zinsen aber nur gezahlt werden, wenn gleichzeitig weitere provisionsträchtige Geschäfte mit der Bank abgeschlossen werden, steht nur im Kleingedruckten.

Auch die kostenlosen Girokonten, mit denen einige Institute auf Kundenfang gehen, entpuppen sich im Nachhinein oft als ziemlich teure Angelegenheit. Denn zum Teil gilt die Kostenbefreiung nur, wenn durchschnittlich mindestens 1000 bis 2000 Euro auf dem Konto liegen - Geld, für das es selbstverständlich keine Zinsen gibt.

Ohnehin verdienen die Banken, so scheint es, mit dem Massenprodukt Girokonto mehr, als sie zugeben wollen. So gab eine Kundin der Berliner Volksbank zu Protokoll, dass sie ihr Gehalt regelmäßig bis zu fünf Tage später auf ihrem Konto habe als ihre Kollegen, die ihr Girokonto bei einem anderen Geldhaus haben. Und das, obwohl die Beträge am gleichen Tag vom Firmenkonto abgebucht werden.

Systematisch betrieben, hätte das aus Sicht der Bank zwei Vorteile: Solange das Geld bei der Bank liegt, aber noch nicht auf dem Konto des eigentlichen Empfängers gutgeschrieben ist, arbeitet das Institut auf eigene Rechnung damit.

Und wenn das Empfängerkonto durch den verspäteten Geldeingang ins Soll rutscht, kassiert die Bank zusätzlich noch ein paar Tage lang Überziehungszinsen. Die Berliner Volksbank bestreitet, in dieser Art vorgegangen zu sein. Gutschriften erfolgten stets sofort nach Geldeingang.

Der freie Sachverständige Hans Peter Eibl schätzt, dass die Kreditinstitute mit derartiger Schlamperei jährlich einen Milliardenschaden verursachen. Hunderte von Konten hat der Finanzexperte für Privatleute und Unternehmen in den vergangenen Jahren geprüft. Nur ein einziges Konto sei ihm bislang untergekommen, bei dem alles bis auf die letzte Buchung gestimmt habe.

Besonders beherzt greifen die Banken zu, wenn es um das Thema Geldanlage geht. Zwar stellen die Institute die Gespräche rund um den Vermögensaufbau und Tipps zur Altersvorsorge nicht in Rechnung. Wirklich gratis gibt es den Service aber mitnichten. Die Rechnung kommt später in verschlüsselter Form, und sie wird jedes Jahr neu verschickt.

Riskante Anlageberatung

Wie bei den Versicherungspolicen auch, verdienen die Banken am Verkauf jedes Fondsanteils, jedes Zertifikats und jedes Riester-Vertrags. Bei Investmentfonds kassieren sie den Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Prozent der Anlagesumme, für Beteiligungen an Bürotürmen oder Windparks fließen meist sogar 10 bis 15 Prozent an die Verkäufer. Hinzu kommt in den meisten Fällen noch eine jährliche Managementgebühr.

Riskante Tipps: Wie die Kunden die Anlage- beratung bewerten

Rang Bank Note*
1 Berliner Volksbank 5,1
2 Sparkasse Köln-Bonn 4,9
3 Stadtsparkasse München 4,9
4 HypoVereinsbank 4,8
5 Postbank 4,6
6 Sparkasse Hannover 4,6
7 Commerzbank 4,6
8 Deutsche Bank 4,6
9 Nassauische Sparkasse 4,5
10 LBB 4,5
11 LBBW 4,5
12 Dresdner Bank 4,5
13 Kreissparkasse Köln 4,5
14 Stadt- und Kreissparkasse Leipzig 4,5
15 Frankfurter Sparkasse 4,5
16 SEB 4,4
17 Hamburger Sparkasse 4,3
18 Citibank 4,3
19 Sparda-Banken 4,2
20 GE Money Bank 4,2
21 Ostsächsische Sparkasse Dresden 3,9
* Von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend); gerundet.:

Häufig laufen die Beratungsgespräche - und auch das monieren zahlreiche Teilnehmer der manager-magazin-Befragung - zielstrebig auf das provisionsträchtigste Finanzprodukt zu. So berichtete ein Kunde der Dresdner Bank in München, ihm sei empfohlen worden, sein komplettes Aktiendepot im Wert von rund 300.000 Euro zu verkaufen und das Geld in nur ein einziges Zertifikat zu stecken - konstruiert und platziert von der "Beraterbank". Das kann mit etwas Glück gut gehen. Risikostreuung sieht aber eigentlich anders aus.

"Inkompetenz und Provisionsschinderei treten in der Anlageberatung meist zusammen auf", sagt die Anwältin Petra Dietenmaier von der Kanzlei Tilp Rechtsanwälte, die zahlreiche Bankkunden vor Gericht vertritt. Ihre Gegner kommen aus dem kompletten Spektrum der Finanzindustrie. Kleine Sparkassen oder Volksbanken sind genauso darunter wie die Großbanken. Zentrales Manko: die Unfähigkeit, Privatanleger entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen zu beraten.

