Ebay Knickrige Kunden

Skype soll endlich Geld verdienen. Die Integration des Telefondienstes in das Online-Auktionshaus Ebay wird zum Testfall für die Internetbranche.

Die Situation war bizarr: Im Herbst 2005 hatte das kalifornische Online-Auktionshaus Ebay  den Internet-Telefondienst Skype übernommen, zum stolzen Preis von mindestens 2,6 Milliarden Euro. Doch jedes Mal, wenn Ebay-Chefin Meg Whitman (49) etwas mit Skype-Gründer und CEO Niklas Zennström besprechen wollte, mussten sich die beiden im kanadischen Vancouver treffen - oder in der Londoner Skype-Zentrale.

Als Hinterlassenschaft eines früheren unternehmerischen Engagements, der Musik-Tauschbörse Kazaa, hatte Zennström millionenschwere Schadensersatzforderungen der US-Plattenindustrie am Hals. Um die Zuständigkeit der dortigen Gerichte zu verhindern, durfte er sich in den USA nicht blicken lassen.

Inzwischen hat Zennström mit den Plattenbossen einen Vergleich geschlossen. Das Abenteuer, auf das sich Ebay mit Skype eingelassen hat, ist damit allerdings noch lange nicht bestanden. Der Telefondienst erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 171 Millionen Kunden einen Umsatz von 195 Millionen Dollar - also lediglich gut einen Dollar pro Nutzer.

Kein Wunder, dass die Kundenzahlen so hoch und die Einnahmen so bescheiden sind. Die Telefonate, die Skype-Nutzer untereinander von Rechner zu Rechner führen, sind gratis. Es zahlen nur Kunden, die über Skype Nummern außerhalb des Internets anrufen. Das sind weniger als 10 Prozent der Nutzer.

Bereits für das laufende Geschäftsjahr sieht der Integrationsplan - Unternehmensinsidern zufolge - Umsätze von knapp einer Milliarde Dollar vor. Mit der derzeitigen Umsatzsteigerungsrate ist das nicht zu schaffen. Es müssen dringend neue Erlösquellen her. "Unser Wachstum bei den Umsätzen soll vor allem aus neuen Geschäftsmodellen stammen", bestätigt Zennström.

Milliardenschwere Übernahmen

Für die Internetbranche, in der milliardenschwere Übernahmen seit dem Skype-Deal fast wieder zum Alltag geworden sind, wird die Londoner Firma zum Testfall: Gelingt es tatsächlich, Skype-Kunden zu Geld zu machen? Oder wird die Übernahme zum Beleg für eine neue Bewertungsblase bei Internetfirmen?

Noch Boom oder schon Blase?: Für junge Internetfirmen werden wieder Milliardensummen gezahlt

Unternehmen Käufer Preis(in US-Dollar)
MySpace Jugendnetzwerk News Corp (Juli 2005) 0,58 Mrd.
Skype Internet-Telefondienst Ebay (September 2005) 2,6 bis 4,1 Mrd.
Youtube Video-Tauschbörse Google (Oktober 2006) 1,6 Mrd.
Quelle: Unternehmensangaben:

An einer Antwort auf diese Fragen versucht sich bereits der dritte von Ebay zu Skype entsandte Integrationsbeauftragte - binnen eines guten Jahres: Auf Rajiv Dutta und Alex Kazim folgte im Dezember Henry Gomez.

Der bodenständige Verkäufertyp befindet sich gegenüber Berufsvisionär Zennström in einer heiklen Position: Offiziell ist Gomez dem Skype-Gründer unterstellt - de facto dient er Whitman als Aufpasser.

Hilfreich für Gomez, dass Zennström inzwischen ein neues unternehmerisches Steckenpferd gefunden hat: einen Online-Fernsehdienstnamens Joost.

Angeblich auf Gomez' Initiative hin wurden zum Jahreswechsel die Geschäftsführer der bislang eigenständigen Skype-Landesgesellschaften in Deutschland, Frankreich und anderen europäischen Staaten vor die Wahl gestellt, die Firma zu verlassen oder in die Londoner Zentrale zu wechseln. Dort fallen seither alle Entscheidungen.

Monopolstellung eingebüßt

Bei den Erlösen setzt Skype unter anderem auf eine Partnerschaft mit Google : Skype soll eine Provision bekommen, wenn Google-Nutzer via Skype bei Google-Anzeigenkunden anrufen. Mehr als ein Hoffnungswert ist diese Partnerschaft allerdings bislang nicht.

Das gilt auch für ein gemeinsames Projekt mit dem Mobilfunkprovider Hutchison: Skype-Nutzer können bei Hutchinson über internetfähige Handys miteinander kommunizieren.

Mit solchen Angeboten reagieren Zennström, Gomez und Whitman darauf, dass Skype schneller als erwartet seine faktische Monopolstellung beim kostenlosen Internet-Telefonieren eingebüßt hat.

So ermöglicht zum Beispiel das österreichisch-kalifornische Startup Jajah, üppig mit Wagniskapital ausgestattet, seinen Kunden schon heute Gratis-Internetgespräche mit normalen Telefonapparaten. Die meisten Skype-Nutzer müssen sich dagegen mit Kopfhörer und Mikrofon vor ihren Rechner setzen.

Als weiterer Skype-Konkurrent ist das Start-up Cellity aus Hamburg aufgetaucht, das normale Handytelefonate automatisch über eine billige Internetverbindung umleitet. Zum Gründerteam gehört der ehemalige deutsche Skype-Landeschef Tim von Törne (35), der mit seinem Abschied Gomez' Zentralisiserungswelle zuvorkam.

Ein Trost bleibt Whitman in jedem Fall: Sollte Skype Ende 2007 seine hochgesteckten Ziele bei Kundenzahl, Umsatz oder Rendite verfehlen, muss Ebay einen mit den Skype-Gründern vereinbarten Zusatzbonus nicht überweisen - immerhin 500 Millionen Dollar für jede der drei Kennzahlen.

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