Samstag, 7. Dezember 2019

Good Company Ranking Gute Nachbarn

3. Teil: Unlösbare Symbiose

Und: Die manager-magazin-Rangliste ist nicht Ergebnis eines Wettbewerbs, sondern sie entsteht durch unabhängige Bewertung, im Zweifel auch gegen den Willen eines Unternehmens. Expertengruppen unterzogen die 120 größten europäischen Konzerne einem umfassenden Sozialverträglichkeits-Check.

"Welche Rolle spielt die Wirtschaft?"
McKinsey-Weltchef Davis
Anschließend legte eine Jury aus namhaften Mitgliedern, darunter Klaus Töpfer (früher Chef des UN-Umweltprogramms Unep) und Helmut Maucher (Ehrenpräsident von Nestlé Börsen-Chart zeigen), die endgültige Rangfolge fest (siehe: "Methode: Wie das Good Company Ranking entstand").

Bewertet wurde die CSR-Leistung auf vier Feldern: Mitarbeiter, Umwelt, Gesellschaft, Performance. Das Good Company Ranking legt Maßstäbe an für die langfristige Überlebensfähigkeit von Unternehmen, ja der marktwirtschaftlichen Ordnung insgesamt.

Manager, die nicht verstünden, dass es eine unlösbare Symbiose zwischen Unternehmen und Gesellschaft gebe, könnten nicht auf Dauer erfolgreich sein, sagt McKinsey-Weltchef Ian Davis. Schon aus purem Eigennutz müssten sie sich sozialverträglich verhalten: "Wenn Firmen eine verantwortungsbewusste Rolle spielen, dann finden sie eher gute Mitarbeiter, haben ein besseres Verhältnis zu ihren Kunden, fällt der regulatorische Rahmen für sie vorteilhafter aus." All das nütze am Ende den Firmeneignern.

Es ist nur so: In Zeiten beinharten Wettbewerbs gehen solche Verhaltensmaximen allzu leicht unter - siehe den Schmiergeldskandal bei Siemens Börsen-Chart zeigen. Entsprechend kritisch betrachtet die Öffentlichkeit das Treiben von Konzernen und Großinvestoren - siehe die "Heuschrecken"-Debatte.

Die Wirtschaft ist unter Druck geraten. Von Lateinamerika über die USA bis nach Westeuropa: Big Business steht am Pranger. Die Konzerne, egal ob sie unmittelbar verantwortlich sind oder nicht, werden haftbar gemacht für all die Verwerfungen, die mit der Globalisierung einhergehen: für Produktionsverlagerungen und Jobabbau, für gestiegene Unsicherheit und Ungleichheit.

Die Manager, sagt Davis, seien derzeit fundamentalen Fragen konfrontiert: "Auf welchen Werten basiert das Zusammenleben? Wohin soll sich das Gemeinwesen entwickeln? Wer trägt was zur Gesellschaft bei - welche Rolle spielt die Wirtschaft, welche die Regierung, welche die Gewerkschaften, die NGOs, die Medien?" Es sei an der Zeit, den "ungeschriebenen Vertrag einer Gesellschaft" zu erneuern. Und die Wirtschaft müsse "in diesem Prozess eine aktive Rolle spielen".

© manager magazin 2/2007
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