DZ Bank Gefecht der Genossen

Nach der geplatzten Fusion mit der WGZ Bank liefern sich die Institute eine bizarre Fehde. Für Wolfgang Kirsch, Chef der Frankfurter DZ Bank, kommt der Streit zur Unzeit. Durch eine Fusion hätte er von der Misere im eigenen Haus ablenken können.
Von Ulric Papendick

Wolfgang Kirsch (52), Chef der Frankfurter DZ Bank, ist ein ebenso geradliniger wie sachlich orientierter Manager. Für die Macht- und Ränkespiele des genossenschaftlichen Finanzsektors, dem sein Geldhaus angehört, kann der frühere Deutschbanker keine rechte Begeisterung aufbringen.

Als Frontmann eines der beiden Spitzeninstitute der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, diese Erfahrung macht Kirsch zurzeit, sind politischer Instinkt und taktische Raffinesse jedoch überlebenswichtig.

Bislang hat er solche Talente nicht bewiesen. Seit seinem Antritt im September vergangenen Jahres ist Kirsch so ziemlich alles misslungen, was er anpackte.

Das schon vor seinem Dienstbeginn angekündigte Prestigeprojekt, der Zusammenschluss seines Hauses mit dem anderen großen genossenschaftlichen Spitzeninstitut, der Düsseldorfer WGZ Bank, ist grandios gescheitert. Seitdem verlaufen alle weiteren Versuche Kirschs, die Volks- und Raiffeisenbankenszene zu konsolidieren, mehr oder weniger kläglich im Sande.

Dabei war der in guter Absicht angetreten - und fest entschlossen, einen für beide Institute tragfähigen Kompromiss auszuhandeln. Mit WGZ-Frontmann Werner Böhnke (56) verhandelte Kirsch bereits seit Anfang 2006. Leider übersah der DZ-Primus, dass der eine oder andere vermeintliche Mitstreiter in Wahrheit ganz andere Ziele verfolgte.

Christopher Pleister (58) etwa, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), war offenbar wenig erbaut darüber, dass er seinen Job als Aufsichtsratschef der DZ Bank nach der Fusion abgeben sollte. Nachdem ihn der pflichtbewusste Kirsch informiert hatte, soll Pleister den Zusammenschluss mit gezielten Indiskretionen torpediert haben - was der Verbandschef zurückweist.

Auch einige Frankfurter Vorstände waren mit den Plänen ihres Chefs überhaupt nicht zufrieden. Schließlich sah die Vereinbarung vor, dass nicht alle DZ-Topleute in den Vorstand des gemeinsamen Instituts einziehen sollten. Der heutige Frankfurter Vizechef Heinz Hilgert (53) und der für IT zuständige Dietrich Voigtländer (48) wären nicht mehr dabei gewesen, raunen Insider.

Widerstand im eigenen Haus

Bei so viel Opposition im eigenen Lager wundert es nicht, dass Kirschs Fusionspläne kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres platzten. Die eigentliche Absage kam schließlich von WGZ-Chef Böhnke, der sich wohl auch nicht recht in die ihm zugedachte Rolle als zweiter Mann fügen wollte.

Seitdem liefern sich die beiden genossenschaftlichen Zentralinstitute einen absurden Kleinkrieg. Eine von der DZ Bank angeregte Kooperation der Ableger in Luxemburg und Dublin wollen die Düsseldorfer zwar prüfen, sticheln aber gleichzeitig, bei der Gründung der Auslandstöchter hätten die Frankfurter einst eine Zusammenarbeit verweigert. Auch die von Kirsch vorgeschlagene Zusammenarbeit im Zahlungsverkehr sieht die Böhnke-Truppe skeptisch; das DZ-Bank-Modell, monieren seine Leute, sei viel zu teuer.

Bei der Entwicklung von Zertifikaten für Geldanleger werfen beide Häuser sich sogar gegenseitig vor, ausländische Banken wie die französische Société Générale oder das US-Haus Merrill Lynch als Lieferanten zu bevorzugen statt mit dem jeweiligen Schwesterhaus zu kooperieren.

Und während die zur DZ gehörende DG Hyp in Hamburg und die Münchener Hypothekenbank eG (MünchenerHyp) ihre Fusion planen, bleibt der dritte genossenschaftliche Immobilienfinanzierer für sich: die zur WGZ zählende WL Bank AG in Münster.

Für Kirsch kommt der Streit zur Unzeit. Im Gegensatz zum Wettbewerber in Düsseldorf musste seine Bank in den vergangenen Jahren durch eine harte Sanierung gehen. Bis heute ist die deutlich größere DZ Bank ertragsschwächer als die kleinere Konkurrenz am Rhein.

Kirschs Institut, sagen Insider, zehre heute hauptsächlich von seinen diversen Beteiligungen, etwa an der Bausparkasse Schwäbisch Hall, der Fondsgesellschaft Union Investment oder der R+V Versicherung. Das eigentliche Zentralbankgeschäft hingegen laufe bestenfalls mittelprächtig.

Durch eine Fusion mit der WGZ hätte Kirsch von der Misere ablenken können. Nun aber muss er sich allein durchschlagen - und darf sich keinen weiteren Fehler mehr erlauben. "Kirschs Position", sagt ein langjähriger Topmanager der Bank, "ist wackelig. Wenn ihm noch etwas misslingt, wird es eng für ihn."

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