Weintest Besser als ihr Ruf

Die oft übel beleumundete Rebsorte Silvaner feiert ein Comeback und avanciert zur Modetraube. Doch was taugen die Tropfen wirklich?
Von Rüdiger Albert

Ein Wein zum Wegwerfen. "Zu 81 Prozent besteht er aus Wasser und zu 19 Prozent aus Mehrwertsteuer."

Die bösartige Anmerkung auf der Probe traf den Kandidaten Nummer 27: "Zerrissene Struktur, nachhaltige Bitterstoffe", notierten die Tester und platzierten das Getränk knapp am Abgrund zur Ungenießbarkeit: 10,2 Punkte.

Der Wein aus dem Jahrgang 2006 entpuppte sich am Ende der Blindverkostung, die manager magazin im Bremer Ratskeller inszenierte, als Produkt des fränkischen Weinguts Schloss Sommerhausen: "Ohne viel Worte!" heißt beziehungsreich das Gesöff, es kostet 6,50 Euro. Viel Geld für null Genuss!

Zum Glück blieb dies die Ausnahme bei der Auswahl von 42 Weinen, denen der mm-Test gewidmet war.

Eine lange Zeit übel beleumundete Rebsorte ist rehabilitiert - der Silvaner.

"Die von uns hart erarbeitete Renaissance der deutschen Weine ist da", resümiert unlängst Michael Prinz zu Salm-Salm, Chef des Verbandes Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP). Riesling und Burgunderweine erobern die Keller der Spitzengastronomie. Und jetzt auch der fast schon vergessene Silvaner.

Reif für den Silvaner

"Die Zeit ist reif für den Silvaner", findet auch Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell, Vorsitzender einer eigens geschaffenen Initiative von Winzern und Weinfreunden, die dem Silvaner wieder "einen Platz in der Weinwelt" verschaffen möchten.

Einst war der Silvaner die tonangebende Rebsorte Deutschlands. Inzwischen spielt er nur noch in den Anbaugebieten Franken, Rheinhessen sowie an Saale und Unstrut eine Rolle. Hier aber entwickelten die Winzer neue Geschmacksprofile für den einst langweiligen Tropfen. Zum einen werden leichte Basis-Silvaner hergestellt - frisch und unkompliziert sind sie ideal für den Sommer auf der Terrasse.

Eine "Kategorie Premium" dagegen kommt fruchtbetont daher und brilliert, wenn's gut geht, mit den Eigenheiten der Lagen.

Das ergibt vollmundige Weine ab 13 Prozent Alkohol, optimale Essensbegleiter.

Was es mit dem Relaunch von Silvanerweinen auf sich hat, testeten Kellermeister Karl-Josef Krötz, Weinsachverständiger Ewald Briesch, Händler Hans-Henning Brügesch und Kenner Harry Kuschka.

Resultat: Gleich 21 Weine gereichen jedem Weinkeller zur Ehre. Hut ab, was die Winzer vom Main im Premiumbereich liefern, sie machten das Rennen unter sich aus. Strahlender Sieger: das Weingut Hans Wirsching mit "Iphöfer Julius-Echter-Berg, Spätlese trocken". Erste Wahl ist auch, was Winzer Gerhard Roth mit seinem "Wiesenbrunner Geißberg" der Jury vorgestellt hat. Bewertung: "Ein Aroma, wie sonst nur für trockene Auslesen typisch", 17,3 Punkte. Zum Preis von 5,75 Euro. Eine kleine Sensation.

