Neue Uhren Glücksspiel am Handgelenk

So verrückt ging es auf den Messen in Basel und Genf noch nie zu. Die Lust an Luxuszeitmessern verlockt zu immer neuen Ideen wie der Jackpot-Uhr. Und es wird eifrig hantiert mit neuen Materialien und Konzepten.
Von Klaus Ahrens und Hanno Pittner

"In der Haute Horlogerie", berichtete atemlos die "Neue Zürcher Zeitung", das Hausblatt der helvetischen Uhrenbranche, kaum dass die Messen in Basel und Genf vorbei waren, "gibt es derzeit kein Halten. Luxus verkauft sich wie frisch gebackene Brötchen. Der Weltmarkt für exklusive Zeitmesser kann gar nicht genug von den Schweizer Exklusivitäten kriegen."

Tatsächlich, allein in Basel stürmten mehr als 100.000 Besucher aus über 100 Nationen die Hallen, angeführt von Osteuropäern und Asiaten. Mehr als 2000 Aussteller zeigten ihre Preziosen. Und die erregten umso mehr Interesse, je teurer sie daherkamen.

Die wichtigsten Trends unter den Edeluhren (ab 5000 Euro): Die Zeitmesser mit höchstem Komplikationsgrad sind eher auf dem Rückzug, im Vordergrund stehen möglichst schlichte, klassische Drei-Zeiger-Modelle, wie sie in den 60er Jahren im Schwange waren - allerdings auf technisch weit fortgeschrittenem Niveau.

Nicht eingebüßt hat einzig das Tourbillon, bei vielen Luxusherstellern erscheint es in immer neuen Varianten. Bei Breguet, der Marke des Tourbillon-Erfinders, kommt das kleine Wirbelelement im Werk deshalb gleich in zwei Versionen vor.

Das Modell "Marine Tourbillon Chronograph" (15.500 Franken) verfügt darüber hinaus über die jüngste Spitzentechnologie der Hoch-Uhrmacherei: Spirale, Hemmungsrad und Anker sind aus Silizium gefertigt, die obere Brücke und die Säulen des Tourbillon-Drehkäfigs bestehen aus Titan.

Silizium-Trend scheint gebremst

Die Titan-Konstruktion ist nicht nur schön anzuschauen, sondern auch einen weiten Schritt in die Zukunft bedeutet. Denn diese Technologie kommt ohne den Einsatz von Schmiermitteln aus. Und, so der Hersteller, bedürfe auch niemals der (mitunter teuren) Wartung.

Ein zweiter Anbieter auf diesem Feld ist Jaeger-LeCoultre. Dort wird die Konzeptuhr "Extreme Lab" vorgestellt, das Exemplar zu 320.000 Franken. Tourbillon-Käfig aus Magnesium, Lagersteine aus Keramik, Hemmungsrad aus Silizium - und also ebenfalls öl- und wartungsfrei. Der Hersteller aus Le Brassus, Nachbar von Breguet, hat sich das Modell mit sechs Patenten schützen lassen.

Dennoch scheint der Trend zur Siliziumtechnologie, im vergangenen Jahr noch mit Euphorie vorgetragen, ein bisschen gebremst zu sein - hohe Kosten und unsichere Akzeptanz beim Kunden fordern ihren Tribut.

Um derlei hat sich eine ehrwürdige Manufaktur aus dem Jura gar nicht geschert, als sie erstmals eine veritable Spiel-Uhr entwickelte, ihren "Vintage 1945 Jackpot-Tourbillon".

Das 640.000 Franken teure Stück besticht neben der feinen Uhrentechnik mit einem eher groben Instrument der Zerstreuung: Es verfügt nämlich über ein Glücksspielgerät, einen eingebauten einarmigen Banditen, dessen voll funktionsfähiges Räderwerk über einen seitlichen Hebel zu bedienen ist.

Die Uhr für den Spieler. Nur schüttet sie leider keine Gewinne aus.

Verrückte Uhren: Die Neuheiten in Bildern

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