Was macht eigentlich Gerhard Goll?

EnBW? Von diesem Unternehmen will Gerhard Goll nichts mehr hören, auch wenn er dem Stromkonzern zehn Jahre lang vorstand. Heute wirkt der Anwalt Goll lieber im Verborgenen, coacht Firmen und "kraxelt ein bisschen".

"Schluss ist Schluss", verkündet Gerhard Goll, der zehn Jahre lang Chef des Stromkonzerns EnBW im Südwesten der Republik war. "Ich lese keine Artikel mehr über EnBW", sagt er. Und er rede mit niemandem mehr über dieses Unternehmen.

Goll grollt. Sein Nachfolger bei EnBW , der konfliktfreudige Utz Claassen (43), hatte seine Bilanzierungspraxis kritisiert; die Staatsanwaltschaft ermittelte und stellte nach fast drei Jahre dauernden Untersuchungen im Frühjahr 2006 das Verfahren ein.

Ob ihn diese Vorwürfe und deren juristische Aufarbeitung getroffen haben? Er macht eine sehr, sehr lange Pause. Man spürt, wie er um die passenden Worte ringt. "Treue ist ein wesentlicher Begriff meines Weltbildes", sagt er schließlich, "deshalb hat mich das getroffen." Ende der Durchsage.

Also reden wir über das Jetzt. Er sitzt in seinem geräumigen und aufgeräumten Büro der Karlsruher Anwaltskanzlei Nonnenmacher. Einmal die Woche - meist dienstags - kommt er hierher. Jurist Goll tritt freilich nicht vor Gericht auf, er wirkt im Verborgenen. "Ich bin bei vielen Schlichtungen dabei", berichtet er.

Und er gibt rechtlichen Rat bei Nachfolgeregelungen im Mittelstand oder bei Unternehmensauf- und verkäufen; als EnBW-Chef hat er da einige Expertise angehäuft.

Nebenbei coacht er noch drei kleinere Unternehmen. Keine Start-ups, sondern Firmen, die schon drei bis fünf Jahre existieren und gewisse Wachstumsprobleme haben. Zum Beispiel das Berliner Unternehmen VM-People, das sich mit Marketing beschäftigt.

Privatissime mit Teufel & Co.

Das Coachen und Schlichten lastet ihn nicht aus. Der Anwalt braucht noch Zeit für seine Hobbys. Er wandert gern in den Bergen und "kraxelt ein bisschen", in den Alpen und auf Korsika, wo - so Goll - das anspruchsvollste alpine Wandern möglich sei.

Und er beschäftigt sich seit seinem EnBW-Ausstieg intensiv mit der Geschichte. Dieses Fach und Germanistik wollte er einst studieren. Jetzt holt er den unerfüllten Wunsch im Selbststudium nach. Vor allem dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte widmet sich Goll ausführlichst: Wie kam es zum Dritten Reich? "Ich will ein Gefühl dafür bekommen, wie das entstanden ist", sagt der 1942 Geborene.

Das CDU-Mitglied war und ist ein politischer Mensch. Doch auf Parteiversammlungen geht er nicht. Er redet privatissime mit den Ex-Landesvätern Hans Filbinger und Erwin Teufel, zu denen er ein gutes Verhältnis habe.

Und neuerdings - nach der Einstellung der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen - nehme er auch wieder Einladungen im politischen Stuttgart an. Doch soll ihn dort ja niemand auf die EnBW ansprechen.


Zur Person

Gerhard Goll (64) wurde als Energiemanager bekannt. 1997 fusionierte unter seiner Führung der Versorger Badenwerk mit der Energie-Versorgung Schwaben zu EnBW, dem drittgrößten Stromkonzern Deutschlands. Ende April 2003 schied Goll, der seinen Vertrag nicht verlängern wollte, aus.

Der Jurist war Richter und Ministerialbürokrat in Stuttgart. 1982 wechselte er zur Landeskreditbank Baden-Württemberg, wo er es bis zum Vizechef brachte. Goll, bekennender Schwabe, lebt im badischen Karlsruhe.