25 Basis-Silvaner im Test

Basis-Qualität: 25 Silvaner im Test

Name Gesamturteil, Preis, Bezugsquelle Punkte
1. Würzburger Stein, Kabinett trocken (12,5%) Idealtypischer Terrassensilvaner, frisch, fruchtig, dezent würzig und saftig, 10,12 Euro, Juliusspital Würzburg,
Tel.: 09 31/3 93 14 00
16,0
2. Appenheimer Daubhaus, S trocken (12,5%) Vielschichtig und verspielt, animierender Nachhall, 8,20 Euro, Hofmann,
Tel.: 0 67 25/33 28
15,3
3. QbA* trocken (12,5% Würzig, blumig, saftig, gute Balance, 5,50 Euro, Hofmann,
Tel.: 0 67 25/33 28
14,8
4. QbA* trocken (12%) Zitrusaromen, sehr süffig, harmonisch und schlank, 5,70 Euro, Rudolf May,
Tel.: 0 93 64/57 60
14,7
5. RS*** trocken (12,5%) Feinduftige Animation in der Nase, süffig, 4,55 Euro. Posthof,
Tel.: 0 61 36/30 00
14,6
6. Gutswein trocken (12%) Zarte Anklänge von Frucht und Mineralität, frischer Sommerwein. 5 Euro (1 Liter), Weltner,
Tel.: 0 93 23/36 46
14,5
7. QbA* trocken (12,5%) Exotische Aromatik, saftiger Körper, mit Potential, 5,25 Euro (1 Liter). Roth,
Tel.: 0 93 25/90 20 04
14,4
8. RS*** trocken (12%) Würzig, schlank und ausgewogen, optimaler Spargelwein, 4,60 Euro. Steitz,
Tel.: 0 67 03/9 30 80
14,3
9. Rödelseer Küchenmeister, Kabinett trocken (12,5%) Dezente Aromaentfaltung, anregende Säure, guter Nachhall, 6 Euro. Weltner,
Tel.: 0 93 23/36 46
14,2
10. Escherndorfer Fürstenberg, Kabinett trocken (12,5%) Dezent würzige Aromatik, saftige Eleganz, mit Potential, 6,40 Euro. Horst Sauer,
Tel.: 0 93 81/43 64
14,0
11. QbA* trocken (12%) Feiner Blütenduft, sauber und glatt, 6 Euro, Bickel-Stumpf,
Tel.: 0 93 31/28 47
13,3
12. Monsheimer Rosengarten, Kabinett trocken (12,5%) Guter Durchschnitt, dezente Aromatik. 5 Euro, Scherner-Kleinhans,
Tel.: 0 62 43/4 35
13,0
12. Gutswein trocken (11%) Zarte Mineralität, mit Potential, 5,50 Euro. Bürgerspital zum Heiligen Geist,
Tel.: 09 31/3 50 34 41
13,0
14. À la Carte, QbA* trocken (11,5%) Zarte Frucht, animierende Säure. 5,70 Euro, K. F. Groebe,
Tel.: 0 62 58/67 21
12,9
15. Kabinett, trocken (12,5%) Würzig und säurebetont, 7 Euro. Rudolf May,
Tel.: 0 93 64/57 60
12,8
15. Würzburger Pfaffenberg, Blauer Silvaner Kabinett trocken (12%) Anmutung von Mango, straffe Säure, 9,10 Euro, Bürgerspital zum Heiligen Geist,
Tel.: 09 31/3 50 34 41
12,8
17. Burgscheidunger Veitsgrube, QbA* trocken (11,5%) Angenehmer, einfacher Trinkspaß, 5,20 Euro, Klaus Böhme,
Tel.: 03 44 62/2 03 95
12,5
17. Randersackerer Marsberg, Kabinett trocken (12,5%) Anmutung von gelben Früchten, animierend, 8,30 Euro, Staatlicher Hofkeller Würzburg,
Tel.: 09 31/3 05 09 27
12,5
19. Asparago, trocken (12,5%) Einfache Qualität, sauber gemacht, 3,90 Euro, Hedesheimer Hof,
Tel.: 0 61 36/24 87
12,4
19. QbA* trocken (12,5%) Einfache Qualität, sauber gemacht, 3,90 Euro, Hedesheimer Hof,
Tel.: 0 61 36/24 87
12,4
19. Frankolino trocken (11,5%) Schlanker Körper, kräftige Säure, 4 Euro, Christoph Steinmann,
Tel.: 0 93 33/4 36
12,4
22. QbA* trocken (12,5%) Gefällig, jugendliche Aromen, 4,50 Euro, Dautermann,
Tel.: 0 61 32/12 79
12,3
22. RS*** trocken (12%) Süffig, angenehme Mineralität, 4,50 Euro, Staatliche Weinbaudomäne Oppenheim,
Tel.: 0 61 33/93 03 05
12,3
24. QbA* trocken (12,5%) Sehr zurückhaltend, subtile Frucht und Mineralität, 6 Euro. Gutzler,
Tel.: 0 62 44/90 52 21
12,2
25. Ohne viel Worte!, QbA* trocken (12%) Viel Geld für wenig Wein, 6,50 Euro, Schloss Sommerhausen,
Tel.: 0 93 33/2 60
10,2
* QbA = Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete
** O.B. = ohne Bewertung
*** RS = Rheinhessen-Silvaner
Quelle: manager-magazin-Silvaner-Test 2007

17 Premium-Silvaner im Test

Premium-Qualität: 17 Silvaner im Test

romatik mit viel Charme, 9,50 Euro, Bickel-Stumpf, Tel.: 0 93 31/28 47
Name Gesamturteil, Preis, Bezugsquelle Punkte
1. Iphöfer Julius-Echter-Berg, Spätlese trocken (14%) Kraft und Fülle, grandioser Wein mit viel Schmelz, 14,90 Euro. Hans Wirsching,
Tel.: 0 93 23/8 73 30
17,6
2. Wiesenbronner Geißberg, Kabinett trocken (13%) Geballte Aromatik mit unendlichem Nachhall, 5,75 Euro. Roth,
Tel.: 0 93 25/90 20 04
17,3
3. Escherndorfer Lump, Spätlese trocken (13,5%) Exzellenter Stoff mit viel Würze und Mineralität, 9,30 Euro, Horst Sauer,
Tel.: 0 93 81/43 64
17,1
4. Frickenhäuser Kapellenberg, Spätlese trocken (13%) Zarte Rösta
15,8
* QbA = Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete
** O.B. = ohne Bewertung
*** S = Selektion
Quelle: manager-magazin-Silvaner-Test 2007

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