Forum Leserbriefe

Einsame Entschlüsse


Lidl: Führungschaos beim Discounter (mm 2/2007)

Als ehemalige Lidl-Führungskraft muss ich Ihnen voll zustimmen. In meinen ersten Tagen im Unternehmen bekam ich den wohlgemeinten Rat, Anweisungen von ganz oben nie sofort umzusetzen, es wäre üblich, dass diese Anweisungen einige Tage später durch einen einsamen Entschluss wieder aufgehoben würden. Ich lernte im Laufe der Zeit diesen Rat sehr zu schätzen.

Dieses Chaos hatte damals schon tief greifende Auswirkungen auf die Motivation der Mitarbeiter. Durch sich permanent widersprechende Anweisungen wurden nicht nur die Mitarbeiter verunsichert, sondern wurde auch wertvolles Betriebsvermögen vernichtet.

Bernhard Körber,
Düsseldorf

Die Lidl-Krise ist mehr als eine Führungsfrage. Der Discounter verfolgt eine Firmenpolitik, als wäre die Erde eine Scheibe. Er vertreibt in jedem Land dieselben "deutschen" Produkte. Ein Mangel an interkultureller Kompetenz, der durch niedrige Preise nicht einfach auszugleichen ist. Denn gute Angebote kann auch die lokale Konkurrenz machen.

Rasmus Ph. Helt,
Hamburg


Geringe Attraktivität

Kommentar: Henrik Müller über Auswanderer und Arbeitskräftemangel (mm 2/2007)

Dass viele hoch qualifizierte Deutsche Stationen ihrer Ausbildung und Karriere im Ausland verbringen, sollte eher als erfolgreicher Technologietransfer gesehen werden denn als Aderlass. So kommen, und das sind repräsentative Zahlen, etwa 80 bis 90 Prozent der jungen promovierten Wissenschaftler wieder zurück nach Deutschland. Es handelt sich also nicht um die "größte deutsche Emigrationswelle seit Ende des 19. Jahrhunderts", sondern schlicht um Karrierewege im Zeitalter der Globalisierung.

Letztlich liegt das Hauptproblem der Versorgung mit hoch qualifizierten Arbeitskräften nicht in dem Verlust qualifizierter deutscher Arbeitskräfte, der längst nicht so groß ist, wie von Medien und vielen Politikern oft vorschnell behauptet, sondern in der geringen Attraktivität Deutschlands für internationale Spitzenkräfte. Für die Erlangung eines Arbeitsvisums in Deutschland sind Kriterien zu erfüllen, an denen die Mehrzahl deutscher Universitätsabsolventen scheitern würde. So haben es 2006 nur ganze 900 ausländische Fachkräfte und 500 Unternehmer nach Deutschland geschafft. Im internationalen Vergleich steht Deutschland in der Konkurrenz um die Hochqualifizierten hintan.

Wird sich Deutschland einen genügend großen Anteil internationaler Talente sichern können, um unseren Wohlstand zu garantieren? Das wird davon abhängen, wie sehr wir bereit sind, Deutschland zum Einwanderungsland der kreativen Köpfe zu machen.

Andreas Schmidt,
Berkeley


Neue Verfügung

Namen + Nachrichten: DaimlerChrysler-Konzernchef Zetsche und Buchautor Grässlin streiten vor Gericht (mm 2/2007) 

Sie berichten über eine Auseinandersetzung zwischen Jürgen Grässlin und DaimlerChrysler, konkret über eine Pressemitteilung von Grässlin. "Das Landgericht Berlin hatte dem Autor im August eine ähnliche Äußerung untersagt. ... Die erste Runde hat der Autor bereits gewonnen. Daimler-Chrysler hatte auch ein Ordnungsgeld gegen Grässlin beantragt, weil die Pressemitteilung zur Anzeige gegen Zetsche gegen eine bestehende Unterlassungserklärung verstoße. Das Landgericht lehnte ab."

Hierzu stellen wir fest:

Zwar ist es richtig, dass das Landgericht bezüglich des Verbots aus dem August aufgrund der etwas anderen Wortwahl der Pressemitteilung kein Ordnungsgeld festsetzte, es hat jedoch kurz danach Herrn Grässlin mit einer neuen einstweiligen Verfügung die weitere Verbreitung der Pressemitteilung unter Androhung von Ordnungsgeld untersagt.

Ursula Mertzig-Stein,
DaimlerChrysler AG

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.