Montag, 16. September 2019

Hans Joachim Langmann Die Sagengestalt

2. Teil: "Ich muss mich runterschalten"

Auf eine Entwicklung ist der Merck-Vordenker ganz besonders stolz. Zum Schluss seiner Regierungsgeschäfte im Jahr 2000 kamen 90 Prozent des Umsatzes von 6,74 Milliarden Euro aus dem Ausland. In seinem ersten Jahr als Vorsitzender der Geschäftsführung 1970 lagen die entsprechenden Werte bei 700 Millionen Mark (358 Millionen Euro) und etwa 55 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Merck wandelte sich unter seiner Ägide von einem deutschen Mittelständler zu einem multinationalen Konzern, dem Branchenkenner nach dem Verkauf der Generikasparte an die US-Firma Mylan Börsen-Chart zeigen für 4,9 Milliarden Euro und dem Erwerb der Schweizer Biotechfirma Serono Börsen-Chart zeigen eine hoffnungsvolle Zukunft vorhersagen.

"Dass Merck heute so wegweisend dasteht, das stellt mich schon sehr zufrieden", sagt Langmann. In diesem Moment reißt er seine tiefblauen Augen weit auf, und man glaubt zu spüren, wie es jetzt in ihm brodelt, noch einmal höchstselbst an verantwortlicher Stelle anzupacken und auch das nächste Kapitel in der Merck-Geschichte mitzugestalten: die Integration von Serono, eines kaum dem Teenageralter entwachsenen Unternehmens, das noch immer von seinem Gründergeist getrieben wird und dessen Esprit nun behutsam in die alte, etwas behäbig gewordene Merck-Organisation einsickern soll. "Das muss uns gelingen", sagt Langmann, "sonst werden wir das Potenzial, das dieser Zusammenschluss bietet, nicht entfesseln können."

Doch, leider, leider, die Ära als gestaltender Boss ist für ihn definitiv zu Ende. Inzwischen leitet Karl-Ludwig Kley (55) die operativen Geschäfte. Theater, Konzerte, Bücher über Geschichte und Wissenschaft - das alles füllt Langmann nicht aus. "Ich muss mich runterschalten", sagt er, "und das ist nicht einfach."

Geboren bei Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, verbrachte er als Sohn eines Diplomaten etliche Jugendjahre in Südamerika. Er lernte dort fürs Leben - vor allem Spanisch: Just nach seiner Rückkehr nach Deutschland suchte der Merck-Clan für die hochbegabte Volkswirtin Marlis, die sich als Familienmitglied in der Firma fortan um den Export nach Spanien und Lateinamerika kümmern sollte, einen Sprachtrainer. Die Wahl fiel auf einen guten Bekannten der Tochter des Gärtners: Hans Joachim Langmann sein Name, damals Angestellter in einem Ingenieurbüro und wie so oft in seinem Leben nicht wirklich ausgelastet.

© manager magazin 6/2007
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