UBS-Chefökonom "Vieles spricht für Aktien"

UBS-Chefökonom Wellershoff über die neuesten Anlagetrends.
Von Patricia Döhle

mm: Alle haben Angst, dass es in den USA und damit weltweit abwärts geht. Was ist Ihre Prognose?

Wellershoff: Zunächst einmal muss man festhalten, dass die USA 2006 nur noch knapp ein Viertel zum weltweiten Wachstum beigetragen haben, Europa dagegen 28 Prozent, Asien sogar 31 Prozent. Da die Dynamik in Europa und Asien ungebrochen ist, ist bei aller Sorge um die USA das sprichwörtliche Glas nicht halb leer, sondern mehr als halb voll.

Damit wollen wir die Lage nicht schönreden. Das US-Wachstum wird in diesem Jahr schlechter ausfallen als 2006. Das werden auch wir in Europa spüren. An eine Rezession glauben wir aber nicht.

mm: Wie schätzen Sie vor diesem Hintergrund die Zinsentwicklung ein?

Wellershoff: Die Geldpolitik der Notenbanken wird in den kommenden Quartalen entsprechend der regionalen Konjunkturentwicklung sehr unterschiedlich ausfallen. Während die US-Zentralbank auf die Wachstumsverlangsamung mit einer Zinssenkung um 1,5 Prozent reagieren wird, rechnen wir in Europa und Japan noch mit steigenden Sätzen. Auf die Zinsen für Anleihen und längerlaufende Kredite wird sich das aber nur geringfügig auswirken. Immerhin rechnen die globalen Kapitalmärkte bereits seit Quartalen mit einer langsameren Gangart der Weltwirtschaft.

mm: Was raten Sie Privatanlegern, die in festverzinsliche Papiere investieren wollen?

Wellershoff: Wenn die Wachstumsschwäche in den USA überwunden ist, werden die Kapitalmarktzinsen wohl eher steigen. Sollte sich unser Szenario bewahrheiten, dürften die nächsten Monate eine gute Verkaufsgelegenheit für langlaufende Rentenpapiere sein.

mm: Wie sieht es an den Aktienmärkten aus? Wellershoff: Die Firmengewinne liegen weltweit auf Rekordniveau. Selbst wenn die Gewinne nicht mehr wachsen, liegt die Gewinnrendite - gemessen an den ja ebenfalls historisch niedrigen Zinsen - sehr hoch. Also sollten Anleger jetzt einsteigen?

Wellershoff: Momentan spricht vieles für Aktien. Tatsächlich wird die globale Wachstumsverlangsamung dazu führen, dass die Notenbanken die Märkte weiterhin liquide halten. Das spricht selbst bei stagnierenden Gewinnen für steigende Kurse. Mittelfristig sollten Aktien deutlich höhere Renditen abwerfen als Anleihen.

mm: Was sind die größten Risiken für Privatanleger in den kommenden Monaten?

Wellershoff: Ein schlechter Berater und die eigenen Nerven.

UBS: Die Herren des Geldes

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