Toparbeitgeber Voll geschäftsfähig

High Potentials starten ihre Karriere am liebsten bei BCG oder McKinsey. Porsche, BMW und Lufthansa sind die Lieblingsarbeitgeber junger Ökonomen, zeigt eine Studie. Was genau aber erwarten die beliebtesten Unternehmen von den Einsteigern? manager magazin sagt, worauf Sie achten müssen und wie sich die Gehälter entwickeln.
Von Helene Endres und Claus G. Schmalholz

Neid ist in Deutschland die höchste Form der Anerkennung, sagt der Philosoph Arthur Schopenhauer. Na, dann fangen wir am besten mit folgender Frage an: Wie viele Berufsjahre braucht ein Akademiker heute wohl, um ein Einkommensniveau von rund 100.000 Euro zu erreichen? Die Antwort: eins.

Richtig gelesen. In bestimmten Branchen und Bereichen bekommen schon Einsteiger Gehälter, die bei manch Altgedientem Neid auslösen können. Natürlich kann nicht jeder Berufsstarter so viel verdienen. Dermaßen hoch bezahlt werden derzeit vor allem Topjuristen mit Spezialkenntnissen, Maschinenbauer mit Promotion oder Finanzmarktexperten mit MBA.

Um die besten Absolventen konkurrieren die Unternehmen wie schon lange nicht mehr. Wer den Abschluss einer renommierten Universität in der Tasche hat, notenmäßig zur oberen Liga seines Jahrgangs gehört und dazu noch ein Praktikum oder Studienjahr im Ausland vorzuweisen hat, kann sich heute den Arbeitgeber fast schon aussuchen.

Aber auch Kandidaten ohne Prädikatsexamen und Spitzendiplom haben derzeit gute Chancen - wenn sie die Personalchefs durch ihren Werdegang und ihr persönliches Auftreten überzeugen können.

Was genau aber erwarten die beliebtesten Unternehmen von den Einsteigern? Und was bieten sie dafür im Gegenzug? Welche Firmen offerieren die schnellsten Aufstiegschancen, die höchsten Gehälter und die beste Work-Life-Balance?

manager magazin hat bei den Personalchefs aus Konzernen und Kanzleien, Topberatungen und mittelständischen Unternehmen nachgefragt und sich von jungen Berufseinsteigern schildern lassen, wie der Start in einem Unternehmen wie Porsche oder Google, Adidas oder Boston Consulting tatsächlich verläuft.

Studienfach fast zweitrangig

Fest steht: Der Studienabschluss ist heute nur noch ein Kriterium von mehreren. Bevor Unternehmen ein Vertragsangebot vorlegen, checken sie vor allem die Persönlichkeit des Kandidaten. Passt die, dann ist es fast schon zweitrangig, was jemand studiert hat. So wie im Fall von Matthias Wilnhammer.

Der 26-Jährige stammt aus dem Bayerischen Wald. Weil er ein erdverbundener Mensch ist, wollte er nach dem Abitur einen handfesten Beruf ergreifen. Förster zu werden lag da buchstäblich nah. Als Forstbeamter hätte er monatlich 2500 Euro netto verdient, wenn er im April als Unternehmensberater bei Boston Consulting (BCG) anfängt, liegt er locker darüber.

Wilnhammer ist einer von rund 200 Beratern, die BCG in diesem Jahr einstellt. Und alle mussten mehr bieten als ein gutes Examenszeugnis. "Wir suchen das Besondere im Lebenslauf eines Bewerbers. Wir wollen sehen, dass jemand Initiative gezeigt hat, rausging aus dem eigenen Dunstkreis", sagt Just Schürmann, für das Recruiting verantwortlicher Geschäftsführer bei BCG.

Wilnhammer hat das bewiesen: Als Student der Forst- und Holzwissenschaft an der TU München untersuchte er bei einem Studienprojekt in China die Wasserqualität von Flüssen, bei der Uno in Genf analysierte er den europäischen Holzmarkt. "Ich wollte wissen, ob ich am Schnittpunkt von Ökologie und Ökonomie etwas bewegen kann", sagt Wilnhammer.

