Deutsche Bahn Steinbrücks Plan B

Glaubt man Hartmut Mehdorn, gibt es keine Alternative zum Börsengang der Bahn. Im Finanzministerium sieht das mancher anders. Ein Expertenpapier empfiehlt den Verkauf von Konzerntöchtern wie der Spedition Schenker.

Die Äußerung wurde für Hartmut Mehdorn (64) zum Mantra. "Die Politiker sollen uns von der Kette lassen", sagte der Bahn-Chef in einem Interview, "dann lassen wir sie auch schrittweise aus ihren Investitionen raus."

Entlastung für den Staat, der die Bahn seit Jahrzehnten aufopferungsvoll päppelt, im Gegenzug für einen Börsengang - eine magische Formel, die das Herz jedes Finanzministers öffnet. Und tatsächlich waren es gerade die Finanzminister - erst Hans Eichel (65, SPD), dann Peer Steinbrück (60, SPD) - die sich für Mehdorns Börsenpläne stark machten.

Jetzt allerdings sind Zweifel in Steinbrücks Haus eingezogen. Ein internes Papier des Bundesfinanzministeriums seziert den aktuellen Entwurf eines Privatisierungsgesetzes. Das Fazit fällt ernüchternd aus: "Der Gesetzentwurf", heißt es da, "trägt nicht den Interessen des Steuerzahlers Rechnung." Aus Sicht des Bundeshaushalts jedenfalls sei kein lohnendes Geschäft auszumachen.

Mit dem Verkauf von 25 Prozent der Bahn-Aktien könnte der Bund laut der Stellungnahme rund drei Milliarden Euro einnehmen. Eine bescheidene Summe - gemessen an den jährlichen Staatsausgaben für die Bahn, die auch nach der Teilprivatisierung fällig wären. Dazu zählen Subventionen des Nahverkehrs und die sogenannten Baukostenzuschüsse für Investitionen im Schienennetz, in der Summe mindestens zehn Milliarden Euro jährlich.

Dem mäßigen Erlös stünden obendrein zahlreiche neue Abhängigkeiten gegenüber, in die sich der Bund mit einer Teilprivatisierung nach dem geplanten Muster begäbe.

Weitaus lukrativer wirkt da eine Alternative, die das Ministeriumspapier aufzeigt: der Verkauf einzelner Unternehmensteile.

Mehdorn fühlte sich herausgefordert

So brächte allein eine Veräußerung der Logistiksparte Stinnes einschließlich der Lkw-Spedition Schenker rund acht Milliarden Euro ein. Das Busgeschäft taxiert die Expertise auf vier bis fünf Milliarden Euro Erlös, die Immobilientochter Aurelis auf zwei Milliarden Euro. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Vermögenswerte wie Versicherungsgesellschaften, Parkhäuser, Fährbetriebe oder Reiseveranstalter. Den Gesamtwert des entbehrlichen Portfolios überschlägt die Analyse mit gut 15 Milliarden Euro.

Der Bund behielte bei dieser Variante die volle Hoheit über sein Unternehmen. Einen zusätzlichen Vorteil ortet das Papier in einer Entschuldung der Bahn. So könnten die Teilunternehmen einschließlich ihrer anteiligen Schulden veräußert werden.

Damit würde die Bahn ihre Verbindlichkeiten um rund neun Milliarden Euro senken. "Die DB AG", resümiert die Analyse, "wäre saniert, der Bundesminister der Finanzen könnte für rund zwei Jahre sämtliche Ausgaben zugunsten des Konzerns sparen."

In der Politik ist die Idee schon angekommen. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Scheuer (32) sprach sich unlängst für einen Stinnes-Verkauf aus.

Bahn-Chef Mehdorn, dessen Vertrag soeben um drei Jahre bis 2011 verlängert wurde, fühlte sich herausgefordert. "Ein Erfolgsmodell wie die DB ständig öffentlich infrage zu stellen", schimpfte er, "grenzt an Geschäftsschädigung."

Kein Zweifel: Mehdorn will von der Kette - wohl auch, wenn es zulasten des Bundes geht.

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