Donnerstag, 20. Juni 2019

China Neue Übernahmewelle aus Fernost

Kapital und Anlagen nach China, fertige Produkte nach Westen - das war das Handelsmuster, fast 20 Jahre lang. Doch nun rollt eine neue Übernahmewelle aus Fernost heran. Die Ziele: Geld, Wissen, Macht. Und deutsche Firmen stehen im Fokus der chinesischen Aufkäufer.

Es ist nicht so, dass Wei Luan, der seit fast zwei Jahrzehnten in der Bundesrepublik lebt und inzwischen deutscher Staatsbürger ist, seine chinesische Herkunft verleugnen würde. Er trägt eine traditionelle hochgeschlossene Jacke. In seinen Büros stößt man auf folkloristische Objekte: kämpfende Drachen aus Wurzelholz, angreifende Adler aus Jade, einen Elefantenstoßzahn, aus dem eine Gartenlandschaft herausgeschnitzt ist.

Wachstumshungrig: Chinas Konzerne wollen in großem Stil westliche Firmen kaufen
Häppchenweise Heimat mitten in einem grauen Düsseldorfer Gewerbegebiet. Doch bei aller Chinaverbundenheit hat sich Wei Luan einen urdeutschen Vornamen gegeben: Wolfgang.

Er ist das personifizierte deutsch-chinesische Joint Venture.

Derzeit ist Luan auf dem Sprung zu seiner nächsten Entwicklungsstufe - und mit ihm springt die ganze chinesische Volkswirtschaft. Es geht um den groß angelegten Einstieg bei westlichen Unternehmen. Es geht um den Transfer von Technologien. Es geht um den endgültigen Aufstieg Chinas zur Weltwirtschaftsmacht ersten Ranges.

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Luans Weg zeigt, wie schnell das einst größte Entwicklungsland der Welt voranstürmt - und wie rasch sich die Wirtschaftsbeziehungen zum Westen verändern. Als er 1989 als Student in die Bundesrepublik kam ("mit 1000 Mark in der Tasche"), war China eine weitgehend geschlossene, rückständige Ökonomie. Luans erste Geschäfte bestanden darin, billige Messgeräte aus seiner Heimat zu importieren.

Als China sich in den 90er Jahren mehr und mehr für ausländische Investoren öffnete, stieg Wei Luans Firma - die den etwas großsprecherischen Namen Famous Industrial Group trägt - in den Export von deutschen Maschinen ein und in die Beratung deutscher Unternehmen auf dem schwierigen chinesischen Markt.

© manager magazin 4/2007
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