Mittwoch, 23. Oktober 2019

Vorstandsgehälter Cash as cash can

2. Teil: "Von den Menschen nicht verstanden"

In weniger als fünf Jahren, das zeigen Analysen von Gehaltsexperten im Auftrag von manager magazin, haben die Vorstandschefs der deutschen Dax-Konzerne ihre Vergütung um knapp 50 Prozent gesteigert - allein 2006 waren es mehr als 13 Prozent. Noch krasser fiel der Geldregen zwischen 2002 und 2006 bei den europäischen Stoxx-Firmen aus - der Gehaltszuwachs lag bei über 60 Prozent.

Das Unbehagen über die gigantischen Summen wächst - auch in der Wirtschaftselite selbst. Erst im Frühjahr warnte Europas Zentralbankchef Jean-Claude Trichet (64), die "sehr hohen" Managergehälter würden "von den Menschen nicht verstanden".

Solche Mahnungen verhallen bislang weitgehend ungehört. Beim Thema Vorstandsvergütung, das belegen die mm-Analysen, versagt der Markt. Wirksame Mechanismen, die Abkassierer unter den Leistungsträgern in die Schranken weisen könnten, gibt es nicht. Die Bezahlung der Topmanager scheint völlig außer Kontrolle geraten.

Ein unseliges Kartell aus Beratern, Aufsichtsräten und Investmenthäusern wird die Gehaltsspirale wohl auch in den kommenden Jahren ungebremst nach oben drehen. Gesellschaftliches Verantwortungsgefühl, das die

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Topmanager dazu bringen würde, Maß zu halten, hat der Sturm der Globalisierung weitgehend hinweggefegt.

"Viele Vorstände haben sich gedanklich längst aus Deutschland verabschiedet", sagt der Hamburger Wirtschaftsprofessor Michael Adams, "sie orientieren sich nicht mehr wie früher an den Werten des rheinischen Kapitalismus." Die Vorbilder von heute sind die Spieler der Private-Equity-Branche, die Kaste der Hedgefondsmanager und die Trader in den Handelssälen der Banken.

Aber ist die Wirtschaftselite diese Summen tatsächlich wert? Bringen die Vorstände die Leistungen, die ihre Megagehälter rechtfertigen? manager magazin hat die Gehaltspakete von mehr als 120 deutschen und europäischen Topmanagern analysiert. Die Studie deckt auf, welche Vorstände für ihr Spitzengehalt hervorragende Arbeit ablieferten - und wer trotz mäßiger Resultate üppig kassierte.

© manager magazin 7/2007
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