Ferienhäuser Villa Sonnenschein

Wer mehr Geld als Zeit hat, dem reicht die Villa am Meer nicht mehr - Topmanager investieren in neue Urlaubskonzepte. Und machen so nebenbei auch noch gute Geschäfte.

Traumhaft, sagt Dietmar Hopp (66), und dabei rollt er das "R" so sanft, wie die Dämmerung über die Täler der Provence kriecht. Es ist Ende März, Hopp steht auf der Terrasse seines Hauses in Terre Blanche, eine halbe Stunde nordwestlich von Cannes. "Traumhaft", sagt er noch einmal und atmet tief ein. Es riecht nach Lavendel, feuchter Erde und Rosmarin, ein Golfkart surrt leise, sonst ist es still. Dann läuft er zielstrebig auf seinen Whirlpool zu, legt seinen Bademantel auf die weiß bezogene Poolliege und taucht ab. Traumhaft.

Jedes Mal wenn der SAP-Gründer sein Ferienhaus besucht, zelebriert er dieses Ritual. Erst wenn er im Pool sitzt, ist er angekommen. Er genießt den Blick über den Golfplatz. Er genießt die Rückkehr ins immergleiche, noch immer wunderschöne Haus, das er sich gerade mal 90 Flugminuten von Süddeutschland entfernt gebaut hat. Er genießt das Gefühl, dass er nicht am falschen Ende gespart, sondern gleich 2,7 Quadratkilometer Land in bester Lage gekauft hat.

Und die Gewissheit, dass er damit am Ende auch noch eine schöne Rendite einfahren wird.

So wie Dietmar Hopp lieben es immer mehr deutsche Topmanager während ihrer knappen Ferienwochen: Sie bevorzugen klassisch europäische Ziele wie Mallorca, Sylt oder eben Südfrankreich (siehe: "Topregionen: Urlaub in der Luxusklasse"). Dort sind sie unter ihresgleichen; die Flughäfen sind in der Nähe, es gibt gute Restaurants, deutsche Tageszeitungen und Ärzte. Und vor allem keine bösen Überraschungen, was die Wertentwicklung angeht. Bis zu 50 Prozent sind in den Toplagen drin - jährlich.

Doch Pool, weiter Blick und gutes Wetter sind lediglich das Fundament eines gediegenen Urlaubsdomizils. Wo Geld keine Rolle spielt, wird mehr erwartet, deutlich mehr: Diskretion und Sicherheit zum Beispiel oder das mehrsprachige Kindermädchen mit medizinischer Grundausbildung. Andere Manager mit genügend Geld suchen sich eine unternehmerische Urlaubsaufgabe zur Erholung, einzige Voraussetzung: Sie darf mit dem Job zu Hause nichts zu tun haben.

Hopps Traum für Millionäre

Ein Anforderungsprofil, mit dem die klassische Ferienvilla mit Meerblick in der Regel nicht mithalten kann. Die Nachfrage bei den Refugien der Reichen und Mächtigen geht in eine ganz andere Richtung. Wer es sich leisten kann,

  • kauft sich in luxuriöse Ferienenklaven ein und verbindet den Service eines Fünf-Sterne-Hotels mit der Privatsphäre der eigenen Villa;
  • legt sich ein eigenes Landgut zu, zieht sich in die Einsamkeit zurück und vertreibt sich die Urlaubszeit mit Viehzucht oder Weinbau;
  • mietet sich für wöchentlich etliche tausend Euro über hoch spezialisierte Makler in die Ferienpaläste anderer Topmanager und Unternehmer ein, wenn er sich nicht mit einem tausend Kilometer entfernten Zweithaus abplagen möchte.

Kaufe Land - Gott erschafft keines mehr. Dieser Satz stammt von Mark Twain, doch Dietmar Hopp benutzt ihn auch sehr gern, wenn er derzeit Anteile seiner 266 Hektar Provence verkauft. 266 Hektar - die Fläche ist etwas größer als Monaco und etwas kleiner als der Central Park in New York. Gekauft hat Hopp sie vor acht Jahren als Brachland voller Gestrüpp und Wald. Vorbesitzer Sean Connery wusste nichts Rechtes damit anzufangen, und Hopp war genervt, weil der Golfplatz in der Nähe seines Ferienhauses in Spanien so oft überfüllt war.

Also ließ er zwei 18-Loch-State-of-the-Art-Golfplätze in den Wald schlagen und baute ein Haus daneben. Den Rest teilte er in Parzellen von 2000 bis 10.000 Quadratmeter Größe. In der Mitte steht ein Fünf-Sterne-Four-Seasons-Resort für Gäste. Drum herum ein Zaun mit Lichtschranken, Kameras und patrouillierenden Wächtern mit Hunden. Fertig ist der amerikanische Traum für Millionäre, jetzt auch in Frankreich.

"Ich bin hier, weil ich mit meinen Freunden Golf genießen will, das ganze Jahr über. Und weil ich die Gegend liebe mit den kleinen Dörfchen und ihren fantastischen Restaurants", sagt Dietmar Hopp. "Für andere ist die Sicherheit sehr wichtig, weil hier in Südfrankreich doch häufig eingebrochen wird, wenn es keine Security gibt."

Andere wiederum schwören auf den dazugehörigen Service: Damit der Porsche sofort anspringt, wird er während der Abwesenheit der Gäste bewegt, der Rasen wird gesprengt, der Kühlschrank pünktlich zur Anreise gefüllt.

