Luxusapartments Teurer wohnen

Von Hamburg bis New York: Wer auf sich hält, hat eine feine Wohnung mit viel Service in der Stadt. Bekannte Architekten und Künstler sorgen jetzt für trendgerechte Behausungen. manager magazin stellt eine Auswahl spektakulärer Apartments vor.

Stephan Bruns parkt die schwarze Mercedes-Limousine am Straßenrand unter hohen, winterlich kahlen Bäumen. Der hagere junge Mann, Kurzhaarschnitt, Designerbrille, Nadelstreifanzug, holt gelbe Schutzhelme aus dem Kofferraum, dann führt er den Gast zur Baustelle im Herzen Münchens.

Der massive Rohbau inmitten der Lenbach Gärten, fünf Stockwerke hoch, wird, wenn er im Sommer fertiggestellt ist, "Max Palais" heißen. Er soll eine feine grüne Markise über dem Eingang tragen und einen unterirdischen Zugang zum Spa des "Rocco Forte"-Hotels nebenan haben. Und schließlich: Er wird Münchens teuerste Eigentumswohnungen beherbergen, 31 Unterkünfte für höchste Ansprüche.

Bruns, gelernter Wirtschaftsingenieur aus dem Westfälischen, nun Vertriebsmann der Baugesellschaft Frankonia, schielt auf hochmögende Kunden. Die will jeder Bauherr; doch beim Max Palais dürfte es kein Problem geben, die zu finden, sagt er. Über nackte Betontreppen, auf denen Handwerker unterwegs sind, führt er in weitläufige Apartmentrohlinge, vor denen sich großzügige Terrassen ausbreiten.

Ganz oben gibt es ein Penthouse von rund 500 Quadratmetern Fläche über zwei Etagen. Von denen schweift der Blick über Bäume und Dächer zu den Marientürmen und der Justizpalastkuppel. Bis hin zur Kette der Alpengipfel. Dort, nach Westen hin, zeigt er, könnte ein Pool Platz finden.

Der Höhepunkt jedoch findet sich unten in der Halle, die zum Entree bestimmt ist. Hier wird der Tresen stehen, an dem der gute Geist des Hauses waltet, der Doorman. Vor sich Telefone und Monitore, um für Sicherheit und Service zu sorgen, neben sich eine Reihe Räume, die künftigen Bewohnern alle Mühsal des Alltags fernhalten helfen.

Einen Postraum etwa (Briefkästen gibt es nicht), ein Business-Center (für Treffen mit ungebetenen Gästen), einen Aufenthaltsraum (für Bodyguards und Chauffeure). Sowie einen Hundewaschraum, in dem verdreckte Vierbeiner nach dem Auslauf geduscht und gefönt werden können. Saubere Lösung.

Auf Manhatten folgt München

Mit derlei Annehmlichkeiten setzt sich der Neubau in München an die Spitze eines neuen Trends zu luxuriösem urbanem Wohnen, der jetzt auch in Deutschland Einzug hält. Nach Manhattan und Knightsbridge streben nun Bauunternehmen in München oder Düsseldorf, in Hamburg oder Berlin (zur Freude einer wachsenden Schar von Käufern) diesem Trend nach. Einen angelsächsischen Namen hat das Wunderkind auch schon: New Urbanism.

Seine Merkmale: geräumige Wohnungen mit Prachtausstattungen in Spitzenlagen der Metropolen, verziert mit reichlich Dienstleistungen, bereichert durch beneidenswerte Ausblicke. Und, nicht zu vergessen - geschmückt mit dem Namen eines großen, möglichst weltbekannten Architekten(-teams) oder Künstlers. Der auch noch in Rio oder Tokio etwas hermacht. Wie etwa Philippe Starck (als Inneneinrichter) oder Markus Lüpertz (als Dekorateur), aber auch Hadi Teherani, der an Elbe und Rhein Luxuswohnungen im Modulsystem errichten lässt.