Dann hängte er noch ein Praktikum bei der Unternehmensberatung dran, um zusammen mit einer Biologin, einer Physikerin und einem Maschinenbauer ein neues Geschäftsmodell für eine Bank zu entwickeln. Mit Holz hatte das zwar nichts zu tun, aber Wilnhammer merkte: "Diese Arbeit macht Sinn, was ich da tue hat Konsequenzen."

Natürlich können nicht alle Uni-Absolventen so hoch einsteigen. Consultingfirmen zahlen noch immer mit die besten Gehälter. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum verdienen Einsteiger im Durchschnitt zwischen 36.000 und 41.000 Euro brutto pro Jahr. Das sind Summen, die sich etwa auf dem Niveau der vergangenen Jahre bewegen. Erfreulich ist jedoch die Tendenz: Vor allem Absolventen wirtschaftsnaher Fachrichtungen können künftig mit steigenden Einkommen rechnen.

Geld ist längst nicht mehr alles

Geld ist ohnehin nur einer von mehreren Faktoren, mit denen Absolventen die Attraktivität eines Unternehmen beurteilen. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, welche Karrierechancen das Unternehmen bietet. Einsteiger mit Aufstiegsambitionen sollten auch mal einen Blick auf Branchen werfen, die als wenig reizvoll gelten.

Birgit Janka hat das getan, und es hat sich gelohnt. Mit 27 ist sie Vize-Logistikchefin bei Ikea in Köln. Dass ihr Job wenig Glamour bietet und sie statt modischer Businesskostüme eine Art Arbeitsuniform tragen muss, stört sie nicht. Janka weiß: Wer sich hier durchsetzt, wird mit schnellem Aufstieg und einem krisensicheren Arbeitsplatz belohnt.

In der blau-gelben Kluft wirkt Janka auf den ersten Blick so gar nicht wie die Chefin von 95 Mitarbeitern, die dafür sorgt, dass Bestseller wie Billy, das Regal, oder Glimma, das Teelicht, niemals ausgehen.

Nach dem Studium begann sie mit 23 als Trainee bei Ikea. Logistik fand sie schon im Studium spannend, und in diesem Bereich war Ikea das Unternehmen, mit dem sie sich identifizieren konnte. Und so musste sie früh um fünf helfen, Lkw zu entladen, machte ihren Staplerführerschein. "Das war anstrengend, aber wichtig.

Jetzt, als Chefin, weiß ich, was die Kollegen morgens machen, und kann so ganz anders mit meinen Mitarbeitern reden", sagt sie. Nach knapp einem Jahr wurde sie Teamleiterin, wieder knapp zwei Jahre später in der Kölner Filiale Vize-Logistikchefin, eine der jüngsten und eine der wenigen Frauen bei Ikea in diesem Bereich.

"Dass ich so schnell so weit komme, ist nicht untypisch für Ikea. Der Werbespruch 'Entdecke die Möglichkeiten' gilt hier eben auch für Mitarbeiter, die sich entsprechend reinhängen."

"Nicht den ersten Job nehmen"

Bei den Absolventen ist offenbar noch nicht angekommen, dass vermeintlich langweilige Branchen wie der Handel attraktive Karrierechancen bieten.

Selbst viele Ingenieure, die derzeit am meisten gefragt sind, haben allem Anschein nach noch gar nicht realisiert, dass sich der Arbeitsmarkt in ihrem Bereich zum Bewerbermarkt gewandelt hat.

"Ich sage meinen Studenten immer: Nehmt doch nicht gleich den erstbesten Job. Schaut euch mehrere Angebote an und wählt das Unternehmen aus, das am besten zu euch passt", sagt Günther Schuh, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie an der RWTH Aachen.

