Sonntag, 15. Dezember 2019

Gesellschaft Sehnsucht nach Sinn

8. Teil: "Bereit, Unternehmen zu bestrafen"

Unternehmen ohne einen solchen dominanten Anteilseigner - in diese Kategorie gehört auch Anglo American - haben es zunehmend schwer, eine langfristige Strategie zu verfolgen. Immer häufiger sehen sie sich Übernahmeangriffen ausgesetzt, sei es von Wettbewerbern oder von Hedgefonds.

Deren Motiv: Oft lässt sich die Rendite eines langfristig orientierten Unternehmens kurzfristig steigern, durch Entlassungen, Arbeitszeitverlängerung, Outsourcing, Verkauf unrentabler Sparten.

 "Konsum wird zum neuen Medium der politischen Aktivität." Norbert Bolz, Hamburger Trendbüro
Enver Hirsch
"Konsum wird zum neuen Medium der politischen Aktivität."
Norbert Bolz, Hamburger Trendbüro
Streng betriebswirtschaftlich ist dagegen nichts einzuwenden - aber nur, solange man die mit solchen Schritten oft einhergehende Zerstörung der gemeinsamen Wertebasis herauslässt aus der Kalkulation.

Gibt es einen Weg, Nachhaltigkeit auch gegen die Macht kurzfristig orientierter Finanzinvestoren zu erzwingen?

Ja, glaubt das Hamburger Trendbüro: den Karmakapitalismus. Trendbüro-Partner Norbert Bolz vermag binnen weniger Minuten ein ganzes Gesellschaftsmodell rund um sein neues Substantiv zu entwerfen: Da ist die Rede vom Konsum als neuem Medium der politischen Aktivität und vom Karma, das sich Unternehmen durch positive Bewertungen ihrer Produkte im Internet erarbeiten könnten.

"Konsumenten", sagt Bolz, "sind mehr denn je bereit, Unternehmen zu bestrafen, die sich unethisch verhalten, indem sie auf deren Produkte verzichten." Gleichzeitig erführen die Konsumenten durch neue Online-Netzwerke immer schneller von solchem Verhalten.

© manager magazin 7/2007
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