Montag, 9. Dezember 2019

Good Company Ranking Gute Nachbarn

5. Teil: Soziales ist Chefsache

Oft sind es akute Unternehmenskrisen, die dafür sorgen, dass die Führungsmannschaft beginnt, sich systematisch mit ihrer Verantwortung auseinanderzusetzen. So war es auch bei Henkel. Als Firmengründer Fritz Henkel senior 1884 eine Fabrik für seinen Waschmittelgrundstoff im Düsseldorfer Stadtteil Flingern bauen wollte, da protestierten die Bauern in der Nachbarschaft. Sie fürchteten schwarze Niederschläge auf ihren Kohlfeldern, also den Verlust ihrer Ernte. Henkel senior reagierte: Er investierte in einen höheren Schlot - die damalige, zugegeben nicht sonderlich weitsichtige Form von Umweltschutz.

"CSR ist keine Angelegenheit für Hochglanzbroschüren": BASF-Vize Voscherau
Seither müht sich der Konzern, über die Grenzen der eigenen Fabrikmauern hinauszuschauen. 1972 provozierte Fritz Henkels Enkel Konrad seine Managerkollegen bei der Jahrestagung des Verbands der Chemischen Industrie (VCI): "Unternehmen, die nur in Gewinnen denken, werden bald viel zu verlieren haben."

Heute sind CSR-Prinzipien so tief in Henkels Unternehmenskultur verwurzelt, dass jede Visitenkarte, die der Konzern für seine Mitarbeiter drucken lässt, auf der Rückseite die Unternehmensgrundwerte auflistet. Darunter auch: "Wir wirtschaften nachhaltig und gesellschaftlich verantwortlich." Alle Mitarbeiter, sagt Norbert Fedtke, Vice President für Sicherheit, Gesundheit und Umwelt bei Henkel, müssen wissen, worauf es ankommt, was erlaubt ist im Geschäftsgebaren und was nicht.

Allerdings: Wer seinen Mitarbeitern nur hehre Firmengrundsätze in die Hand drückt, wird nicht viel erreichen. Eine CSR-Strategie, da sind sich die Bestplatzierten des mm-Rankings einig, muss von der obersten Führungsriege persönlich vertreten und praktiziert werden. "CSR ist keine Angelegenheit für Hochglanzbroschüren und Beratungsunternehmen", sagt BASF-Mann Voscherau.

Die Botschaft ist klar: Gesellschaftliche Verantwortung ist Chefsache. Sie ist nicht delegierbar. Sonst missrät sie zu einem Bilanzposten für hinausgeworfenes Geld: Wo doch nur Erlöse und Gewinne zählen, haben Anstand und Werte im Zweifel keine Chance.

© manager magazin 2/2007
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