Johannes Brendel (26) hat diesen Rat befolgt. In einer Studienarbeit beim Schweizer Motorradrennstall Suter Racing lernte er, wie Techniker Innovationen entwickeln, beim Isolatorenbauer Sefag ließ er sich beibringen, wie man Projekte effizient organisiert.

Die Besten wollen Berater werden: High Potentials präferieren Strategieberatungen*

Rang Unternehmen Prozent
1 Boston Consulting Group 24,7
2 McKinsey 23,9
3 BMW Group 23,8
4 Porsche 18,3
5 PricewaterhouseCoopers 14,4
6 Audi 13,7
7 Lufthansa 13,6
8 Deutsche Bank 12,7
9 KPMG Deutsche Treuhand 12,6
10 Siemens 12,1
11 Europäische Zentralbank 12,0
12 Goldman Sachs 11,9
13 Bain Company 11,0
13 Roland Berger 11,0
15 KfW Bankengruppe 10,8
15 Ernst Young 10,8
17 Adidas 10,6
18 SAP 9,3
19 UBS Warburg 9,2
20 Deutsche Bundesbank 8,3
* Umfrage unter rund 2600 Wirtschaftswissenschaftlern. Quelle: Universum/Access Graduate Survey 2006:

Mit diesen Erfahrungen und dem Maschinenbaustudium an der ETH Zürich war Brendel auf dem Arbeitsmarkt für Absolventen besonders gefragt.

Zu Porsche, dem bei allen Absolventen beliebtesten Unternehmen, kam er dennoch eher zufällig, als er den Vortrag eines Porsche-Ingenieurs an seiner Uni hörte.

Der Techniker, Brendels späterer Chef, vermittelte dem Jungingenieur ein Bild des Unternehmens, das ihm gut gefiel: Wir packen es an, wir finden eine Lösung.

So hängte Brendel ("Ich war früher kein Autofreak") noch ein Praktikum beim Stuttgarter Autohersteller dran und wurde schon am allerersten Tag Porsche-Fan: Kaum angekommen, nahm ihn sein Chef mit auf eine Probefahrt, und Brendel wollte fortan für die Stuttgarter arbeiten.

"Ein gutes Image ist wichtig"

Jetzt erlebt er im Prototypenbau jeden Tag die Faszination der fahrenden Produkte. Brendel koordiniert Änderungen von Bauteilen, wenn zum Beispiel eine Kabeldurchleitung klemmt, begleitet Erprobungsfahrten und konfiguriert die Autos dafür.

Frauen wollen BMW fahren: Wunscharbeitgeber der weiblichen Absolventen*

Rang Unternehmen Prozent
1 BMW Group 23,2
2 Lufthansa 22,2
3 Unilever 18,7
4 Porsche 18,4
5 L'Oréal 17,5
6 Ikea 15,3
6 Adidas 15,3
8 Tui 14,9
8 Procter Gamble 14,9
10 Beiersdorf 14,0
11 PricewaterhouseCoopers 13,5
12 Siemens 12,6
12 McKinsey 12,6
12 DaimlerChrysler 12,6
12 Boston Consulting Group 12,6
16 Coca-Cola 11,9
17 Tchibo 11,8
18 Audi 11,5
19 Bosch 10,6
20 SAP 10,3
* Umfrage unter rund 2600 Wirtschaftswissenschaftlern. Quelle: Universum/Access Graduate Survey 2006:

"Das ist zwar kein klassischer Maschinenbau", sagt er, "aber hier kann ich eigenverantwortlich arbeiten und muss mich nicht mit überflüssigem Papierkram beschäftigen."

Brendel schätzt die kurzen Entscheidungswege bei Porsche. Wenn er ein größeres Problem lösen muss, kann er auch direkt zum Hauptabteilungsleiter gehen. Sein Anfangsgehalt von gut 40.000 Euro ist ordentlich, die Firmenkultur stimmt.

