Was macht eigentlich C.-H. von Gablenz?

Vor fünf Jahren rauschte die Cargolifter AG unter ihrem Gründer und Vorstandschef Carl-Heinrich von Gablenz spektakulär in die Pleite. Doch Gablenz' Glaube an die eigenen Visionen tut das keinen Abbruch.

Der legendäre Philosoph und Architekt Buckminster Fuller (1895 bis 1983) hinterließ der Welt neben einigen futuristisch-unpraktischen Kuppelbauten auch eine ermutigende Botschaft: Auf dem Weg zum Ruhm zählt vor allem der unbeirrbare Glaube an die eigenen Visionen - weniger deren Realisierung.

So gesehen hat Carl-Heinrich von Gablenz gute Chancen, als deutsche Ausgabe von Buckminster Fuller in die Geschichte einzugehen.

Das mit dem Kuppelbau hat er schon ganz gut hingekriegt: Im brandenburgischen Örtchen Brand steht noch heute die gigantische Hinterlassenschaft seiner Cargolifter AG; eine 107 Meter hohe Werfthalle, in der eines Tages ebenso gigantische Frachtluftschiffe entstehen sollten. Heute befindet sich in der Halle ein Spaßbad.

Die börsennotierte Cargolifter AG rauschte 2002 unter ihrem Gründer und Vorstandschef von Gablenz spektakulär in die Pleite.

Doch Gablenz' Glaube an die eigenen Visionen tut das keinen Abbruch. "Die Luftschifftechnologie ist aktueller denn je", konstatiert der promovierte Jurist über den wackeligen Tisch eines Charlottenburger Eckcafés hinweg. "Denken Sie nur an den Klimawandel!"

In Berlin-Charlottenburg liegt auch die Dreizimmerwohnung, die Gablenz zusammen mit seiner Frau bewohnt. Von hier aus will er die Renaissance der Renaissance der Luftschifffahrt einleiten.

Modell Lufthansa statt Modell Airbus

Gablenz ist Aufsichtsratschef der Cargolifter KGaA, eines bislang rein virtuellen Unternehmens, das er zusammen mit einigen Cargolifter-Getreuen gegründet hat. Ziel: Das Know-how für den Frachtluftschiffbau soll beisammengehalten werden, um Gablenz' Vision eines Tages doch noch wahr werden zu lassen: "Wir wollen nicht mehr als Erbauer des Cargolifters auftreten, sondern eher als Betreiber. Also das Geschäftsmodell Lufthansa statt des Geschäftsmodells Airbus."

Dass man die Luftschiffe von Grund auf selbst bauen und verchartern wollte, darin sieht von Gablenz einen der Gründe für das Scheitern der ersten Cargolifter AG. Außerdem habe der Wirtschaftsabschwung 2001 das Interesse der Anleger an visionären Ideen gelähmt. Und schließlich habe auch die Politik Cargolifter zur Unzeit die Unterstützung entzogen.

All diese Unbillen konnten Gablenz' Optimismus nichts anhaben. Er ist fest davon überzeugt, dass er den Cargolifter noch zu Lebzeiten fliegen sehen wird, "wenn auch vielleicht nicht ganz so groß wie ursprünglich geplant".

Falls sich diese Vision nicht bewahrheitet: Der deutsche Buckminster Fuller hat noch eine zweite auf Lager. Gablenz ist Aufsichtsrat der Elaion AG. Die Firma, personell weitgehend deckungsgleich mit der Cargolifter KGaA, will den Staat Mosambik mit einem Netz von Plantagen für die Biodieselproduktion überziehen. Auch eine schöne Idee.


Zur Person

Carl-Heinrich von Gablenz (55, oben 2002 mit Cargolifter-Modell) entstammt einer Luftfahrtdynastie: Der Großvater war Mitbegründer und Vorstand der Lufthansa, der Vater ihr Chefpilot.

Gablenz junior arbeitet zunächst als Banker und Manager. Während seiner Gastprofessur in den USA entwickelt er die Idee, Luftschiffe für Schwerlasttransporte zu nutzen.

Zurück in Deutschland gelingt es dem Charismatiker, mehrere hundert Millionen Euro an Aktionärsgeldern und Subventionen für die von ihm gegründete Cargofilter AG einzusammeln. Doch 2002 geht das Unternehmen pleite.

Gablenz ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.

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