Weltwirtschaft Die Prophezeiung

Finanzmarktlegende George Soros wettert gegen US-Präsident George W. Bush. Dabei wirft er einen Blick in die Zukunft und prophezeit Düsteres für die globale Ökonomie.

Erkenntniswert: Lange bevor George Soros mit seinem Hedgefonds die Bank von England knackte, lange bevor ihn Malaysias Ex-Premier Mahathir Mohamad als Auslöser der Asien-Krise brandmarkte, ganz am Anfang seines phänomenalen Aufstiegs gehörte George Soros zu den Schülern des Großphilosophen Karl Popper. Dessen Lehre von der offenen Gesellschaft wurde zum Mantra des Finanzmarktgenies. Und kaum ein anderer hat von der globalen Liberalisierung der vergangenen Jahrzehnte, die letztlich dem gedanklichen Grundgerüst seines Lehrers folgte, mehr profitiert als Soros.

Die Weltordnung, der er alles verdankt, sieht der 76-Jährige nun im Stadium der Auflösung. Die Schuld gibt er US-Präsident Bush. Unter dessen Regentschaft hätten sich die USA von der Idee der offenen Gesellschaft abgewandt, das Land sei in der Hand radikaler Ideologen, die über Jahrzehnte herrschenden freiheitlichen Ideale würden durch totalitäre Strukturen ersetzt. Soros geht so weit, Parallelen zur Nazi- und Sowjetdiktatur zu ziehen.

Ihren fatalen Höhepunkt habe die Entwicklung mit Bushs Krieg gegen den Terror erreicht. Dieser Feldzug werde die islamische Welt weiter radikalisieren, dazu führen, dass die Ölvorräte wieder zur Waffe gegen die Industrieländer würden, was letztlich eine globale Energiekrise auslösen könnte, die wiederum die globale Wirtschaftsordnung schwer beschädigen werde. Die Folge wäre ein Rückfall in den Protektionismus der 30er Jahre.

Eine düstere Zukunftsanalyse, aber viel zu durchdacht, um als reine Schwarzmalerei abgetan zu werden.

Stil: "Die Ära der Fehlentscheidungen" ist eine Mixtur aus Autobiografie, Philosophielehrbuch und geopolitischer Analyse. Nichts für zwischendurch, sondern für ein Wochenende hinter verschlossenen Türen im Arbeitszimmer.

Nutzwert: Dieses Buch enthält keine Geldanlagetipps. Es ist geschrieben für Profis, die auf der Suche nach einem globalen Szenario sind, in das sie ihre langfristige Strategie einbetten können.

rot rot statt orange seit März 2006, da neues Heftlayout

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Foto: manager-magazin.de
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