Wie anonym es in fusionierten Riesenkonzernen zugehen kann, weiß er seit einem Erlebnis beim Wandern. Auf einer Berghütte traf er zwei Ingenieurkollegen eines anderen Autoherstellers. Dort stellte sich heraus: Die beiden arbeiteten in der gleichen Abteilung - waren sich aber vorher nie begegnet.

Aber selbst ein Unternehmen wie Porsche, das auf den Ranglisten der attraktivsten Unternehmen für Absolventen seit Jahren ganz oben rangiert, muss daran arbeiten, seinen guten Ruf zu erhalten und ein sogenanntes Employer Branding zu etablieren, das den Glanz der Produkte auf das Bild der Firma als Arbeitgeber überträgt. "Ein gutes Image als Unternehmen, bei dem man gern arbeiten möchte, ist für uns extrem wichtig", sagt Martin Meyer, Leiter des Personalmarketings bei Porsche.

Andere Unternehmen scheinen das zu vernachlässigen. Vor allem Banken und Versicherungen haben in den vergangenen Jahren in der Gunst der Absolventen enorm verloren. Beide Branchen rangieren weit hinten auf der Liste der Unternehmen, bei denen Absolventen gern arbeiten wollen.

Besonders drastisch fällt der Ansehensverlust bei den Banken aus. Vor knapp zehn Jahren schlossen lediglich 11 Prozent der Absolventen einen Karriereeinstieg bei Banken aus. Heute hat sich dieser Anteil auf rund 21 Prozent nahezu verdoppelt.

Auch Fachfremde mit Chancen

Deshalb haben jetzt auch fachfremde Einsteiger bei den Geldhäusern bessere Chancen. Melanie Loriz (26), Medienwissenschaftlerin und Trainee bei der Commerzbank, ist eine davon: "Ich habe mich vorher kaum mit Banken beschäftigt. Deshalb waren die ersten Wochen nicht leicht, ich musste schnell viel Neues dazulernen", sagt Loriz. "Aber das Programm war spannend: Unterschiedliche Aufgaben, Auslandseinsatz, Mentoren - das hat mich überzeugt."

Inzwischen ist sie 16 Monate dabei und hochzufrieden. Als Teilnehmerin des Traineeprogramms General Banking musste sie sich nicht auf eine Sparte der Bank festlegen, sondern sie rotiert durch die verschiedensten Bereiche. "Ich kenne jetzt das Private Banking genauso wie die Personalabteilung oder die Consulting-Sparte. Wo ich nach dem Programm fest einsteige, ist mir überlassen", so Loriz.

Die Commerzbank weiß, wie es um das Image ihrer Branche steht, und Programme wie das von Melanie Loriz sollen helfen, die Geldzunft wieder attraktiver zu machen. "Wir brauchen Nachwuchs, in diesem Jahr wollen wir bis zu 250 Absolventen einstellen", sagt Gabriella Lo Cicero, Personalerin bei der Commerzbank, "dabei kämpfen wir um die besten Köpfe."

Die Banken müssen sich tatsächlich anstrengen, um mit den Angeboten von Beratungsunternehmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mithalten zu können. Im Gegensatz zu den Geldhäusern reagierten die Consultants und Wirtschaftsprüfer bereits auf die neuen Zeiten am Arbeitsmarkt und locken Einsteiger mit Weiterbildungschancen an.

"Der Job bietet eine Vielfalt, die mir vorher nicht bewusst war", sagt etwa Jörg Warnatz (31), der nach vier Jahren bei PricewaterhouseCoopers (PwC) als Projektmanager für M&A-Projekte arbeitet. In einem Team von 40 Mitarbeitern bewertet er Banken und Versicherungen, die zum Verkauf stehen, und präsentiert die Ergebnisse vor potenziellen Investoren.

Die Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams verschafft ihm ein gutes Netzwerk innerhalb und außerhalb der Firma - und damit beste Karriereaussichten. "Um meine Zukunft ist mir nicht bange", sagt Warnatz.

