Frühlingsmode Zum Schweben schön

Leichte, gar goldene Zeiten verspricht die Mode jetzt der Business-Welt. Und längst vergessene Schnitte kehren unverhofft zurück.
Von Renate Böcker-Lüttke

Es war eine regnerische Februarnacht. Und alle Gäste des Hauses - bis auf ein paar Nachtschwärmer an der Bar - lagen längst in den Betten.

Da regte sich, pünktlich zur Geisterstunde, in den Fluren, auf den Treppen, in der Halle eine merkwürdige Schar - Gestalten in weißen Anzügen, in grünen Jacketts, in blutroten Westen. In gleißendem Lampenlicht führten sie einen Reigen vor der Kamera auf.

Der Anlass: Sechs Models präsentierten für den Fotografen Gulliver Theis im feinen Hamburger "Side Hotel", gestaltet vom Designer Matteo Thun, die Frühjahrsmode 2007. In der Nacht waren sie noch ganze Menschen, am Ende existieren sie nur noch als modische Hüllen - aus allen Bekleidungen entfernte der Fotograf in der Bildbearbeitung die Träger.

Der aktuelle Stil kommt dieser Idee entgegen - eine neue Leichtigkeit bei Farbe und Form, die ihren Trägern Flügel verleiht und längst vergangene Zeiten wiederauferstehen lässt. Die Mitternachtsshow geriet zum luftigen Ballett des Luxus und der Moden.

Und die laden schon zum Tanzen ein. Etwa wenn die weiß-braun abgesetzten Budapester Auferstehung feiern, die einst Fred Astaire zum Stepp mit Ginger Rogers trug. Dazu den weißen Zweireiher. Und auf dem Kopf einen schneeweißen Panama-Hut.

Der Lurexfaden macht's möglich

Weiß, Weiß, Weiß ist das große Thema der Freizeitmode der Saison. Die Röhrenjeans sind von dieser Farbe, die Bundfaltenhose ist es, das Leinenkostüm für die Dame wie die Pumps dazu.

Wem dies der ostentativen Unschuld zu viel ist, der darf sich auch mit Gold und Silber schmücken - der (längst verblichen geglaubte) Lurexfaden der 60er Jahre macht's möglich. Überall - ob im Anzug oder Pullover, am Schuh oder am Hemd - schimmert und funkelt er. Prada liefert einen silberglänzenden Koffer dazu und Joop eine goldmattierte Handtasche.

Derweil die Geisterschar in der Lobby den vergoldeten Aufschwung tanzt, schnüren schwarz gewandete Figuren über die Flure, Anzüge im Schnitt der Kennedy-Ära, vor sich Gläser mit Bloody Mary.

Unter schlanken Revers tragen sie weiße Hemden mit ultraknappen Kragen, zusammengehalten von schmalen, schwarzen Krawatten, womöglich gar aus Leder.

Die Damengestalten kreuzen in Wickeljacke, Dreiviertelhose, Bleistiftrock auf - mitsamt gesichtsfüllender Sonnenbrille, einst Erkennungsmerkmale der US-First-Lady.

Und schon huscht auch James Dean mit Entourage vorbei. Wie im richtigen Leben ist der große Film-Untote angetan mit Jeans (aus ungewaschenem, ungebleichtem Denim) und Lederblouson (mit aufgemalten Taschen). Um die Hälse haben sie lange, bunte Schals geschlungen. Lässig wie am ersten Tag, damals, im Kinosommer 1955.

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