Dienstag, 23. Juli 2019

China Neue Übernahmewelle aus Fernost

7. Teil: Noch fehlt das strahlende Modell

Bislang sind solche Fälle rar. Die bis dato größten Übernahmen in Europa - der Unterhaltungselektronikhersteller TCL kaufte Schneider (Deutschland) und die TV-Sparte von Thomson (Frankreich) sowie die Handysparte von Alcatel (ebenfalls Frankreich) - sind sämtlich in die Rubrik Flops einzusortieren. Wenig überraschend, denn chinesische Manager kennen von Haus aus bislang nur Wachstum; wie Restrukturieren und Sanieren geht, das wissen sie nicht.

Langer Marsch: Deutsche Geheimdienstler warnen vor einem chinesischen "Masterplan".
Olaf Hajek
Langer Marsch: Deutsche Geheimdienstler warnen vor einem chinesischen "Masterplan".
Noch fehlt das strahlende Modell, das Beispiel, das zeigt: Chinesen können Weltkonzerne übernehmen und erfolgreich führen. Immerhin gibt es einen Kandidaten für diese Rolle - einen Konzern, der zum Vorbild für die Auslandsexpansion werden könnte.

Es war eine Sensation, als kurz vor Weihnachten 2004 bekannt wurde, dass die chinesische Firma Lenovo Börsen-Chart zeigen für 1,725 Milliarden Dollar die PC-Sparte der US-Ikone IBM Börsen-Chart zeigen übernehmen würde.

Lenovo who? Das fragte sich damals nicht nur Marc Fischer, Chef des übernommenen IBM-Geschäftsbereichs Personal Computing in Deutschland. Heute ist Fischer Deutschland-Geschäftsführer der Firma und weiß, wer Lenovo ist: Ein gerade mal 20 Jahre altes Unternehmen, bei Computern und Laptops dominanter Marktführer in China und stark in Restasien, einer der am besten geführten Konzerne Chinas mit westlich orientiertem Management.

Die Führungsmannschaft hat erkannt, dass sie nicht von Peking aus mit einem rein chinesischen Vorstand einen Weltkonzern führen kann. Deshalb engagierten sie Bill Amelio als Boss, einen Amerikaner vom US-Konkurrenten Dell Börsen-Chart zeigen. Im Lenovo-Vorstand spricht man inzwischen Englisch, die Headquarters befinden sich in Raleigh (North Carolina), Singapur und Peking.

Noch hat Lenovo außerhalb Chinas Absatzprobleme, weil die Umgewöhnung von IBM auf den unbekannten neuen Namen Zeit braucht. Doch das Management investiert massiv ins Branding. So wurde Brasiliens Fußballstar Ronaldinho als Werbeträger engagiert. Auf den Williams-Boliden klebt in der laufenden Formel-1-Saison das Lenovo-Logo. Und dann kommen im August 2008 die Olympischen Spiele in Peking, wo sich Lenovo der Welt als allgegenwärtiger Sponsor präsentieren wird.

© manager magazin 4/2007
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