Gewerkschaften Wird der DGB überflüssig?

Mächtige Gewerkschaften gefährden den Dachverband

Wir brauchen und wollen einen starken DGB", verkündet der IG-Medien-Vorsitzende Detlef Hensche. Das sagen sie alle ­ die Chefs der Verdi-Gewerkschaften, IG-Metall-Boss Klaus Zwickel und BCE-Kollege Hubertus Schmoldt.

Doch handeln sie auch nach diesem Bekenntnis? Durch die Fusionen der Einzelgewerkschaften sind mächtige Blöcke entstanden: IG Metall, IG BCE und Verdi.

Sie haben Millionen Mitglieder, große Apparate, eine starke Präsenz in der Fläche und viel mehr Geld als der DGB, dem die Gewerkschaften nur 12 Prozent ihrer Beitragseinnahmen überweisen. Die großen drei sind deshalb auch allein kampagnenfähig.

Brauchen die Riesen noch einen DGB? Die Frage stellte sich die IG Metall in einem Grundlagenpapier zur DGB-Organisationsreform: "Ist an Stelle des DGB nicht eine lose Kooperation der verbleibenden Gewerkschaften denkbar?"

Doch die Metaller verwerfen sogleich die ketzerische Frage. Ohne DGB sehen sie ein zunehmendes Risiko, dass sich die verschiedenen Arbeitnehmerlobbys in einen mörderischen Wettbewerb verstricken. Ergo: "Die IG Metall hat ein Interesse an einem starken DGB."

Den Lippenbekenntnissen müssen Taten folgen. Gelegenheit gibt es. Der DGB ist mitten in einer Reformdebatte. Es soll bis nächstes Jahr geklärt werden, was der DGB zukünftig machen soll und was die acht Einzelgewerkschaften.

Die Verteilung auf Bezirks- und Landesebene ist inzwischen geregelt. Jetzt ist die Bundesebene dran ­ und da gibt es spannende Fragen: Soll der DGB tarifpolitisch koordinierend tätig sein? Bekommt der Dachverband die alleinige Kompetenz bei Sozial- und Wirtschaftspolitik? Das heißt: Sind die Einzelgewerkschaften bereit, ihre entsprechenden Abteilungen aufzulösen?

Mehr Kompetenzen bedeuten allerdings mehr Geld. Also müssten die Gewerkschaften mehr als 12 Prozent beim Dachverband abliefern.

Ob Hensche & Co. dann noch einen starken DGB wollen?

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