MTU Aero Einnehmendes Wesen

Der Börsengang des Triebwerkbauers MTU war für seinen scheidenden Chef Udo Stark ein einträgliches Geschäft. Mit seinen MTU-Aktien hat Stark rund 39 Millionen Euro verdient - zusätzlich zu seinem Jahresgehalt in Höhe von rund drei Millionen Euro.

Das Abkassieren ist und bleibt Udo Starks auffälligstes Markenzeichen. Welchem Job der 59-jährige Manager auch immer nachgeht, stets gelingt ihm dabei eine Einkommensmaximierung, die nahezu jedes bis dahin gekannte Maß sprengt.

Das war bei der vergleichsweise unbedeutenden Frankfurter Beteiligungsholding Agiv so (6,4 Millionen Euro Abfindung); ebenso bei der ehemaligen MG Technologies (6,4 Millionen Euro Abschlusszahlung).

Besonders eindrucksvoll hat Stark sein einnehmendes Wesen als Vormann des Flugzeugturbinenherstellers MTU Aero Engines AG  unter Beweis gestellt. Ende des Jahres verabschiedet sich Stark bei dem Unternehmen - vielleicht auch aus dem aktiven Management überhaupt - mit rechnerisch rund 39 Millionen Euro Extraverdienst im Gepäck.

Die hat er neben den 9 Millionen Euro Gehalt aus dreijährigem Dienst quasi als Bonus für den geglückten Börsengang der MTU im Mai 2005 und die nachfolgende Performance der MTU-Aktie bekommen. Also für eine vergleichsweise leichte Aufgabe.

Stark war zum Jahresbeginn 2005 vom damaligen MTU-Eigner KKR als Vorstandsvorsitzender des Unternehmens verpflichtet worden. Damit hatte er sich mitten in ein gemachtes Nest platziert. Das Börsenkonzept stand bereits, selbst Details waren erledigt.

So waren etwa die Firmenanteile, die das Topmanagement erhalten sollte, bereits verteilt. Wohl ein Schönheitsfehler, den Johannes Huth (46), Europa-Chef des Finanzinvestors KKR, allerdings sogleich korrigierte. Huth spendierte seinem neuen Topangestellten aus dem Topf der KKR-Anleger weitere 1.085.973 MTU-Anteile zum selben Einstandspreis, den auch die übrigen Führungskräfte zu zahlen hatten: rund 5,60 Euro.

Für das Wohl der Firma

Ursprünglich wollte Stark wohl rasch wieder von dannen ziehen. Anfangs soll ein nur einjähriges Engagement im Gespräch gewesen sein. Doch vornehmlich die Arbeitnehmer im MTU-Aufsichtsrat pochten wohl auf ein mindestens dreijähriges Dienstverhältnis. Man kennt den Mann, vor allem in Gewerkschaftskreisen. Stark sollte Zeit haben, auch etwas für das Wohl der Firma zu tun.

Das ist ihm freilich nur in Teilen gelungen. Gewiss, Gewinnkurve und Aktienkurs weisen deutlich nach oben. Kritiker monieren allerdings, dass Stark vor allem von der guten Konjunktur im Reparaturgeschäft profitiert habe und keine vorausschauende Unternehmensstrategie vorweisen könne.

Für Stark sind solche Kontroversen bald Vergangenheit. Im Oktober 2006 und im März dieses Jahres hat er schon mal insgesamt 500.000 Aktien seines MTU-Depots verkauft und damit 18,7 Millionen Euro erlöst. Die in seinem Besitz verbliebenen 586.000 Aktien haben einen rechnerischen Wert von aktuell rund 26,4 Millionen Euro. Macht zusammen 45,1 Millionen Euro. Davon sind die Einstandskosten von gut 6 Millionen Euro abzuziehen, sodass unter dem Strich eben jene 39 Millionen Euro für Stark als Gewinn bleiben.

Hätte Stark seine Aktien früher veräußert, wäre der Verdienst womöglich unentdeckt geblieben. Wie bei Börsengängen von Private-Equity-Investments üblich, waren die Aktien der MTU-Manager lange Zeit in einer eigenen Gesellschaft gebündelt. Folge einer solchen Konstruktion: Zuteilungen und Verkäufe, die dem Bundesamt für Finanzdienstleistungen (BaFin) gemeldet werden müssen, bleiben so häufig anonym.

Im letzten Jahr aber wurde das Gemeinschaftswerk, die Blade Management Beteiligungs GmbH & Co. KG, aufgelöst, und die Anteile wurden auf die Manager übertragen, offenbar weil einige von ihnen das Unternehmen verließen.

Stark soll sich bis zuletzt gegen die Liquidation der Firma gewehrt haben.

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