Dienstag, 23. Juli 2019

China Neue Übernahmewelle aus Fernost

2. Teil: "Deutschland hat exzellente Qualität"

Wei Luan kaufte angejahrte Anlagen auf und verschiffte sie. Für ihn selbst fiel dabei eine Autozulieferfabrik mit 180 Leuten in Liaoning ab. "Wolfgangs" Meisterstück war der Abbau der Dortmunder Kokerei Kaiserstuhl. Eine Anlage auf dem aktuellen Stand der Technik, die er 2004 komplett demontieren, auf 26 Schiffen nach China schaffen und dort wieder aufbauen ließ.

Kapital und Anlagen nach China, fertige Produkte nach Westen - das war das Handelsmuster, fast 20 Jahre lang. Dieses Prinzip verändert sich rasant: China ist auf dem Weg nach Westen. Und wieder ist Wei "Wolfgang" Luan vorn dabei. Er berät jetzt auch chinesische Firmen bei ihrer Expansion in Deutschland. Für die neuen Kunden lässt er dieses Jahr auf seinem Düsseldorfer Firmengelände ein parkartiges Businesszentrum anlegen, ganz im Pagodenstil gehalten, samt Teich, Teehaus und Kung-Fu-Zentrum ("damit sich die Chinesen hier wohlfühlen").

Auch er selbst will in Deutschland investieren. Voriges Jahr hätte er fast einen Hersteller von Verpackungsmaschinen übernommen. "Ich suche weiter", sagt Wei Luan lächelnd, "Deutschland hat exzellente Qualität und exzellente Technologien." Genau die richtige Ergänzung zu den billigen Produktionsmöglichkeiten in der alten Heimat.

Geschichte wird gemacht - eine neue Phase chinesischer Wirtschaftsexpansion hat begonnen.

An Geld mangelt es nicht. Die Regierung sitzt auf den größten Devisenreserven der Menschheitsgeschichte: mehr als 1,2 Billion Dollar. So viel Geld weckt Begehrlichkeiten. Und es regt zum Träumen an. Statt es wie bislang vorwiegend in niedrig verzinste US-Staatsanleihen zu stecken, will Chinas Führung es für ihre Globalisierungsstrategie nutzen. Das Ziel: mehr Rendite, weniger Risiko - und vor allem mehr Macht.

© manager magazin 4/2007
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