Freitag, 20. September 2019

China Neue Übernahmewelle aus Fernost

3. Teil: "Bislang unbekannte Dimensionen"

Um das zu erreichen, soll ein Teil der Gelder, zunächst 200 Milliarden Dollar, in eine staatliche Investmentagentur fließen, die ihr Geld auf der ganzen Welt anlegt: in Aktien, Anleihen, Rohstoffen und nun vermehrt in kompletten Unternehmen. Wie ernst es die Volksrepublik meint, zeigt eine spektakuläre Nachricht: China beteiligt sich mit drei Milliarden Dollar (2,2 Milliarden Euro) an der als Heuschrecke verpönten US-Investmentgesellschaft Blackstone. Ein erster Versuchsballon, dem mit Sicherheit bald weitere folgen werden.

Zweite Welle: Erfolge in anderen Schwellenländern haben die Chinesen mutig gemacht.
Olaf Hajek
Zweite Welle: Erfolge in anderen Schwellenländern haben die Chinesen mutig gemacht.
Chinas staatseigene Finanzkraft könnte bald gigantische Größenordnungen annehmen: Da seine Devisenreserven derzeit mit Raten um 30 Prozent wachsen, könnten theoretisch 300 Milliarden Dollar in die Investmentgesellschaft fließen - Jahr für Jahr. Ein Volumen, das Vorbilder wie die Investmentgesellschaften Singapurs oder die Golfstaaten zu Finanzzwergen degradieren würde.

Die neue Behörde ähnele einer "gigantischen staatlichen Private-Equity-Firma", sagt Christina Stercken, Partnerin der Euro Asia Consulting (EAC), einer Beratungsfirma, die bislang Europäern auf dem Weg nach Asien geholfen hat und nun auch Chinesen bei ihrer Westexpansion berät. "Diese Strategie treibt die chinesischen Auslandsinvestitionen in bislang unbekannte Dimensionen."

Seit 2001, seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation WTO, lautet die Parole der chinesischen Regierung an ihre großen Unternehmen: Geht nach draußen. Der damalige Staatspräsident Jiang Zemin gab die Richtung vor: "Zou Chu Qu" - "Schwärmt aus".

Schon wegen des nationalen Prestiges wünscht sich Pekings Führung global operierende Konzerne. Das Ziel heißt "Fortune Global 500". Derzeit sind in diesem Ranking der weltgrößten Unternehmen 16 chinesische Firmen gelistet. Bis zum Jahr 2010, so die Vorgabe der Pekinger Wirtschaftsplaner, sollen mindestens 50 Konzerne im Who's who der kapitalistischen Oberliga notiert sein.

Die stolzen Chinesen wollen nicht mehr nur die Fabrik der Welt sein, die Europa und die USA mit ihren in China gefertigten Marken überschwemmt. Sie wollen eigene globale Brands kreieren. Dazu brauchen sie Marketing-Knowhow und internationale Vertriebswege. Beides können sie am schnellsten durch Firmenzukäufe im Ausland erwerben.

© manager magazin 4/2007
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