Motivation Burn-outs hässlicher Bruder

Unterforderte Mitarbeiter werden erst faul, später krank. Dann hat die Firma ein Problem. Geschickt sezieren die Autoren Philippe Rothlin und Peter R. Werder die Diagnose Bore-out und präsentieren Strategien gegen Frustration und Langeweile am Arbeitsplatz.

Erkenntniswert: Die ersten Symptome sind harmlos: Zwei, drei private Mails am Firmen-PC formulieren, am Arbeitsplatz ein wenig nach günstigen Ferienangeboten fahnden. Und eh man sich's versieht, hat man bei Youtube gelernt, wie sich aus einer Flasche Cola mit einer Handvoll Pfefferminzdragees eine Rakete basteln lässt, und ist jederzeit bestens über die aktuellen Ausrutscher von Paris Hilton informiert.

"Bore-out" (deutsch etwa "Ausgelangweilt") nennen Philippe Rothlin und Peter Werder das Phänomen, wenn Mitarbeiter unterfordert sind und statt zu arbeiten lieber Privatkram erledigen oder stundenlang geistig die Füße hochlegen. Bore-out sei anders als simple Faulheit, sagen die Autoren: "Wer an Bore-out leidet, ist faul gemacht worden." Durch Unterforderung, Desinteresse, Langeweile, die paradoxerweise gerade dann entsteht, wenn Arbeit extrem verdichtet ist und viele bis zum Umfallen schuften. Denn der Bore-out entwickelt sich im Schatten des Burn-outs: Er wird getrieben von Vorgesetzten, die alle interessanten Arbeiten an sich reißen und ihren Untergebenen nur die Routinejobs lassen, ihnen zu wenig zutrauen, zu wenig Verantwortung geben.

Weil aber Stress zum guten Ton gehört, gehen diese Mitarbeiter nicht einfach im Park spazieren, sondern flüchten sich in ein Verhalten, das Arbeit nur vortäuscht: Sie verteilen ihr Pensum auf eine längere Zeit, als nötig wäre ("Flachwalz-Strategie"), oder haben immer eine Präsentation am Bildschirm offen, während sie in Wahrheit Sudoku spielen. Es ist der Beginn eines fatalen Kreislaufs, der den Mitarbeiter unzufrieden, sogar krank macht - und das Unternehmen Millionen kosten kann.

Stil: Kurze, klar gegliederte Kapitel und eine nüchterne Sprache machen das Buch gut lesbar, wenn auch streckenweise etwas abstrakt.

Nutzwert: Stress ist sozial erwünscht, Müßiggang am Arbeitsplatz eines der letzten Tabus. Radikal räumen die Autoren mit der Illusion auf, es sei toll, im Büro viel freie Zeit zu haben. Neu ist ihre Gegenstrategie zwar nicht, dass Arbeit Spaß machen und sinnvoll erscheinen sollte. Doch sie geben dem Phänomen der inneren Emigration ein prägnantes Gesicht und erklären seine Ursachen. Das macht das Buch gerade für Führungskräfte spannend.

Geschickt sezieren die Autoren die Unterschiede zwischen Fünf-Minuten-Ausspannen und permanenter Unterforderung. Ein Selbsttest und Beschreibungen von Abwehrstrategien helfen, dem Strudel aus Desinteresse und Langeweile zu entkommen - oder, wenn nötig, den Job zu wechseln.

Simplify-Test: Entrümpeln Sie Ihr Leben!

Foto: manager-magazin.de
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