Montag, 22. April 2019

Produzent, Finanzier, Anleger Die Marke Günther Jauch

Wie der Starmoderator seine Geschäfte organisiert.

Der Produzent: Was RTL-intern noch unter strikter Geheimhaltung diskutiert wird, sprach Ex-Senderchef Helmut Thoma vor einigen Wochen offen an: RTL müsse Günther Jauch endlich einen Polit-Talk geben. Man hätte ihn ja nicht ohne Grund beinahe an die ARD verloren.

Produzent, Finanzier, Anleger: Jauch hat seine Geschäfte breit aufgestellt und gut organisiert
Seit Jauchs Absage, Nachfolger von Sabine Christiansen zu werden, wurden Gedankenspiele der RTL-Granden Gerhard Zeiler und Marc Conrad wiederbelebt. Jetzt wird darüber gebrütet, wie der Verbleib des Moderators in neue Quotenerfolge umgesetzt werden könnte. Ein RTL-Manager sagt: Ja, es gebe Pläne für eine politische Talk-Sendung mit Jauch als Moderator, entschieden sei aber nichts.

Sollte RTL die politische Deutungshoheit von ARD und ZDF angreifen, würde auch die Auslastung von Jauchs eigener Produktionsgesellschaft "I & U Information und Unterhaltung TV Produktion" steigen. Im Jahr 2000 von Jauch und Gruner + Jahr gegründet, kontrolliert der Moderator die Firma inzwischen allein. Geschäftsführer Andreas Zaik und seine 60 Angestellten produzieren bis zu 100 Sendungen pro Jahr, die meisten wie "Stern TV" und die Comedyshow "Paul Panzers 33" für RTL. Aber auch für das ZDF fabrizieren Zaik & Co. bunte Bilder, etwa die Franz-Beckenbauer-Gala "Der Kaiser wird 60". Selbst für den privaten RTL-Konkurrenten Sat1 ist Jauch mit Formaten wie "Der große Haustiertest" unterwegs. Der Umsatz der Jauch-Firma schwankt erheblich, dürfte aber in guten Jahren 15 bis 20 Millionen Euro erreichen. Die RTL-Show "Wer wird Millionär?" trägt dazu übrigens keinen Cent bei. Die deutsche Lizenz liegt beim I & U-Konkurrenten Endemol.

Der Finanzier: Schon seit 2001 arbeitet das Berliner Unternehmen Audiantis GmbH mit seinen heute sechs Angestellten an einer neuen Technologie zur Vertonung des Internets. Fraunhofer-Forscher Karlheinz Brandenburg, Miterfinder des MP3-Players, berät die Ingenieure und ist wie Jauch investiert. Audiantis neues Audioverfahren erzeugt Töne, Musik oder Sprache beim Surfen - ohne dass die Dateien dabei heruntergeladen werden müssen. In zwei Jahren soll die Firma an die Börse gehen.

Der Anleger: Sein Vermögen hat der gelernte Journalist auf verschiedene Firmen verteilt.

© manager magazin 5/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung