Eismann Durch die kalte Küche

Wie das Management des Tiefkühl-Lieferdienstes Eismann die Mehrheit an sich riss und die Privatbank Sal. Oppenheim düpierte.
Von Patricia Döhle

Die Produktpalette des Tiefkühl-Lieferdienstes Eismann ist überaus erlesen: Von Dorade Royal bis zum argentinischen Rinder-Entrecôte hat der Mettmanner Mittelständler alles im Angebot, was das Feinschmeckerherz begehrt.

Allein, mit dem Image hapert es noch. Fahren doch die Eismann-Verkäufer mit ihren weißen Lieferwagen von Tür zu Tür. "Wir gelten als Hausierer, als Drücker, doch das sind wir nicht", klagte Geschäftsführer Frank Hoefer (49) noch im September letzten Jahres.

Im Umgang mit Kunden mag Eismann rüden Methoden abgeschworen haben. Wenn es um Geldgeber geht, ist Hoefer weniger zimperlich. Innerhalb weniger Monate vergrätzte er nicht nur zwei renommierte Private-Equity-Investoren, sondern blamierte auch noch das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim.

Dabei hatte sich im Sommer 2004 alles so trefflich angelassen. Gemeinsam mit dem Finanzinvestor ECM kauften Hoefer und ein paar Kollegen damals ihre Firma dem Schweizer Nestlé-Konzern ab. Nestlé soll rund 20 Millionen Euro kassiert haben. Eismann war ein Sanierungsfall.

Hoefer und seinem Team, das mit 15 Prozent beteiligt war, gelang in kürzester Zeit der Turnaround. Deshalb entschloss sich ECM Ende 2006, Kasse zu machen. Anfang dieses Jahres beauftragten Investoren und Management Wolfram Schmerl (41), M&A-Spezialist bei Sal. Oppenheim, mit dem Verkauf. Das Management ließ sich zusätzlich durch PricewaterhouseCoopers (PwC) Paris beraten.

Die Vorgaben: Oppenheim sollte den Käufer im Rahmen einer Auktion ermitteln. Und die Geschäftsführung sollte in das Konzept des potenziellen Investors eingebunden werden und eine neue, maßgebliche Beteiligung erhalten.

Rund 20 Investoren wurden eingeladen. Bereits Mitte Januar 2007 unterzeichneten die ersten einen Letter of Intent und begannen mit der Due Diligence. Ende Februar schließlich waren dem Vernehmen nach nur noch zwei Bieter übrig: Die Alpha-Gruppe, zu deren Portfolio unter anderem die Hamburger Textilkette Tom Tailor gehört, und Cognetas, ein renommierter internationaler Investor.

Eine Auktion wird unterlaufen

Es wäre ein guter Deal für die Erwerber gewesen. Der Kaufpreis sollte 230 Millionen Euro betragen - angeblich 40 Millionen weniger, als die neuen Investoren ursprünglich zu zahlen bereit gewesen wären. Hoefer und sein Team, interessiert an einem günstigen Neueinstieg, hatten gemeinsam mit PwC den Verkäufer ECM erfolgreich heruntergehandelt.

Oppenheim-Mann Schmerl signalisierte Alpha und Cognetas Anfang März, dass einer von ihnen den Zuschlag erhalten werde. Beide hatten zu diesem Zeitpunkt bereits jeweils einen mindestens sechsstelligen Euro-Betrag in die Due Diligences investiert.

Doch nur einen Tag nach Schmerls Ansage platzte eine Bombe. Die Bieter erfuhren, dass Hoefer & Co. gemeinsam mit PwC das Mezzanine-Haus Intermediate Capital Group (ICG) eingeschaltet hatten - an Oppenheim vorbei.

ICG war nicht nur bereit, das Management zu finanzieren, sondern ihm auch die Mehrheit an Eismann zu überlassen. Ein solches Ansinnen hatten alle übrigen Bieter abgelehnt. ECM schlug sich auf die Seite Hoefers; Alpha und Cognetas waren draußen, Oppenheim war düpiert.

Dass eine Auktion derart unterlaufen wird, ist wohl einmalig im deutschen Private-Equity-Geschäft. Banker Schmerl versucht zwar gemeinsam mit ECM-Partner Bruno Wanske (52), den Fauxpas schönzureden. Es sei nur normal, so ihre Argumentation, dass sich im Verlauf eines Bieterprozesses "verschiedene Erwerbskonzepte herauskristallisieren".

Um ihren Ruf müssen dennoch beide bangen, vor allem Schmerl. Warum, so fragen sich manche Investoren, sollte man noch an einer Auktion von Sal. Oppenheim teilnehmen, wenn Verkäufer und deren Berater - trotz Zusicherung der Exklusivität - nebenher machen, was sie wollen?

Auch um das Image von Hoefer & Co. ist es nicht zum Besten bestellt: Ihren Deal haben die Eismann-Manager bekommen. Aber wenn sie mal wieder verkaufen wollen, wird ihnen Misstrauen entgegenschlagen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.