Zu Recht, wie das Beispiel seines Exkollegen Dietmar Prümm (36) beweist. Der Finanzfachmann wechselte im August als Chefcontroller zu Casa Reha, einem mittelständischen Betreiber von 26 Seniorenpflegeheimen. Nach elf Jahren bei PwC, davon zwei Jahre im New Yorker Büro, hatte Prümm die Weiterbildung zum Wirtschaftsprüfer in der Tasche und genug Erfahrungen als Prüfer und Berater von MDax-Firmen gesammelt.

Umsteiger mit Prümms Profil gehören zum Personalkonzept, sagt PwC-Personalchef Bernhard Riester: "PwC fungiert praktisch als Jobvermittlung. Der Wechsel erfahrener Mitarbeiter zu Mandanten ist durchaus erwünscht, denn wir brauchen eine ausgeglichene Mitarbeiterstruktur." Im Klartext: PwC braucht ständig akademischen Nachwuchs. Allein in diesem Jahr stellt das Unternehmen 1200 Hochschulabsolventen ein.

Sommercamps und Tennisplätze

Der hohe Bedarf an gut ausgebildeten Akademikern ermöglicht es Einsteigern, Unternehmen zu bevorzugen, die ihre Vorstellungen von einem attraktiven Arbeitsplatz erfüllen. Dabei achten Einsteiger stärker auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Arbeits- und Privatzeit, die sogenannte Work-Life-Balance.

Dennoch traut sich kaum ein Bewerber, im Vorstellungsgespräch zu fragen, wie es denn mit Teilzeit aussieht, ob es ein Firmensportprogramm gibt und wo denn bitte die Duschen sind.

Bei Adidas ist das auch nicht nötig, hier erzählt Personaler Andreas Lämmlein es nämlich von sich aus: Er erzählt von Vertrauensarbeitszeit, den Tennisplätzen im Garten der Firmenzentrale und den Pilateskursen.

Er erzählt von den Wake-Boarding-Camps für die Mitarbeiterkinder während der Sommerferien und von der Vermittlung von Pflegepersonal für kranke Angehörige. Er erzählt von einem der besten Angebote in Deutschland, Arbeits- und Privatleben zu vereinen.

Die fürsorgliche Haltung hilft auch dem Unternehmen: Eine Mutter arbeitet konzentrierter, wenn sie ihr Kind gut aufgehoben weiß. Ein kerniger Sportler ist der authentischere Produktmanager für Laufschuhe als ein übergewichtiges Pendant mit Hexenschuss. Und selbst ein großstadtverwöhnter Absolvent findet auf einmal einen Arbeitsplatz in einer fränkischen Kleinstadt attraktiv.

"Ich kann hier in der Mittagspause Tennis spielen - das ist neben den Karrieremöglichkeiten ein Grund, warum ich mich für Adidas entschieden habe", sagt Trainee Juliette van der Eerden (27). Schon als jugendliche Tennisspielerin wurde sie von Adidas gesponsert, mit der Marke kann sie sich auch heute noch identifizieren - und trägt nun erst recht am liebsten Adidas-Klamotten.

Kuscheln in der New Economy

Was unter Work-Life-Balance zu verstehen ist, interpretiert jedes Unternehmen auf seine Weise. Während Adidas seinen Mitarbeitern helfen will, Berufs- und Privatleben gleichwertig zu behandeln, bedeutet dies beim kalifornisch geprägten Google das kuschelige Familiengefühl nach New-Economy-Art.

Statt Tennis spielt man hier Tischfußball oder Playstation. Work-Life-Balance heißt hier, es den Mitarbeitern in der Firma so gemütlich wie möglich zu machen. Die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben sind fließend.

Und so schaut es dann auch bei Google in Hamburg ein bisschen wie in einer Studenten-WG aus: Bunte Gänge mit bunten Menschen, alle jung und sympathisch, in den Ecken stehen Hundekörbchen und ein Massagestuhl, Glaskühlschränke mit Getränken von Astra-Bier bis Bismarck Wellness.

