Editorial Der Widerspenstigen Zähmung

Das Kräfteverhältnis zwischen Wirtschaft und Medien hat sich verschoben.
Von Arno Balzer

Manager und Wirtschaftsjournalisten sind nüchterne Pragmatiker - das verbindet. Andererseits gibt es, wie der langjährige BMW-Chef Eberhard v. Kuenheim formuliert hat, ein natürliches Spannungsverhältnis zwischen Unternehmen und Presse - das trennt. Der Manager muss Erfolg haben. Und dazu gehört, dass sein Unternehmen und er persönlich in der Öffentlichkeit glänzen. Der Journalist dagegen muss eine gute Story abliefern, sonst bekommt er Ärger mit der Chefredaktion. Da sind die Interessen eben nur so lange identisch, wie der Artikel dem Unternehmen passt. Wenn nicht, gerät der Bericht in den Augen der Manager leicht zur "Kampagne", werden Journalisten schnell als "Schmierenkomödianten" (Ex-Daimler-Lenker Edzard Reuter) abgestempelt.

Offenbar verkennen viele Manager Aufgabe und Auftrag unserer Zunft. Sie betrachten Journalisten als nützliche Idioten, als Helfershelfer, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Wie anders sind die Versuche zu erklären, die Medien mit immer raffinierteren Methoden zu instrumentalisieren und zu disziplinieren. Das Beispiel Siemens  und etliche andere Fälle sprechen eine beredte Sprache, wie die mm-Redakteure Martin Noé und Ursula Schwarzer bei ihren Recherchen für die Titelgeschichte über das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Medien herausgefunden haben (siehe Seite 40).

Es ist noch gar nicht lange her, da galt die Presse als vierte Gewalt im Staat, da stand der Wirtschaft ein gleich starker Block gegenüber. Diese Zeiten sind offenbar vorbei. Heute hat sich die Machtbalance zugunsten der Unternehmen verschoben, Geld regiert die Welt. Gott sei Dank gibt es noch Journalisten, die sich nicht einschüchtern lassen - auch von ihren Verlegern nicht -, gibt es noch Kollegen, die auf der Suche nach der Wahrheit intensiv recherchieren. Doch die Schar der Aufrechten wird immer kleiner.

Auf dem Kunstmarkt wird kaum weniger getrickst als in der Wirtschaft. Schließlich geht es dort nicht nur um schöne, sondern vor allem um teure Ware. Kein Wunder, dass Gemälde, Fotokunst oder Skulpturen auch bei der Vermögensanlage eine immer wichtigere Rolle spielen. Allerdings ist auch kaum eine Anlageform so risikoreich wie die Kunst.

Höchste Zeit für unabhängige Orientierung. Empfehlungen für Geldanleger gibt in manager magazin ab sofort eine 14-köpfige Jury aus renommierten Museumsdirektoren und weiteren kompetenten Kunstkennern. Die Frankfurter Kunstberaterin Brigitte von Trotha hat die Favoriten der Juroren zu einem einzigartigen Wegweiser durch die Welt der Kunst verdichtet - zum manager-magazin-Artindex. Welche Künstler der empfiehlt, lesen Sie ab Seite 163.

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