Hier in München hat das Büro Hilmer & Sattler und Albrecht - berühmt für seinen Generalplan für den Potsdamer Platz und den Bau des Beisheim Centers in Berlin - einen klassizistisch-konservativen Entwurf geliefert und neben einem Fünf-Sterne-Hotel und Bürogebäuden (die bereits an McKinsey und den Condé Nast Verlag vermietet sind) sowie gewöhnlichen Wohnhäusern das Max Palais als Immobilie des schieren Luxus gestaltet.

Den Vorreiter für derart kühnen Quartiersbau gab der amerikanische Avantgarde-Architekt Richard Meier, der bereits 2002 zwei wohnliche Glaskuben in Manhattan abgesetzt hat. Bei denen es leider alsbald durchregnete, was für allerlei Verwirrung in der Szene sorgte. Sein jüngstes Projekt wird gerade mit doppelseitigen Anzeigen im Magazin der "New York Times" beworben: "Richard Meier. On Prospect Park".

Am Botanischen Garten in Brooklyn nämlich, gleich neben einem mächtigen steinernen Triumphbogen des vorvorigen Jahrhunderts, entsteht ein Glasbau mit 15 Geschossen und 120 Apartments.

"Richard Meiers Bilderbuchbau", schmeichelt die Werbung in rosigen Farben, "bietet die höchsten Standards an persönlichem Service, Geborgenheit und Raum mit einem erlesenen Angebot von Diensten und Annehmlichkeiten."

Zu Preisen zwischen 790.000 und sechs Millionen Dollar.

"Wohnungen sind die neue Mode"

Noch zwei ähnliche Projekte hat Manhattan zu bieten. Unter der Federführung des spanischen Star-Baumeisters Santiago Calatrava entsteht eine 254 Meter hohe Turmskulptur, aufeinandergetürmt aus zwölf vierstöckigen Glaskuben.

Und die Schweizer Weltklasse-Jungs Herzog & de Meuron (die mit dem Münchener Stadion) errichten derzeit einen Glastempel an der Adresse 40 Bond Street, der auch Fünf-Sterne-Hotelservice haben soll.

"Wohnungen sind die neue Mode", zitierte das Lifestyle-Blatt "Vanity Fair" unlängst einen New Yorker Makler, "Architekten die neuen Couturiers". New Yorker Banker, Fondsmanager und Anwälte wollten nicht nur die richtige Adresse, notierte das Blatt, sie wollten auch das soziale Ansehen und die persönliche Bestätigung, dass sie auf dem rechten Stilpfad seien.

Und dann zog das Blatt blank: Alles nur Geldanlagegelegenheiten mit Übernachtungsmöglichkeiten für Investmentbanker, die hier ihre Boni vergrüben. Der widerborstige Titel des Berichts: "Die Wohnungen der lebenden Toten".

Der erste Gehversuch mit derlei Luxusbehausungen in Deutschland geriet prompt zur Stolperstrecke. "Teurer Flop am Potsdamer Platz" titelte die "Frankfurter Allgemeine" im Herbst 2004 über die Wohnungen im Beisheim Center, nachdem von den 50 Einheiten (150 bis 580 Quadratmeter) ein halbes Jahr nach Eröffnung gerade mal eine bewohnt war. Das schlechte Geschäft kostete den langjährigen Beisheim-Intimus Erwin Conradi damals den Platz an der Seite des Metro-Milliardärs - und den Job.

Mittlerweile sind die Wohnungen im Beisheim-Turm alle verkauft, zu Quadratmeterpreisen ab 5000 Euro. Lediglich von den sogenannten Parkside Apartments in den Wohnkästen unmittelbar am Tiergarten, die Architekt David Chipperfield entworfen hat, sind noch einige zu haben.

Die Gewinner des neuen Trends

Ein Gewinner des neuen Trends ist jedenfalls der Frankfurter Investor Tom Bock, der im Florentinischen Viertel am Mainufer Hochpreiswohnungen errichtet und mit gutem Erfolg verkauft.

Bei der Frankonia Eurobau, dem Entwickler der Münchener Lenbach Gärten, herrscht ebenfalls eitel Freude. Mehr als die Hälfte der Wohnungen im Max Palais sei jetzt bereits verkauft, "notariell beglaubigt", wie Vorstandschef Uwe Schmitz versichert. Und an wen?

