Sonntag, 15. September 2019

China Neue Übernahmewelle aus Fernost

8. Teil: Kritische Fragen aus dem Westen

Fred Hu von Goldman Sachs in Hongkong ist überzeugt: "Wir werden noch mehr solcher Beispiele sehen. Wir befinden uns im frühen Stadium einer wahrscheinlich gewaltigen Entwicklung." Diese Deals werden eine andere Qualität haben als die bisherigen. "Die Zeit der blutigen Nasen ist vorbei", sagt Cristina Bülow, Partnerin bei Ernst & Young. "Es ist zu erwarten, dass mehr und mehr gesunde Unternehmen Gegenstand chinesischer Übernahmeversuche sein werden", ergänzt Matthias Müller von PricewaterhouseCoopers.

Sie werden dazu Berater engagieren - auch wenn ihnen das schwer fällt. Die Bedeutung von Private-Equity-Firmen wird zunehmen. Die Großen der Zunft, ob Carlyle, CVC oder Cerberus, sind inzwischen alle - meist vom steuergünstigen Hongkong aus operierend - in China vertreten. Man wolle bei Auslandsakquisitionen helfen, verkündete Cerberus-Chairman John Snow kürzlich bei der Eröffnung eines China-Büros.

Vorbild ist wiederum Lenovo: Beim Kauf der IBM-Computersparte nahmen die Chinesen die beiden Private-Equity-Firmen Texas Pacific Group und General Atlantic als Co-Eigner mit ins Boot.

Die chinesische Regierung unterstützt ihre Unternehmen bei der Auslandsexpansion nach Kräften. Die staatliche China Development Bank und die Export-Import-Bank geben Garantien für Kredite. So bekam Huawei für seine Auslandsexpansion einen Kredit von über zehn Milliarden Dollar.

Angesichts der chinesischen Offensive stellen sich inzwischen viele im Westen kritische Fragen: Was haben wir davon? Was wird aus den übernommenen Firmen? Gelangen sie zu neuer Blüte? Oder wird ihnen vor allem das Know-how abgenommen?

Optimisten glauben, dass es der Beginn einer wunderbaren neuen Arbeitsteilung sein könnte. In diesem Szenario würden sich die Standorte in Deutschland auf Forschung und Entwicklung und anspruchsvolle Produktion konzentrieren - die Standorte in China wiederum würden dieses Wissen dank billiger Arbeitskräfte und staatlich subventionierter Kredite zu niedrigen Kosten in Produkte übersetzen. Typischerweise sollte es am Ende beiden Partnern besser gehen.

© manager magazin 4/2007
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