Donnerstag, 22. August 2019

Deloitte Deutscher Scherbenhaufen

Weltweit brummt das Geschäft bei Deloitte. Nur die hiesige Partnerschaft des Wirtschaftsprüfergiganten agiert bräsig und behäbig.

Die Stimmung ist ausgelassen. Man könnte meinen, hier steige eine der legendären Börsenpartys aus der New-Economy-Zeit. Begeistert beklatschen die rund 200 Führungsleute Zahlen, Ergebnisse, Rekorde, die der amerikanische Firmenchef Bill Parrett (61) an diesem Tag Ende Oktober 2006 in Edinburgh vorstellt. Die Truppe wirkt wie beschwipst, unternehmerischer Kampfgeist wabert im Raum.

Rapider Niedergang: In der drittgrößten Wirtschaftsnation der Welt kümmert Deloitte vor sich hin
Dirk Schleef
Rapider Niedergang: In der drittgrößten Wirtschaftsnation der Welt kümmert Deloitte vor sich hin
Willkommen in einer Branche, die viele noch mit Bürokratenmief und Langeweile verbinden. Willkommen bei Deloitte, der am schnellsten wachsenden Firma der internationalen Wirtschaftsprüferzunft.

Seit nunmehr zehn Jahren prescht die Gesellschaft voran, meist mit zweistelligen Raten. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. Juni 2006 endete, haben die Bilanz- und Steuerexperten von Deloitte erstmalig die 20-Milliarden-Euro-Umsatzmarke geknackt. Damit ist der Zusammenschluss von mehr als 70 eigenständigen nationalen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften größer als der Mediengigant Bertelsmann (18 Milliarden Euro Umsatz) oder die Lufthansa Börsen-Chart zeigen (19,8 Milliarden Euro Umsatz).

Wenn es um Abschlussprüfungen, Unternehmensbewertungen oder Steuerrat geht, liegt nur noch der amerikanische Dienstleistungskonzern PricewaterhouseCoopers (PwC) vor Deloitte. Auch den will Parrett nun überholen und abhängen.

Allerdings ist fraglich, ob das Vorhaben gelingen kann. Denn eine der wichtigsten Landesorganisationen zieht nicht mit. Und das ist ausgerechnet die deutsche.

In der drittgrößten Wirtschaftsnation der Welt kümmert Deloitte vor sich hin. Statt durch Dynamik wie im internationalen Verbund fällt Deloitte hierzulande vor allem durch Lethargie, Führungsschwäche und Selbstbedienungsmentalität auf:

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    Die Jagd auf Wiedeking
    Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

    Im Stammgeschäft, der Wirtschaftsprüfung, liegen die Deutschen hoffnungslos abgeschlagen auf Platz vier, hinter KMPG, PwC und Ernst & Young. Die Firma ist mittlerweile zum Mittelstandsprüfer abgerutscht. 2006 verlor Deloitte das letzte verbliebene Dax-Mandat, die Abschlussprüfung bei BASF Börsen-Chart zeigen.

  • Die Consultingsparte (ein Sechstel des Umsatzes) befindet sich in rapidem Niedergang. Im vergangenen Jahr nahmen mehr als 120 Partner und Berater Reißaus.

  • Statt mit Verve zu investieren, schiebt sich eine kleine Clique sogenannter geschäftsführender Partner lieber exorbitante Einkommen zu.

© manager magazin 4/2007
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