Führung Putschfantasien

"Rache am Chef" ist süß und es gibt viele Gelegenheiten dazu. Das ist jedoch der eher billige Teil des Buches von Susanne Reinker. Spannend wird es, wenn die Autorin typische Führungsfehler schildert und dabei die Versäumnisse vieler Vorgesetzter profund analysiert.
Von Claus G. Schmalholz

Erkenntniswert: Es läuft offenbar nicht rund zwischen Managern und ihren Mitarbeitern. In den Bestsellerlisten stehen Bücher ganz oben, die das Verhältnis zwischen denen da oben und denen da unten mit drastischen Worten beschreiben. Etwa "Der Arschloch-Faktor" des renommierten Stanford-Professors Robert I. Sutton oder "Und morgen bringe ich ihn um!", in dem eine Chefsekretärin ihre Vorgesetzten als statusverliebte Egomanen mit bisweilen miesen Manieren beschreibt.

Die Autorin Susanne Reinker springt auf den Zug auf, indem sie die Geknechteten und Geprügelten zum Widerstand aufruft. Tatsächlich liefert sie auch manche Hinweise, wie Mitarbeiter ihre Chefs an die Wand spielen können, etwa durch die verzögerte Bearbeitung von Projekten, die gezielte Vernichtung wichtiger Unterlagen oder durch geschickt gestreute Indiskretionen gegenüber Aufsichtsratsmitgliedern.

Das ist jedoch der eher billige Teil des Buches. Spannender wird es, wenn Reinker typische Führungsfehler schildert: Chefs, die nicht organisieren können, nicht zuhören wollen oder schlicht ungerecht sind. Dabei gelingt ihr eine profunde Analyse der Versäumnisse vieler Vorgesetzter. Das ist einerseits Balsam für die Seelen vieler Beschäftigter, andererseits eine wohlgebündelte Lektion für Führungskräfte, die ein wenig über sich selbst nachdenken können.

Stil: Die Autorin widersteht der Versuchung, mit Spott und Häme um sich zu werfen. Viele Quellenhinweise zeugen von sauberer Archivrecherche, mangels eigener Erlebnisse verliert sich Reinker allerdings manchmal in spannungsarmen Nacherzählungen.

Nutzwert: Wer auf Tipps zum Abservieren unfähiger Führungskräfte hofft, wird enttäuscht. Ein Buch, das Mitarbeitern hilft, den Ärger über den Chef mit anderen teilen zu können. Wirklich sinnvoll wäre die Lektüre für selbstkritische Führungskräfte, die hier erfahren könnten, warum es oft an ihnen selbst liegt, dass ihr Team nicht die erwartete Leistung bringt.

Foto: manager-magazin.de
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