Lexus GS 450h Zukunftsgefährt

Die japanische Hybridlimousine Lexus GS 450h beeindruckte mm-Tester und Ökoberater Maximilian Gege durch ihre Leistung wie durch geringe (Lärm-)Emission.

Maximilian Gege kennt sich aus mit ökologischen Fortschritten. Der Vorsitzende des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management (Baum) hat dabei immer das ganze System im Blick, nicht die einzelne technische Innovation.

Deshalb achtet der schlaksige Ökonom zu Beginn seiner Probefahrt nicht im Detail auf den Hybridantrieb des Lexus GS 450h. Gege kommt es vielmehr auf den Gesamteindruck an, den die Hightech-Business-Limousine auf ihn macht.

Und der ist "phänomenal", wie der Tester schon auf den ersten Kilometern schwärmt. Am meisten imponiert ihm, wie leise und vibrationsarm der Wagen fährt. Schon an der ersten Ampel schaltet die Elektronik sämtliche Antriebe ab, sodass der Lexus geräuschlos vor dem Fußgängerüberweg wartet.

Nur der Wischergummi gleitet über die Scheibe, sobald der Regensensor auf das hamburgische Schmuddelwetter reagiert und einen Bewegungsimpuls auslöst. "Man muss sich förmlich darauf besinnen, dass man Auto fährt", sagt der Professor für Umweltmanagement staunend. "Schließt man die Augen, könnte man glauben, man säße zu Hause im Sessel."

Anfänglich interessiert sich Maximilian Gege nur aus Sicht eines Ökoanalytikers für den neuen Lexus. Dienstlich fährt der Baum-Mitgründer meist Bahn - rund 80.000 Kilometer jährlich. Privat nutzt er einen uralten Mercedes 200, doch nur für rund 8000 Kilometer im Jahr. Ins Büro fährt Gege ökologisch korrekt mit der Regionalbahn.

Doch schon bald erliegt auch der Ökoexperte den technischen Verlockungen, die der GS 450 so reichlich parat hält. In der Schlange an der nächsten Ampel probiert Maximilian Gege den Ultraschall-Parkassistenten aus. Er rückt seinem Vordermann peu à peu immer näher auf die Pelle - bis das System den Innenraum mit schrillem Dauerpiepsen füllt wie ein ausrastender Wecker nach der dritten Schlummerschaltung.

"Audi, BMW oder Mercedes müssen sich warm anziehen"

Auf der Autobahn Richtung Flensburg schaltet Maximilian Gege das Abstandsradar ein. Das System nimmt Gas weg und bremst synchron zum vorausfahrenden Auto. Der Tempomat gibt wieder Gas, sobald der Vordermann davonbraust.

Es dauert eine Weile, bis der Umweltberater beim Programmieren des Tempomaten und des Abstands die richtige Abstimmung gefunden hat.

Doch beim entspannten Dahingleiten mit konstant 120 Stundenkilometern vertraut Gege vollauf der Technik: "Der Lexus gibt ein rundum sicheres Gefühl, weil er Risiken und Ressourcenverschwendung vorbeugt - wie ein vorausschauender, kluger Manager." Für den Umweltschützer ist dies "die Technik der Zukunft".

Trotz aller elektronischen Spritsparhilfen und trotz aller Schaubilder, die sich der Fahrer vom Bordcomputer zur Optimierung seines Fahrstils gleich auf zwei Monitore im Cockpit projizieren lassen kann, gelingt es Maximilian Gege allerdings nicht, den Durchschnittsverbrauch des Hybrids bei der Autobahnfahrt unter 10 Liter pro 100 Kilometer zu drücken.

"Schade", resümiert der Ökonom, der einen deutlich geringeren Verbrauch erwartet hatte, "aber das hohe Gewicht der Technikausrüstung muss bewegt werden."

Auch der Blick in den Kofferraum des Hybrids ernüchtert: Die Akkus für den Elektroantrieb schmälern das Ladevolumen enorm. Selbst in einen VW-Polo passt mehr Gepäck. "Ein klarer Nachteil, der sich aber wohl verkraften lässt", bilanziert Maximilian Gege. "Insgesamt überzeugt der Lexus jedoch - technisch wie durch Sicherheit und Komfort." Wettbewerber wie Audi, BMW oder Mercedes, meint der Ökoberater, müssten sich angesichts dieser Vorzüge "warm anziehen".


Steckbrief

mm-Kritik: Der GS 450h ist kein Ökosoftie, sondern eine vollwertige Business-Limousine. Die addierte Durchzugskraft seines Benzin- und Elektromotors stellt die Wettbewerber in den Schatten. Ökologisch betrachtet, ist der Hybridantrieb ohnedies nur nützlich in der Stadt und bei Kolonnenfahrt. In der Verbrauchs- und Umweltbilanz wird der Lexus jedoch von den sportlichen Dieseln der deutschen Premiumhersteller geschlagen.

Technik: Hybridantrieb mit insgesamt 345 PS (254 KW); Spitze: 250 km/h.

Preis: ab 60.000 Euro