Den eigenen Tropfen servieren

19 Villen in Hopps exklusivem Kleinstaat  sind bereits bewohnt, auf 19 Plätzen wird derzeit gebaut, etwa 30 Parzellen sind noch zu haben. Die Preise beginnen bei rund einer Million, manche kaufen gleich zwei oder drei, um mehr Platz zu haben. Hinzu kommt die verpflichtende Mitgliedschaft im Golfklub, 50.000 Euro Aufnahmegebühr für zwei Personen.

Und das Haus natürlich - jeder baut in Eigenregie, es gelten jedoch einige Vorschriften: Baubeginn spätestens 18 Monate nach Erwerb des Grundstücks (Hopp: "Wir wollen jetzt schnell fertig werden, damit der Baulärm aufhört"), Haus maximal zweigeschossig, keine blauen Pools (besser grün oder türkis), keine weißen Fensterrahmen.

Hopps Haus hat vier Schlafzimmer, 400 Quadratmeter Wohnfläche, 4400 Quadratmeter Grund, Pool und Whirlpool. Es ist eines der bescheideneren der Anlage.

In seinem normalen Leben ist Bernd Köhler (42) CEO der Investmentgesellschaft Swisslake Capital AG. Einmal im Monat ist er jedoch für ein paar Tage Winzer, Bauer, Handlanger. Dann ist er auf seinem Weingut Château Moyau in Südfrankreich, kurz vor der spanischen Grenze, mit Blick übers Meer.

"Ich wollte keine klassische Ferienliegenschaft. Ich wollte etwas, das lebt", sagt Köhler. Und er wollte eine Aufgabe, die greifbare Resultate liefert. Also kaufte er 52 Hektar Land, die Hälfte davon mit Weinstöcken bepflanzt. Dazu ein Anwesen, das einmal ein repräsentatives Weingut gewesen sein muss.

Heute ist es eine Ruine, die unter Unesco-Schutz steht und die aus genau diesem Grund nur unter hohem bürokratischem Aufwand renoviert werden kann. Köhler stellte eine diplomierte Winzerin ein und keltert seither seinen eigenen Wein. "Wenn ich hier bin, geht es nur um die Trauben und den Wein, wie wir die Etiketten designen, welche Flaschen wir verwenden, dass wir neue Tanks brauchen. Es ist eine komplett andere Welt als mein Alltag, das ist das Erholsame daran."

Köhler ist ein typischer Fall: Weingüter sind populär unter Topmanagern, Italien ist so gut wie ausverkauft, in Frankreich steigen die Preise. Die einen wollen sich beizeiten einen Job für den Ruhestand sichern, anderen hilft die Beschäftigung mit der Natur gegen den Burn-out. Dritte wittern ein gutes Geschäft. Außerdem macht es sich einfach gut, den Vorstandskollegen den eigenen Tropfen servieren zu können.

Mieten ist nicht mehr peinlich

Köhler hat bereits mehrere Medaillen gewonnen, sein Wein wird bei Dallmayr in München verkauft und in Sterne-Restaurants ausgeschenkt. "Mein Traum ist es, in naher Zukunft in jeder großen Stadt in Deutschland in einem der Toprestaurants meinen Wein bestellen zu können", sagt er. Dafür macht er seit drei Jahren seinen Urlaub ausschließlich auf dem Weingut. Er wirkt sehr erholt.

Geschäftsführer K. macht auch gern Urlaub in großzügig angelegten Häusern - will aber den Rest des Jahres nichts damit zu tun haben. Also mietet er jeden Sommer sein Traumhaus samt Butler und Zimmermädchen. Dieses Jahr wird es die Villa eines deutschen Managers sein, fünf Schlafzimmer, fünf Bäder über den Hügeln von Saint Tropez. Der glitzernde Pool wird von Steinlöwen in Lebensgröße flankiert, an der Wand der Hausherr in Öl auf Leinwand beim Golfen, der direkte Nachbar heißt Ralf Schumacher.

Manager wie K. suchen den Luxus und die Diskretion eines Privathauses ohne die Kosten und den Ärger, den eine permanente Ferienresidenz übers Jahr gewöhnlich mit sich bringt. Sie wollen sich nicht an einen Ort binden und lieben exklusiven Service.

Über den diskreten Makler Indigo Lodges mieten sie sich Villen von Besitzern ähnlichen Niveaus - zum Beispiel das Gästehaus der Grimaldis in Monaco oder eine der Ferienvillen von Giorgio Armani. Kosten: zwischen 10.000 und 150.000 Euro die Woche - beste Nachbarschaft und Endreinigung inklusive.

"Mieten oder vermieten ist auch in diesen Kreisen nicht mehr peinlich. Wer es so weit gebracht hat, denkt kaufmännisch - auch im Urlaub", sagt Robert Rhein, Geschäftsführer von Indigo Lodges Deutschland.

Zum Haus liefert er passendes Personal von Butler bis Koch und erfüllt alle denkbaren Wünsche seiner Zielgruppe: "Ein Gast bestand aufgrund seiner Lebensversicherungspolice auf einem Doppelturbinen-Hubschrauber für den Transfer zum Haus. Ein anderer bestellte eine Satellitenanlage, um die Spiele seines Fußballklubs zu sehen - er ist der Besitzer. Und viele wollen zusätzlich noch große Jachten. Machen wir alles."

K. ist dagegen sehr bescheiden. Zwei Chauffeure hat er dabei, sie bringen den Hummer und den Cayenne mit. Alles soll einfach so sein wie daheim. Außer dem Wetter.

Fotostrecke: Urlaub in der Luxusklasse

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