In der Kantine gibt es Snacks, natürlich kostenlos, und wer jetzt noch heim will, ist selbst schuld. "Ich hab hier noch nie abends auf die Uhr geschaut, nur wenn ich verabredet bin", sagt Stefan Keuchel. Er ist Pressesprecher bei Google und muss so etwas wohl sagen. Aber das Umfeld überzeugt. "Wir sind hier wie eine große Familie, alle duzen sich, und einmal im Jahr fahren wir zusammen zum Skifahren. Spendiert die Firma."

Und weil alle eine Familie sind, reden auch sehr viele mit, wenn es um Neueinstellungen geht. Die Kandidaten haben einen Bewerbungsmarathon von 10 bis 15 Gesprächen vor sich - mit Personalern, aber auch mit künftigen Kollegen. Alle entscheiden gemeinsam, ob jemand ins Team, sprich die Google-Familie, passt oder nicht.

Sarah Fix-Bähre (28) passt seit einem Jahr ins Team. Die Publizistikabsolventin las eine Stellenanzeige im Internet - ein "Maximizer" war gesucht. Jetzt betreut sie Kunden aus der Baumarktbranche, erstellt Suchwortlisten und textet die Anzeigen, die erscheinen, wenn jemand "Stichsäge" bei Google.de eingibt.

"Der Direkteinstieg war ein Sprung ins kalte Wasser, aber ich habe einen sogenannten Buddy im Team für alle meine Fragen, und das sind einige." Und damit jeder wusste, dass Fix-Bähre die Neue ist, musste sie die erste Woche eine quietschbunte Mütze mit "Noogler"-Schriftzug tragen - New Googler.

Sich zum Affen zu machen, muss man bei Google früh lernen: Regelmäßig werden "Pyjama Days" gefeiert. Die ganze Firma arbeitet dann einen Tag lang im Schlafanzug. Auf Etikette wird nur geachtet, wenn Kunden kommen: Dann ziehen sich die Mitarbeiter einen Morgenmantel über.

Die beliebtesten Arbeitgeber

Autohersteller bevorzugt: Die beliebtesten Unternehmen bei Ökonomen *

Rang Unternehmen Prozent
1 Porsche 24,7
2 BMW Group 23,9
3 Lufthansa 16,9
4 McKinsey 15,6
5 Boston Consulting Group 14,7
5 Audi 14,7
7 Adidas 13,9
8 PricewaterhouseCoopers 12,9
9 DaimlerChrysler 12,0
10 Siemens 11,9
11 Unilever 11,4
12 Ikea 10,9
13 Ernst Young 10,3
13 KPMG Deutsche Treuhand 10,3
15 Procter Gamble 9,8
16 L'Oréal 9,5
17 Bosch 9,4
17 SAP 9,4
19 Deutsche Bank 9,3
20 Roland Berger 9,2
21 Beiersdorf 8,7
22 Tui 8,4
23 Goldman Sachs 8,2
24 Tchibo 8
25 Europäische Zentralbank 7,9
26 Deloitte Touche 7,5
27 Hugo Boss 7,2
28 Coca-Cola 7
29 Nestlé 6,8
30 Accenture 6,5
31 Bain Company 6,3
32 Kraft Foods 6,2
33 KfW Bankengruppe 6,1
34 Eon 5,6
35 Metro 5,5
36 J. P. Morgan 5,4
36 UBS Warburg 5,4
38 Bertelsmann 5,3
38 ProSiebenSat.1 Media 5,3
38 Henkel 5,3
41 BASF 5,2
42 Novartis 4,8
43 IBM 4,6
43 Sony 4,6
45 DHL 4,5
45 Booz Allen Hamilton 4,5
47 Volkswagen 4,3
48 Deutsche Bundesbank 4,2
48 Aldi 4,2
50 Bayer 4,1
50 A. T. Kearney 4,1
* Umfrage unter rund 2600 Wirtschaftswissenschaftlern.
Quelle: Universum/Access Graduate Survey 2006:

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