Mittwoch, 8. April 2020

Was macht eigentlich Gerhard Goll?

EnBW? Von diesem Unternehmen will Gerhard Goll nichts mehr hören, auch wenn er dem Stromkonzern zehn Jahre lang vorstand. Heute wirkt der Anwalt Goll lieber im Verborgenen, coacht Firmen und "kraxelt ein bisschen".

"Schluss ist Schluss", verkündet Gerhard Goll, der zehn Jahre lang Chef des Stromkonzerns EnBW im Südwesten der Republik war. "Ich lese keine Artikel mehr über EnBW", sagt er. Und er rede mit niemandem mehr über dieses Unternehmen.

"Schluss ist Schluss": Über EnBw will Goll nichts mehr hören
Goll grollt. Sein Nachfolger bei EnBW Börsen-Chart zeigen, der konfliktfreudige Utz Claassen (43), hatte seine Bilanzierungspraxis kritisiert; die Staatsanwaltschaft ermittelte und stellte nach fast drei Jahre dauernden Untersuchungen im Frühjahr 2006 das Verfahren ein.

Ob ihn diese Vorwürfe und deren juristische Aufarbeitung getroffen haben? Er macht eine sehr, sehr lange Pause. Man spürt, wie er um die passenden Worte ringt. "Treue ist ein wesentlicher Begriff meines Weltbildes", sagt er schließlich, "deshalb hat mich das getroffen." Ende der Durchsage.

Also reden wir über das Jetzt. Er sitzt in seinem geräumigen und aufgeräumten Büro der Karlsruher Anwaltskanzlei Nonnenmacher. Einmal die Woche - meist dienstags - kommt er hierher. Jurist Goll tritt freilich nicht vor Gericht auf, er wirkt im Verborgenen. "Ich bin bei vielen Schlichtungen dabei", berichtet er.

Und er gibt rechtlichen Rat bei Nachfolgeregelungen im Mittelstand oder bei Unternehmensauf- und verkäufen; als EnBW-Chef hat er da einige Expertise angehäuft.

Nebenbei coacht er noch drei kleinere Unternehmen. Keine Start-ups, sondern Firmen, die schon drei bis fünf Jahre existieren und gewisse Wachstumsprobleme haben. Zum Beispiel das Berliner Unternehmen VM-People, das sich mit Marketing beschäftigt.

Seite 1 von 2

© manager magazin 1/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung