Ex-Nestlé-Chef Nur nicht nervös werden

Unter Helmut Maucher, der fast 20 Jahre an der Spitze stand, entwickelte sich Nestlé zum Weltkonzern. Die Essenz seiner Erfahrungen präsentiert er auf 200 Seiten in seinem zum zweiten Mal aufgelegten "Management Brevier". manager magazin sprach mit dem Altmeister.

mm: Ihr Management Brevier erlebt gerade seine zweite Auflage. Was können Sie besser als viele andere Autoren von Managementbüchern?

Maucher: Mein Buch ist kein Kompendium des derzeitigen Wissensstandes von Professoren und Consultants, sondern es enthält die Summe meiner Erfahrungen als Manager, und das auf gerade mal 200 Seiten.

mm: Sie behandeln Fragen, mit denen sich gewöhnlich Vorstandschefs beschäftigen, wie Strategie oder Personalführung. Was nützt das dem Manager der mittleren Ebene?

Maucher: Jeder hat irgendwo Führungsaufgaben, jeder arbeitet irgendwann an Strategien mit, jeder muss Entscheidungen treffen. Ein Beispiel: Nestlé hat rund 500 Werke auf der ganzen Welt. Da ist jeder Werksleiter vor Ort letztlich auf sich allein gestellt.

mm: Nestlé, das Sie lange geführt haben, gilt Ihnen häufig als Vorbild. Taugen deutsche Unternehmen weniger?

Maucher: Gerade viele deutsche Unternehmen haben in den vergangenen zehn Jahren ihre Hausaufgaben gemacht und sind wesentlich erfolgreicher als der gesamte Standort Deutschland. Vielleicht haben sie manchmal etwas länger als Nestlé gebraucht, bis sie begriffen haben, dass sie sich internationalisieren müssen. Und dass sie eine langfristige Strategie konsequent umsetzen müssen.

mm: Einer Ihrer zehn Grundsätze für den Geschäftserfolg lautet ja auch: "Vergiss nie die langfristige Entwicklung des Unternehmens." Leicht gesagt in Zeiten kurzfristig interessierter Finanzinvestoren.

Maucher: Ein Unternehmer muss mit den Anforderungen der Finanzmärkte zurechtkommen. Man darf sich aber von Leuten, die mehr Sharetrader als Shareholder sind, nicht nervös machen lassen. Das gilt vor allem für Vorstände und Aufsichtsräte.

mm: Sie betonen, wie wichtig Unternehmerpersönlichkeiten sind, und zitieren Goethe: "Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen." Ist also die Lektüre von Managementbüchern doch sinnlos?

Maucher: Ich glaube, Fähigkeiten haben viel mit den Genen zu tun. Aber jeder kann dazulernen. Und je besser die Anlagen sind, die jemand hat, um- so mehr nützt ihm die Lektüre.

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