Beispiel Deutsche Bank: Der Branchenprimus lockte während des Börsenbooms um das Jahr 2000 zahlreiche seiner Kunden in das Vermögensverwaltungsprogramm "Topinvest". Viele der Anleger wollen ausdrücklich auf risikoarmen Investments bestanden haben.

Das Institut aber legte ihnen mitunter spekulative Aktienfonds der Deutsche-Bank-Tochter DWS ins Depot. Mit dem Platzen der Börsenblase wurde auch das Kapital der Kunden pulverisiert. Die Verluste seien "im Wesentlichen marktbedingt gewesen", so die Bank.

Richtig gefährlich wird es, wenn die Banker ihre Kunden zu Wertpapierdeals auf Pump ermutigen. So geschehen bei einem selbstständigen Dekorateur aus Köln. Im Jahr 2000 wollte der heute 55-Jährige ein Darlehen in Höhe von rund 120.000 Euro, das er zum Bau seines Hauses bei der Kreissparkasse Köln aufgenommen hatte, vollständig tilgen. Das Geld dafür sollte aus zwei Lebensversicherungen fließen, deren Auszahlung anstand.

Misstrauen scheint angebracht

Der Sparkassen-Berater aber riet ab. Statt die Hypothek abzulösen, schlug er vor, das Darlehen um weitere fünf Jahre zu verlängern, tilgungsfrei. Das Geld aus den Lebensversicherungen sollte stattdessen für den Kauf verschiedener Aktienfonds der Sparkassen-Tochter Deka verwendet werden. Das sei steuerlich attraktiv und brächte obendrein noch eine hohe Rendite. Der Kredit könnte 2005 ja immer noch aus dem Erlös der Wertpapiertransaktionen getilgt werden.

Unsichere Rente: Das Urteil der Kunden im Bereich Altersvorsorge

Rang Bank Note*
1 Kreissparkasse Köln 5,3
2 Berliner Volksbank 5,1
3 Sparkasse Köln-Bonn 4,9
4 Citibank 4,8
5 Frankfurter Sparkasse 4,8
6 Ostsächsische Sparkasse Dresden 4,7
7 LBB 4,7
8 Commerzbank 4,5
9 Stadtsparkasse München 4,5
10 Deutsche Bank 4,5
11 HypoVereinsbank 4,4
12 Dresdner Bank 4,3
13 Postbank 4,0
14 Hamburger Sparkasse 4,0
15 LBBW 3,8
16 SEB 3,2
17 Nassauische Sparkasse 2,6
18 Sparda-Banken 1,3
* Von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend); gerundet.:

Der Plan ging auf - allerdings nur für die Sparkasse. Das Geldhaus kassierte nicht nur weiterhin Zinsen für den Kredit, sondern obendrein auch noch Verkaufsprovision für die hauseigenen Fonds. Für den Dekorateur sah die Rechnung am Ende ganz anders aus. Als das Darlehen 2005 fällig wurde, lag das Fondsdepot weit im Minus, die vollständige Schuldentilgung war unmöglich, der Kreditvertrag musste erneut verlängert werden.

Heute lässt die Bank mitteilen, dass der Ablauf der Beratung nicht den Usancen der Kreissparkasse Köln entspricht, und erklärt weiter, dass ein Wertpapierkauf auf Kredit "in unserem Haus nicht aktiv angeboten" werde.

Der Kunde erwog eine Klage, aber die Angelegenheit war bereits verjährt. Doch selbst wenn der Fall einen Gerichtssaal erreicht hätte - die Aussichten auf Erfolg wären allenfalls vage gewesen. "Bei Beratungsfehlern müssen die Kläger exakt belegen können, dass die Bank nicht sorgfältig über alle Risiken eines Geschäfts aufgeklärt hat", sagt Rechtsanwalt Heiko Müller von der Düsseldorfer Kanzlei Baum Reiter & Collegen. Ansonsten steht Aussage gegen Aussage.

Mieser Service, hohe Gebühren, dürftige Anlageberatung. Der manager-magazin-Bankentest zeichnet ein düsteres Bild vom Privatkundengeschäft der Geldhäuser. Misstrauen gegenüber den Empfehlungen der auf Verkauf getrimmten Banker scheint angebracht, der Vergleich der Angebote mehrerer Banken zwingend notwendig. Zumal der Ausgang eines teuren Rechtsstreits so gut prognostizierbar ist wie die Entwicklung von TecDax  oder Nasdaq .

Denn nicht immer ist der Fall so klar wie bei dem Karlsruher Citibank-Kunden Peter Carstens. Für das Oberlandesgericht Karlsruhe stand am Ende eines Verhandlungsmarathons zweifelsfrei fest, dass sich der Anlageberater nicht an den protokollierten Wunsch gehalten hatte, das Vermögen "ausgewogen" zu investieren, sondern ihm viel zu riskante Geldanlagen empfohlen hatte.

Carstens, der im kommenden Jahr in Pension gehen möchte, bekam seinen Schaden ersetzt: über 37.000 Euro zuzüglich entgangener Zinsen.

Banken: Wie Discountbroker Kunden vergrätzen Methode: Wie die Geldhäuser bewertet wurden

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