HSH Nordbank Nachwuchssorgen

In den vergangenen Monaten sind der HSH Nordbank gleich mehrere Topleute weggelaufen. Zwei wichtige Vorstandsposten sind trotz aller Börsenpläne immer noch vakant.
Von Ulric Papendick

Die HSH Nordbank, vor vier Jahren aus den Landesbanken Hamburgs und Schleswig-Holsteins entstanden, gilt gemeinhin als eines der fortschrittlicheren Institute im öffentlich-rechtlichen Bereich.

Seit dem Einstieg des Finanzinvestors Christopher Flowers (49) im vergangenen September und der Ankündigung der Bank, 2008 an die Börse zu gehen, sind die Norddeutschen mehr denn je bemüht, diesem Ruf gerecht zu werden. Derzeit machen sie allerdings erst einmal durch eine auffällige Führungskräftefluktuation von sich reden.

Zum Jahresende verabschiedete sich Bankchef Alexander Stuhlmann (58) in den Ruhestand, von wo aus er künftig zum Beispiel als Aufsichtsrat den Schiffsfinanzierer HCI kontrollieren wird. Er habe sich nicht mehr dem Druck eines Finanzinvestors aussetzen wollen, gestand der Banker gegenüber Vertrauten ein.

Und der als anspruchsvoll bekannte ehemalige New Yorker Investmentbanker Flowers wäre wohl auch nicht Stuhlmanns erste Wahl unter den Kapitalgebern gewesen. Der HSH-Mann, raunen Branchenkenner, soll - wenn überhaupt einen aus der rauen Branche - Flowers' Konkurrenten Hellmann & Friedman bevorzugt haben.

Stuhlmanns Abgang blieb kein Einzelfall. Im vergangenen Jahr hatte das Institut sämtliche Führungskräfte einem Leistungstest unterzogen. Ziel der aufwendigen Aktion war es, festzustellen, welche Mitarbeiter den Strapazen des geplanten Börsengangs überhaupt gewachsen seien.

Trauriges Ergebnis: Nicht nur auf den Ebenen unterhalb des Vorstands fielen viele Manager durch. Auch zwei Topleute erfüllten die Kriterien nicht; sie mussten gehen.

Ein vermeidbares Fiasko

Beim Firmenkundenchef Ulrich Ellerbeck (54), der Anfang November abtrat, kam die Demission wenig überraschend.

Der passionierte Segler und Golfer war auf Drängen des ehemaligen Kieler Landesbankchefs Dietrich Rümker (69) in den Vorstand der fusionierten Nordbank geholt worden. Die Besetzung galt seit Längerem als fragwürdig; ein interner Nachfolger war mit dem bisherigen Immobilienchef Bernhard Visker (40) schnell gefunden.

Dass mit Eckehard Dettinger-Klemm (43) nur wenige Wochen später der zweite Vorstand das Institut verlassen musste, hatten hingegen selbst Insider nicht erwartet. Immerhin hatte der frühere Bankchef Stuhlmann den für das Kapitalmarktgeschäft zuständigen Dettinger-Klemm noch kurz zuvor als eine der Nachwuchshoffnungen seines Instituts gepriesen.

Stuhlmanns Nachfolger Hans Berger (56), seit Jahresbeginn im Amt, sah Dettinger-Klemm offenbar kritischer. Der erst ein Jahr zuvor von der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) abgeworbene Banker, wissen Insider, habe Bergers Erwartungen nur teilweise erfüllt.

Dem neuen Mann fehlte offenbar einfach die nötige Erfahrung im komplexen Kapitalmarktgeschäft.

Stuhlmann und Berger, die Dettinger-Klemm gemeinsam ausgesucht hatten, hätten das Fiasko vermeiden können. Schließlich verfügte die HSH mit den Kapitalmarktexperten Martin Halblaub (39) und Walter Groll (46) über zwei starke interne Bereichsleiter mit Vorstandseignung.

Sowohl Halblaub als auch Groll trugen bei der HSH für deutlich mehr Personal und Budget Verantwortung als Dettinger-Klemm bei seinem früheren Arbeitgeber HRE.

Der eine der übergangenen Bereichsleiter, Groll, zog gleich die Konsequenz. Er folgte dem früheren HSH-Kapitalmarktchef Franz Waas (46) zum Sparkassendienstleister Deka.

Den Headhunter ausgewechselt

Halblaub hingegen ging auf Konfrontationskurs - und verlangte von Berger Mitte Dezember ultimativ Dettinger-Klemms Posten. Bergers unerwartete Reaktion: Er ließ den ungestümen Halblaub ziehen - und trennte sich kurz darauf auch von Dettinger-Klemm.

Dessen Job soll nun noch im ersten Halbjahr dieses Jahres Jochen Friedrich übernehmen. Der 43-Jährige ist derzeit bei der Frankfurter DZ Bank als Leiter des Bereichs Fixed Income tätig.

In Hamburg sind allerdings noch immer zwei Vorstandsposten vakant. Außer einem Finanzvorstand sucht Berger noch einen Leiter des operativen Geschäfts (Chief Operational Officer, COO). Ein bisschen viel Neuanfang für ein Institut, dass bis Ende des Jahres fit für die Börse werden will.

Der HSH-Nordbank-Vormann hofft zwar, beide Positionen - COO und Finanzvorstand - noch im ersten Quartal 2007 besetzen zu können. Ob das gelingt, ist angesichts des hart umkämpften Markts für Topleute fraglich.

Auf ihrer Suche nach einem COO waren die Hanseaten bereits fündig geworden: Frank Annuscheit (44), Chief Information Officer der Frankfurter Commerzbank, sollte nach Hamburg wechseln. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller (62) gelang es jedoch in letzter Minute, seinen IT-Experten zu halten.

Berger arbeitet übrigens mit einem neuen Headhunter zusammen. Statt Egon Zehnder sucht nun die Agentur Board Consultants Personal für die HSH Nordbank.

Mit den Diensten von Zehnder war Berger rückblickend weniger zufrieden: Die Personalberater hatten erst Waas zur Deka abgeworben - und der HSH anschließend Dettinger-Klemm als Ersatz beschafft.

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