Helikopter Direktflüge bis aufs Dach des Kunden

Bisher waren Helikopterflüge teuer, laut und unbequem. Neue Technik soll das ändern.

Prominenz: Wer auch immer in der Formel 1 den Großen Preis von Deutschland oder von Europa gewinnt, Fritz Holzinger kommt immer in Champagnerlaune. Denn an den Rennwochenenden "bleibt in Deutschland kein Heli auf dem Boden". Für Holzinger, Vertriebsleiter Zivile Hubschrauber Zentral- und Osteuropa bei Eurocopter, ist das allemal ein Grund zum Feiern.

Tatsächlich: Wer sich der motorsportbegeisterten Machtelite in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft zugehörig fühlt, lässt sich an Sonntagen im Drehflügler an die Rennstrecke in Hockenheim oder zum Nürburgring bringen.

Popularität: Freilich ist das Reisen mit den Senkrechtstartern nicht nur eine vornehme Art der Fortbewegung. Bislang ist es vor allem teuer, umständlich, laut und unbequem, praktikabel nur für eine Handvoll Superreiche oder Manager, die jederzeit einen ganzen Stab von Mitarbeitern für die eigene Mobilität mobilisieren können - wie Trigema-Chef Wolfgang Grupp, Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen, Red-Bull-CEO Dietrich Mateschitz oder Verleger Hubert Burda.

All das möchte Fritz Holzinger ändern, schließlich ist die "VIP-Fliegerei", wie der Hubschraubereinsatz für Geschäfts- und Privatflüge im Expertenjargon heißt, ein Geschäftszweig mit großen Wachstumsraten und attraktiven Gewinnmargen. Heute tragen die VIP-Flieger rund 10 Prozent zum Umsatz des Weltmarktführers Eurocopter bei. In fünf Jahren sollen es 15 Prozent sein.

In den Metropolen des großen Geldes, in New York, London, Tokio oder Dubai, ist das Blubbern der Schraubflügler längst Teil des normalen Verkehrslärms geworden, eine Landung auf dem Bürohochhaus eines Geschäftspartners gängige Praxis. In Frankreich verfügen alle größeren Landhotels der Kette "Relais & Chateaux" über einen Heli-Port, damit die besten Kunden auch comme il faut anreisen können.

Neue Technik für mehr Popularität

In Deutschland ist die Schraubflügelei hingegen noch weitgehend eine hoheitliche Angelegenheit. Privat oder geschäftlich genutzte Helis müssen jedes Mal umständlich eine Sondergenehmigung beantragen, wenn sie nur mal schnell ein entlegenes Gewerbegebiet anfliegen wollen. Einzig die Polizei- und die Rettungshubschrauber dürfen bei Bedarf überall starten und landen.

Gerade in der Popularisierung des Hubschrauberflugs sieht Eurocopter Wachstumsmöglichkeiten. Dabei helfen vor allem technische Neuerungen:

1. Die Heli-Modelle der jüngsten Generation sind innen wie außen deutlich leiser. Passagiere können sich jetzt ohne Interkom (Mikrofon plus Kopfhörer) unterhalten. Dennoch wird es auch hier spätestens nach zwei Stunden ungemütlich - zumal es noch keinen VIP-Heli mit Bordtoilette gibt.

2. Neue Navigations- und Avionik-Systeme wie Schlechtwetterradar machen Flüge auch unter Bedingungen möglich, die Helis bislang am Boden hielten (Nacht, Nebel, Schnee). Zudem warnen sie besser vor Hindernissen: etwa Hochspannungsmasten und -leitungen, Fernsehtürmen und Hängebrückenpfeilern.

3. Neue Autopiloten besorgen das Starten und Landen, helfen damit auch weniger erfahrenen Piloten in den kritischsten Phasen jedes Flugs.

Dennoch wird das Hubschrauber-Fliegen weiterhin hauptsächlich in der Hand von Profi-Anbietern bleiben, die dann stunden- oder tageweise angeheuert werden. Allein die Anfangsinvestition dürfte auch schnelle Überflieger abschrecken: Eurocopters Einsteigermodell, die EC 120 für vier Passagiere, kostet 1,1 Millionen Euro. Für eine komplett ausgestattete EC 155, das "Standard-VIP-Modell" für zwölf Passagiere, werden 8,5 Millionen Euro fällig.

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