"Dat sind Leute", erklärt Schmitz - keine Namen, bitte - in breitem Westfälisch, "die es im Leben geschafft haben, die sehr viel Geld haben und für den Kauf keinerlei Finanzierung benötigen. Dat sind Leute von mittlerem Alter, 40 bis 45, und solche, die sich auf den letzten Abschnitt ihres Lebens vorbereiten, die Kinder aus'm Haus, die Villa am Starnberger See verkauft."

Liquidität ist allerdings auch gefragt. Das Spektrum der Wohnungen reicht von der 100-Quadratmeter-Stadtwohnung über 180 bis 350 Quadratmeter messende Lofts bis zur 500 Quadratmeter großen Penthouse-Unterkunft, zu Preisen von bis zu 11.000 Euro pro Quadratmeter.

Durch die Nachfrage beflügelt, macht sich der Bauunternehmer sogleich an weitere Projekte. So lässt er im Medienhafen zu Düsseldorf unmittelbar am Wasser zwei Wohntürme mit 120 Unterkünften (und hauseigenem Jachthafen) errichten, getauft auf den schönen Namen der "Königskinder" (die nicht zusammenkommen konnten).

Verziert werden die 18 Stockwerke hohen und einigermaßen nüchternen Gebäude des Architekturbüros Petzinka Pink mit Arbeiten des Düsseldorfer Akademiedirektors und Bildwerkers Markus Lüpertz: Die Sagengestalten Hera und Leander werden, vom Meister in Bronze gegossen, von den Dachfirsten sehnsuchtsvoll einander zuwinken.

Planungen für Hamburg und Köln

Ähnliche Wohnanlagen sind in Planung für Hamburg und Köln. Hier hat Uwe Schmitz gerade das ehemalige Hauptquartier der Gerling-Versicherung erworben, eine Prachtimmobilie in Spitzenlage. Und in Hamburg ein Grundstück an der Außenalster, das bislang von der Bundeswehr belegt war. Das Bauvorhaben: ein Luxushotel und reichlich Wohnbauten in bester Lage. Und der Doorman ist immer dabei.

In der Hansestadt entsteht derweil ein völlig neues Quartier, das sehr wohl auch jede Menge höhere Lebensart vorhalten soll - die Hafencity an der Elbe. Dort macht, ebenfalls direkt am Wasser und also mit Privathafen, ein Luxuswohnhaus mit 67 Apartments zu Quadratmeterpreisen bis zu 8000 Euro von sich reden, Fertigstellung Herbst 2007.

Die Entwürfe stammen vom Stardesigner Philippe Starck, der zusammen mit dem britischen Immobilienentwickler John Hitchcox die Baumarke Yoo betreibt (siehe: "Humanes Projekt: Philippe Starck im Interview"). Das Duo hat derzeit ähnliche Projekte in 17 Metropolen weltweit mit einem Investitionsvolumen von fünf Milliarden Dollar in der Mache. 4000 Wohnungen gibt es schon, in London und Hongkong, Miami und New York. Der Bedarf scheint gigantisch.

Von dem 58-jährigen Franzosen stammen die Ideen für Gemeinschaftsflächen wie Lobby, Flure und Wellnessbereiche, außerdem für Bäder und Belege. Gleich vier verschiedene Interieurs hat Starck entwickelt, mal minimalistisch, mal barock, ein andermal wieder skandinavisch oder zeitlos, familiär, kosmopolitisch. Anything goes.

"Je härter das Leben draußen, desto wichtiger ist die Höhle, in die man sich zurückziehen kann", streute der Designer. Und gab sich als Philanthrop: "Ich arbeite nicht, um Geld zu verdienen. Ich will, dass alle Menschen besser leben. Eine Wohnung muss ein Ort sein, wo du aufblühen kannst, ein Ort, wo du sprühender, smarter, verliebter bist als in der Welt draußen."

Schöner hat das teure Wohnen wohl kaum jemand besungen.

Wohnen: Zu Hause bei Philippe Starck

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