Mittwoch, 17. Juli 2019

China Neue Übernahmewelle aus Fernost

6. Teil: Griff nach kleinen, billigen Happen

Natürlich ist auch Deutschlands Vorzeigebranche Auto von Interesse. "In der Autozuliefererbranche halte ich größere Akquisitionen für möglich", sagt Ivo Naumann, Leiter des Roland-Berger-Büros in Shanghai.

Noch hat es in Deutschland keine großen Übernahmen durch Chinesen gegeben. Bislang haben sie nur nach kleinen, billigen Happen gegriffen. Bei Deutschlands Insolvenzverwaltern standen regelmäßig chinesische Manager und deren Mittelsmänner auf der Matte.

Marode Firmen waren für die knauserigen Chinesen schön preiswert. Doch die Strategie der billigen Akquise ist nicht aufgegangen. "In Deutschland gibt es nur drei bis fünf Merger, die geklappt haben", schätzt Rüdiger Schultz, Generalbevollmächtigter der Berenberg Bank.

Als relativer Erfolg gilt bislang die Übernahme des Bielefelder Nähmaschinenherstellers Dürkopp Adler Börsen-Chart zeigen. Als die Shanghaier SGSB-Gruppe die Firma 2005 mehrheitlich von FAG Kugelfischer übernahm, steckte das Traditionsunternehmen in einer schweren Krise. Die Umsätze waren binnen weniger Jahre um ein Drittel geschrumpft, Gewinne gab es nur noch in homöopathischen Dosen. Der Konzern war schlicht zu klein für die Globalisierung.

Am 1. Juli 2005 rückten die Chinesen ein. Sie brachten Geld mit - ein langfristiges Konzerndarlehen von 35 Millionen Euro sicherte erst einmal die Liquidität - und, wichtiger noch, Perspektiven: Billiger produzieren durch ein neues Joint Venture mit der auf Maschinenmassenproduktion spezialisierten SGSB-Gruppe; billiger einkaufen innerhalb eines weltweiten Konzerns; besser verkaufen auf dem rasch wachsenden chinesischen Markt. Seit dem vorigen Jahr scheint sich das Unternehmen, inzwischen geführt von einer deutsch-chinesischen Doppelspitze, allmählich zu erholen.

© manager magazin 4/2007
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